298 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1926,
aber außergewöhnlich rasch westwärts verbreitete, hielt den ganzen Dezember
hindurch an, flaute während der ersten Dekade des Januar 1926 bedeutend ab
and nahm dann rasch an Heftigkeit wieder zu. Nach dem 22, Februar war die
Schiffahrt nur noch östlich von Elbing durch Eis behindert und am 12. März
waren alle deutschen Ostseehäfen eisfrei, Eine kurze Eisperiode, die aber nur
im Frischen und Kurischen, Haff Segelschiffen leichte Behinderung brachte, be-
gann am 20. und endete am 25, März. Die offene See blieb im ganzen Winter
eisfrei,
In den Gewässern der Nordsee dauerte die Eisperiode vom 27. November 1925
bis zum 2, Januar 1926 und vom 12, Januar bis 4, Februar 1926,
Während der etwa 3'/, Monate lang anhaltenden Eisperiode im vergangenen
Winter waren die Eis- und Schiffahrisverhältnisse in den deutschen Häfen und
Revieren im ganzen genommen nicht besonders ungünstig,
Die Temperaturverhältnisse des Winters 1925/26,
Die Temperaturschwankungen des vergangenen Winters sind, soweit eine
generelle Übersicht in Frage kommt, aus den Angaben der untenstehenden Tabelle I
ersichtlich. Diese enthält die an je zwei Stationen des Nord- und Ostseegebiets
beobachteten mittleren Lufttemperaturen und deren Abweichung vom vieljährigen
Mittelwert.
Tabelle I. Die Temperaturverhältnisse des Winters 1925/26.
Manat
November 1925 , .
Dezember 1925 , 1
Januar 1926. .
Februar 1926 . ,
März 1926.
Borkum
ner
Mittel | vom 153.
* Mittel
Hamburg
: Abweich.
' vom 153.
Mitte}
| Rügenwaldermünde
; Abweich,
Mittel | vom 15j.
Aljet al
Memel .
| Abweich,
Mittel | vom 13j
Mittel
4,1% m. 1,19 28° 1
2 12 |—05
10 | +04 06
BT 22 3.0
33 | Lo2 44
— 13° 26°| _0890 179°| — 12
—15 1—02 | —05 | —L0 | +01
+12 |—09 | +09 ]—40 —08
HE 10 | +18 |—18 | +06
416 21 | 102 05 * L09
Zieht man die Durchschnittswerte der in Tabelle I angeführten fünf Monate
zusammen, 80 ergibt sich, daß der Winter 1925/26 für die gesamte Küste als
normal zu bezeichnen ist.
Yon maßgebender Bedeutung für das Auftreten von Eis und dessen Stärke
sind vor allem die Temperaturverhältnisse, dann aber auch die Tiefe und der
Salzgehalt des Wassers, die Wind-, Strom- und Verkehrsverhältnisse in den Ge-
wässern. So kann auch eine lang anhaltende ununterbrochene Frostperiode mit
weniger tiefen Temperaturen den Grad der Stärke des Eises viel ungünstiger
beeinflussen, als eine zeitlich gleichlange Frostperiode mit tieferen Temperaturen,
die aber durch das Auftreten von warmer Luft öfter unterbrochen wird,
Die nachstehenden Ausführungen geben eine kurze Übersicht über die zeit.
lichen und örtlichen Schwankungen der Frostperioden im vergangenen Winter.
Schon am 29. Oktober 1925 machte sich ein Kältevorstoß über Nord-
skandinavien bemerkbar, der infolge eines sich im Nordmeer entwickelnden Hoch-
druckgebiets rasch südwärts vordrang. Durch ein östlich davon liegendes Tief
druckgebiet wurde der Kälteeinbruch noch bedeutend verstärkt und schon am
2, November rückte die Frostgrenze im Osten bis zur Danziger Bucht vor. Eine
rasch ostwärts ziehende Zyklone, an deren Vorderseite kräftige Südwestwinde
wehten, schob die Frostgrenze schon am 4. November wieder ostwärts über
Deutschlands Ostgrenze zurück. Eine am 8, November über Mitteleuropa 0st-
südostwärts fortschreitende Depression, an deren Nordseite kalte östliche Winde
wehten, verursachte ein abermaliges Vorrücken der Frostgrenze bis zur Danziger
Bucht, aber schon am folgenden Tage waren die deutschen Küsten wieder eisfrei,
während über Schweden, Finnland und dem Baltikum teilweise starker Frosi
lagerte. Am 11. November schob sich die Frostgrenze keilförmig über Süd.
schweden rasch südwärts vor und umfaßte zunächst nur das Küstengebiet zwischen
der Mecklenburger Bucht und der Weser, aber schon am folgenden Tage fielen
die Lufttemperaturen an den deutschen Küsten der Ost- und Nordsee überall