Petersen, P.: Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten usw, während des Winters 1925/26. 997
Die Eisverhältnisse
den deutschen Küsten, in Memel und der Freien Stadt Danzig
während des Winters 1925/26,
In dienstlichem Auftrage bearbeitet von Kapt. P. Petersen,
Allgemeines,
Die in dieser Zeitschrift seit Jahren regelmäßig veröffentlichten Berichte
über den Verlauf der Eis- und Schiffahrtsverhältnisse an den deutschen Küsten
werden in der vorliegenden Bearbeitung in der gleichen Weise fortgesetzt, wie
in den früheren Jahren.
Im vergangenen Winter gingen bei der Deutschen Seewarte während der
Eisperiode von 29 Stationen des Ostsee- und von 26 Stationen des Nordseegebiets
täglich verschlüsselte Meldungen über die in ihrer Umgebung um etwa 8 Uhr
morgens beobachteten Eis- und Schiffahrtsverhältnisse ein.
Diese Eismeldungen werden zu je einem Sammelbericht für die Ost- und
Nordseeküste zusammengestellt und telegraphisch an die Hafen- und Lotsen-
behörden der wichtigsten deutschen Häfen, an alle Nebenstellen der Deutschen
Seewarte und an die bedeutendsten Schiffahrtszeitungen übermittelt zwecks Aus-
kunfterteilung an Schiffahrtsinteressenten, Für den internationalen Verkehr und
für auf See befindliche Schiffe erhalten die Funkstellen Swinemünde, Königs-
wusterhausen und Norddeich je einen von der Seewarte zusammengestellten ver-
schlüsselten Eisfunkspruch zur Verbreitung „an Alle“ Eine Zusammenstellung
der diesbezüglichen Gruppen, Sendezeiten und Wellenlängen ist in dem von der
Deutschen Seewarte herausgegebenen „Funkwetter“ und im „Nautischen Funk-
dienst“ der Marineleitung enthalten, Außerdem wird zu Anfang Oktober jedes
Jahres in den „Nachrichten für Seefahrer“ eine alle Einzelheiten umfassende
Zusammenstellung über den Eisnachrichtendienst veröffentlicht.
Ferner veröffentlicht die Deutsche Seewarte täglich, mit Ausnahme von Sonn-
und Feiertagen, einen amtlichen schriftlichen Eisbericht, der außer den deutschen
Eismeldungen auch die Eismeldungen aller umliegenden außerdeutschen Staaten
enthält. Dieser Eisbericht wird für Auskunftzwecke nach: dem gleichen Plan
verteilt wie die vorerwähnten telegraphischen Eisberichte. ;
Um den an die Deutsche Seewarte gestellten Anforderungen gerecht zu
werden, wird von den Eisbeobachtern ein Monatsberichtsbogen ausgefüllt, in
welchem außer den um 8 Uhr morgens gemachten Beobachtungen, auch die zu
andern Tageszeiten davon abweichenden Eisbeobachtungen, sowie diejenigen, die
an Sonn- und Feiertagen ausgeführt sind, eingetragen werden, Bei Anfragen
über etwaige Schiffsunfälle durch Eis, bei Verzögerungen der Reise, des Ladens
und Löschens und anderer, durch Eisschwierigkeiten verursachter Streitfragen,
sind diese Berichte unentbehrlich. Sie enthalten auch Angaben über die Dicke
des Eises, über die Gezeiten, über den Einfluß von Wind und Strom auf die
Eis- und Schiffahrtsverhältnisse, über die Tätigkeit der Eisbrecher usw,
Die im Herbst 1924 zum Abschluß gebrachte Erweiterung des Eisnachrichten-
dienstes für Eismeldungen von der freien Seo, war eine Folge der schweren
Schäden, welche der Schiffahrt durch den letzten schweren Winter 1923/24 zu-
gefügt worden war, Die der Deutschen Seewarte durch freiwillige Mitarbeit der
Schiffe geleistete Übermittlung von Meldungen über in See angetroffenes Eis
werden gesammelt und den andern amtlichen Eisberichten angehängt.
Da ein Nachrichtendienst von der freien See nur dann zur vollen Aus
wirkung gelangen kann, wenn auf Schiffen und in den umliegenden außer-
deutschen Staaten ein einheitliches System zur Anwendung kommt, wurde auf
Anregung der Deutschen Seewarte im Juli 1925 eine Eiskonferenz zusammen-
gerufen, auf der die Hauptinteressenten Dänemark, Schweden und Finnland ver-
treten waren, Das Ergebnis der Verhandlungen war eine einheitliche Arbeits-
methode und Verschlüsselung der Eismeldungen von See,
Die im vergangenen Winter schon Ende November 1925 einsetzende Kis-
periode, die, wie gewöhnlich, in den Gewässern der östlichen Ostsee begann, sich
an