596 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1926,
eines Querschnittes nach Summierung aller Beiträge sich ergebenden Amplituden
bezeichnen wir mit %, und %9. Durch Zusammensetzung ergibt sich
4— Hr, = Vo am? und = =a aretan 7,
alles in vollständiger Analogie zu dem soeben betrachteten Fall der vereinigten
Halbtagstiden,
Die endgültigen Ergebnisse der Rechnung für das nördliche und das
südliche Ende der einzelnen Querschnitte sind in der vorstehenden Tabelle 3
zusammengestellt,
Die nächste Tabelle gibt den Vergleich zwischen den an den fünf Beob-
achtungsstationen aus ihrer Lage theoretisch abgeleiteten und den daselbst
beobachteten bzw, aus der harmonischen Analyse gewonnenen Amplituden der
vereinigten Halbtagstiden M, und 5,, der auf den mittleren Meridian reduzierten
Hafenzeit, ferner der theoretischen und beobachteten Amplitude und reduzierten
Kappazahl von K,.
Tabelle 4. Theorie und Beobachtung,
Station
Constanza ..
Sewastopol . .
Feodosia . .. |
Poti 2.2...
Hy, + Hs, a.
theor, beob. | £heor. | beob,
em em Mädst. ! Mdet.
red. Hafenzeit
Hx, x'Yı
theor, | beob. theor, beob,
em cm ‘Grade | Grade
Lage
Nördl. Ende Qu. 18 45 | 39 | 84 | 32 11 — | — N
» m n»40 30 5.4 42 5.0 0.9 0.9 82 &2
A! 0.7 4.7 3.4 0.3 0.4 58 EST
5 n DE 72 | 1.1 11 ) 72 7.9 — — — “i
w .„ „2136| 56 4,1 9.0 93 1.8 1.5 266 271
Wenn man beachtet, daß die theoretischen Werte vollkommen unabhängig
von jeder Beobachtung gewonnen sind, und die ganz besondere Kleinheit der
Amplituden in Rechnung zieht, so wird man die in dieser Tabelle zutage tretende
Übereinstimmung zwischen Theorie und Beobachtung wohl als eine sehr be-
friedigende bezeichnen müssen,
Beobachtung und Theorie zeigen bei den Halbtagstiden eine Amphidromie
im Sinne des Uhrzeigers, bei K, hingegen eine solche entgegen dem Uhr-
zeiger. Gegenüber der im vorigen Abschnitte besprochenen schematischen
Theorie besteht der einzige Unterschied darin, daß bei der exakten Rechnung
die theoretischen Amplituden an den südlichen Enden der Querschnitte etwas
kleiner ausfallen als an’ den entsprechenden nördlichen, Dieser Unterschied ist
aber zum größten Teil nur ein scheinbarer, da infolge der Krümmung der Mittel-
linie die südlichen Enden der Querschnitte näher an den mittleren Meridian zu
liegen kommen und somit auch nach der schematischen Theorie kleinere Ampli-
tuden aufweisen müssen. Vergleichen wir Punkte gleicher geographischer Länge,
So sind in einer ganz kleinen mittleren Partie (von etwa 2° Längenausdehnung)
die theoretischen Amplituden an der Nordküste, in allen übrigen Teilen aber
diejenigen an der Südküste ein wenig größer, Diese Verschiedenheit rührt daher,
daß wir bei der genaueren Rechnung auch die Längsschwingungen mit den
Epochen 0% (bzw. 0°) in Betracht gezogen haben, die mit den durch die Erd-
rotation und die fluterzeugenden Kräfte hervorgerufenen Querschwingungen dieser
Epochen an der Nord- und Südküste in entgegengesetztem Sinne interferieren.
Zusammenfassung. Trotz der besonderen Kleinheit der Amplituden läßt sich
die harmonische Analyse auch auf die Gezeiten des Schwarzen Meeres mit gutem
Erfolge anwenden und führt zu verhältnismäßig genauen Werten der einzelnen
Konstanten. Diese stimmen sowohl mit den aus der schematischen Theorie der
Gezeiten eines rechteckigen Beckens ähnlicher Dimensionen als auch mit den
unter genauer Berücksichtigung der Gestaltverhältnisse theoretisch berechneten
Amplituden und Hafenzeiten (Kappazahlen) in durchaus befriedigender Weise
überein.