Castens, G.: Wüstenwinde, Kaltwasser-Auftricb und Nautik,
Es muß einmal nachdrücklich betont werden: die Nautik ist hinsichtlich ihrer
Lufttemperatur-Bestimmungen noch rückständig! Man hat geradezu das Gefühl, daß
die Erfahrungen der Meteorologie und insbesondere der Tropen Meteorologie im
letzten Vierteljahrhundert für die Seefahrt nicht vorhanden sind! Wenn.es in
der ersten Auflage des Segelhandbuches für das Rote Meer usw. auf Seite 20 heißt:
„Da die Behandlung des Psychrometers an Bord ziemlich schwierig ist“ — es
handelt sich um das einfache Psychrometer — so erschrickt man förmlich bei
dem Gedanken, den Händen des Nautikers gar ein Aspirations-Psychrometer
anzuvertrauen, ein Instrument, dessen Handhabung in Deutsch-Ostafrika jeder
indische Gehilfe der Landeswetterwarte und jeder schwarze Tangaschüler in
!/„, Stunde erlernte. .
Dieses Gerät, das Assmannsche Aspirations-Psychrometer — es genügt das
kleine Modell!) — gehört meines Erachtens an Bord zum mindesten jedes in
den Tropen und Subtropen fahrenden Schiffes?), da nur seine Verwendung die Be-
stimmung einwandfreier Lufttemperaturen, (und Feuchtigkeitswerte) verbürgt.
Näheres hierüber in der oben erwähnten neuen Auflage des Handbuches für das
Rote Meer usw., S. 5 und 6.
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Kleinere Mitteilungen.
1. Aus den meteorologischen Schiffs-Tagebüchern der Dentschen Seewarte.
D. „Adalia‘, Kapt. C. Moll, von Trinidad nach Amsterdam, 24. September 1925
Mittagsort 26° 47’ N-Br., 47° 54’ W-Lg., Wache von 4 bis 8b Nm. „etwa 10 Kap-
tauben gesichtet.“
Bemerkung: Wenn hier kein Irrtum vorliegt, ist dies ein außergewöhnliches
Vorkommen, Die Kaptaube ist in den gemäßigten Breiten des Süd-Atlantischen
Ozeans heimisch.
2. D. „Cap Norte‘, Kapt. Kröger, von Lissabon nach Hamburg, 6. Oktober 1925
(5h 36@ 2 Sm westlich von Cabo Roca), Wache von 4 bis 8* Nm, „Wildgänse
beim Schiff.“
D. „Argentina“, Kapt. Eikhof, von Bahia nach Bremen, 8. Mai 1925. Auf
19 80’ N-Br., 29° 56’ W-Lg. Besteckversetzung N54°O 44 Sm. „Abnorme Strom-
versetzung nach O (bei Vollmond).“ ;
Bem.: Solche östlichen. Versetzungen kommen im Mai keineswegs selten vor;
sie treten besonders dann auf, wenn der Südostpassat nicht bis an den Äquator
heranreicht. In den Fällen ist der Stillengürtel breiter als sonst und bietet Ge-
legenheit, einen zurückflutenden östlichen Äquatorialgegenstrom sich ausbilden
zu lassen, wie er im Stillen Ozean fast querüber von einem Erdteil zum andern
zwischen beiden Passaten besteht. „Argentina“ hatte den Südostpassat bereits auf
£° S-Br. verloren und empfing den Nordostpassat in nennenswerter Stärke (3)
arst auf etwa 5° N-Br. In diesem 9° breiten Gürtel, wo östlicher Gegendruck
fehlte, konnten die im Süden und Norden nach Westen getriebenen Wassermassen
zurück fluten.
4. D. „Elmshorn“, Kapt. Moritzen. a) Von Emden nach Port Said.
a) Am 20. Februar 1925, Mittagsort 33° 17’ N-Br., 26° 33’ O-Lg. 19. Februar,
Wache von 4 bis 8% Nm,: „Heller Schein im Westen {(Tierkreislicht?).“
ß) 20. Februar, Wache von 4 bis 8h Nm.: „Wiederum heller Schein im Westen“.
b) Von Suez nach Batavia.
Am 1. März 1925, Mittagsort 11° 46’ N-Br., 51° 31’ O-Lg. „Fanden morgens
beim Sichten von Ras Filuk, daß wir von gestern mittag um etwa 8 Sm
aus unserm Kurs nach Süden versetzt waren, Moritzen.“
Bem.: Südliche Versetzungen in dieser Gegend zu dieser Jahreszeit sind
selten, kommen aber bei etwa 6%, aller Beobachtungen vor, Durch ihre Selten-
1) Bei Unterweisungen im Gebrauch dieses Instrumentes beachte man Met. Ztschr. 1925, H.4, 8. 158.
Bassus: Glasröhre am Gummiball nicht bis zur Strichmarke, sondern nur halb füllen!
2) 8. auch Ann, d. Hydr. usw. 1925, S.267£,: Castens, „Bordgesundheitswesen und Meteorologie‘“.
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