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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Castens, G.: Wüstenwinde, Kaltwasser-Auftrieb und Nautik, 
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des Horizontes (Verkleinerung der Kimmtiefe), Verengerung des Horizontes?) 
(Vergrößerung der Kimmtiefe), Luftspiegelungen, sehr starkes Flimmern der Fix- 
sterne — ist auf See vor allem in den Gegenden zu rechnen, in denen die Ur- 
sachen für die Störungen der normalen Luftdichtigkeits-Änderung mit der Höhe 
in besonders ausgeprägtem Maße auftreten können. Als Ursachen kommen u. a.?) 
in Betracht: a) heiße Winde über vom Meerwasser kühler erhaltenen unteren 
Luftschichten; — b) kalte Luftströmungen über verhältnismäßig warmem Wasser; — 
c) starke und schnelle Erhitzung des Erdbodens an der Küste infolge Strahlung 
bei Windstille; — d) große Abkühlung der untersten Luftschicht infolge Kalt- 
wasserauftriebes. Die Vorbedingungen für letzteren sind: starke Temperatur- 
abnahme des Meerwassers nach unten und durch ablandige Winde oder durch 
Küstenform und Meeresströmung erzwungene Vertikalbewegung des Wassers. 
Zum Studium der Erscheinungen der Strahlenbrechung und für deren weitere 
Erforschung, bei der die Mitarbeit der Seefahrer unentbehrlich ist, sind vor allem 
das Rote Meer und der Golf von Aden geeignet. Das „Segelhandbuch“ für 
diese Gewässer, 1. Aufl, gibt S. 45 einige Beispiele für die Wirkung der Strahlen- 
brechung. Es handelt sich bei diesen wohl durchweg um „Kimmung“, also Er- 
hebung von unter dem Horizont liegenden Gegenständen über die Kimm, zum 
Teil — im Falle der „Elisabeth“, April 1874 und der „Ambria“, Juni 1910% — 
offenbar in Verbindung mit „Luftspiegelung nach oben“. Bei allen Beispielen kann 
als Ursache übergroße Dichteabnahme nach oben infolge heißer Wüstenwinde an- 
genommen werden. Eine nennenswerte Verstärkung der Lufttemperaturgegensätze 
zwischen „unten und oben“ durch Kaltwasserauftrieb kommt im Roten Meer 
nicht in Frage, da die eine der oben genannten Vorbedingungen für diesen, die 
starke Temperaturabnahme des Wassers nach unten, hier fehlt, wie aus folgenden 
Zahlen zu ersehen. Die Wasserwärme nimmt, von der Oberfläche an ge- 
rechnet, ab: bis 50m 100m 150m 200m 400m Tiefe. 
Im Roten Meer um 2° 21° 8° 39 411,9 
« Golf von Aden « 2 3 7 10% 14 
Im Roten Meer sind demnach Wahrnehmungen, wie sie das holländische Schiff 
„Rembrandt“*) im August 1924 im innersten Teil des Golfs von Aden, bei Perim, 
machte, unmöglich: um 4 Uhr Nm. wurde hier eine Wasserwärme von 17.5°C 
gemessen, darauf im Abstand von */, Sm 27.5° und um 4% Nm. 31.2°, Der Unter- 
schied zwischen der innerhalb 35 Minuten gemachten ersten und letzten Messung 
beitrug mithin fast 14°! Der niedrigste vom „Rembrandt“ ermittelte Wert (17.5°) 
liegt noch unter dem tiefsten (17.9°), den Bobzin®) angibt in seiner Bearbeitung 
der in den Jahren 1906—13 von Schiffsoffizieren der Hamburg-Amerika-Linie an 
der arabischen Südküste angestellten Beobachtungen. Daß es sich in dem ganzen 
Auftriebsgebiet, von Perim an ostwärts, nicht um nur vereinzelt vorkommende 
Aufquell-Erscheinungen handelt, zeigen die Schottschen®) Darstellungen des 
mittleren jährlichen Ganges der Luft- und Wasserwärmegrade bei Perim und 
im eigentlichen Golf von Aden, etwa auf der Höhe von Makalla: alle vier Tempe- 
raturkurven weisen außer dem winterlichen Tiefststand einen zweiten deutlich 
ausgeprägten im Hochsommer auf, zur Zeit des kräftigsten Kaltwasserauftriebes. 
+y Letztere ist nach Pernter-Exner meistens mit dem Eindruck verknüpft, daß die innerhalb 
des Gesichtskreises liegenden Gegenstände besonders nahe und auffallend deutlich sichtbar sind. — 
[ma allgemeinen beeinflussen die örtlichen Klima- und Witterungsverhältnisse die Luftdichtigkeits- 
zustände so ausschlaggebend, daß man sich hüten muß, KErfahrungsregeln über die Verwertun 
von guter Sichtigkeit als Wettervorzeichen. zu verallgemeinern, Tatsächlich ist ungewöhnlich 
gute Eichtigkeit bei allen nur möglichen Taftzuständen beobachtet worden: vor und nach Nieder- 
schlägen, bei großer und geringer Luftfeuchtigkeit, bei kalten und warmen Luftströmungen, 
2) Vgl. auch v. Schrötter a. a. O., 8. 169. 
Beobachtungen von H. Schmidt, 3. Off. D. „Ambria“ Annalen d, Hydr. usw. 1911, 8. 573. 
* „De Zee“ (Holland) 1925, S, 59: „Sprongen in temperatuur—zeewater‘“, 
% „Deutsche Überseeische Met, Beoabachtungen“, Hete. XXIII, Abschn, H: Bobzin, Verglei- 
chende Betrachtung des Klimas und der kalten Auftriebsströmungen an der südwestafrikanischen. und 
züdarabischen Küste“, S. 14. . 
6) „Ozeanographie und Klimatologie des Persischen Golfes usw.“, Beil. zu den Ann, d. Hydr. 
usw. 1918, S. 30; 8. auch „Handbuch für das Rote Meer und den Golf von Aden“, 2. Aufl. (im 
Erscheinen begriffen), S. 9.
	        
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