Bartels, J.: Barometrische Messung der Hochseegezeiten,
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Zusammenfassung, Es ist möglich, innerhalb der Tropenzonen die halbtägige
Mondtide M, des freien Ozeans aus Luftdruckbeobachtungen an Bord eines Schiffes
abzuleiten. Die Ilunare Druckwelle, die aus Ablesungen am Schiffsbarometer ab-
geleitet wird, besteht aus drei Teilen. Diese sind; die atmosphärische Ebbe und
Flut (ö, pp); die durch die Meerestide angeregte Luftschwingung, die sich in Hebung
und Senkung der Isobarenflächen äußert (d,p); die gemäß der barometrischen
Höhenformel verlaufende Druckschwankung infolge Hebung und Senkung des
Schiffes (d,p). 0,p ist aus Landbeobachtungen bekannt. Im Fall ebener Wellen
hat ö,p dieselbe Phase wie d,p, so daß die Phase von M, ohne weiteres aus
(ö,p + dp) berechnet werden kann. Das störende Glied ö,p kann durch suk-
zessive Approximation eliminiert werden; es ist um so kleiner, je langsamer die
Meereswellen fortschreiten, und ö,p wird !/, ö,p nicht überschreiten. Ältere Be-
obachtungen Barkows werden ausgewertet, Ein Schema für die Bearbeitung
der bisherigen Schiffsbeobachtungen wird angegeben; Material ist reichlich vor-
handen. Die Wirkung von 6,p auf die Bestimmung der atmosphärischen Ebbe
und Flut (d,p) an Küstenorten sowie auf die mondtäglichen erdmagnetischen
Schwankungen wird besprochen,
Wirkungen des Reibungsunterschiedes über See und Land auf die Luft-
strömung im Bereich der Deutschen Bucht.
Von Kapitänleutnant &, DD, 0. v. Schubert, Hamburg.
(Hierzu Tafel 17.)
Die Anregung zu der vorliegenden Untersuchung verdanke ich Herrn Prof
Dr. W. Georgii, der mich auch bei der Durchführung mit seinem Rat unterstützt
hat, Es ist mir eine angenehme Pflicht, hierfür auch an dieser Stelle meinen
Dank auszusprechen.
Zweck’ der Untersuchung,
Die Absicht bei der Untersuchung war, die Luftbewegung auf der freien
Nordsee mit den gleichzeitigen Verhältnissen einer Reihe von Stationen dicht an
der Küste und weiter landeinwärts zu vergleichen. Dadurch sollte einmal ein
Anhalt für die Sturmwarnungen gegeben werden, indem man ein Bild von den
mittleren Windverhältnissen der Zentrale Hamburg und der seewärts vorgeschobenen
Warnungsstellen gewann, wenn auf See Sturmstärken herrschen. Neben diesem
praktischen Ziel sollte untersucht werden, ob sich der Einfluß des Reibungs-
unterschiedes über See und über Land noch in den mittleren Windverhältnissen
erkennen läßt, wie weit landeinwärts diese Wirkungen reichen und welche Fol-
gerungen daraus etwa für den Reibungsaufwind gezogen werden können.
Das gewählte Gebiet mit seinen rechtwinklig zueinander verlaufenden Küsten,
in deren Winkel zwei große Ströme gewissermaßen die Fortsetzung des Meeres
bilden und denen eine Kette von Inseln vorgelagert ist, ließ von vornherein ziem-
lich verwickelte Verhältnisse erwarten. Die Wahl rechtfertigt sich einmal durch
das örtliche Interesse, dann durch die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, Beobach-
tungsmaterial von günstigeren Gebieten zu erhalten.
Unterlagen und Durchführung.
Für die Windverhältnisse des Seegebiets wurden die dreimal täglichen Termin-
beobachtungen des Weser-Feuerschiffs in dem Jahrfünft 1921—1925 benutzt. Zur
Kontrolle wurden dieselben Beobachtungen auf dem Feuerschiff Außen-Eider heran.
gezogen. Da nur bei höheren Windstärken eine einheitliche Strömung in dem
ganzen Gebiet zu erwarten ist, wurden nur solche Termine gewählt, an denen
Stärke 6 Beaufort und darüber herrschte. Die Anzahl dieser Fälle, getrennt nach
Windrichtungen und Beaufort-Stärken, gibt die Tabelle 1.