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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1926.
des Druckes. Harmonische Analyse. Elimination der atmosphärischen Ebbe und
Flut (ö,p) gibt (d,p + dsp).
g) Division von (ö,p + dp) durch die barometrische Höhenstufe und Um-
kehrung der Phase gibt einen genäherten Wert für die Meerestide M,.
h) Theoretische Bestimmung von ö,p und sukzessive Approximation, wie oben
geschildert,
5. Bemerkungen über lunare Schwankungen von Luftdruck und Erdmagnetismus.
Nachdem gezeigt ıst, daß ö,p unter ungünstigen Umständen von derselben Größen-
ordnung wie d,p sein kann, so muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß
5,p auch die Beobachtungen der atmosphärischen Ebbe und Flut (d,p) an Land-
stationen in der Nähe des Ozeans beeinflußt. Mit Ausnahme von Tiflis liegen
alle Stationen, die bisher untersucht wurden, nicht weit von der Küste. Es ist
nicht ausgeschlossen, daß z, B, die merkwürdige Vergrößerung der Amplitude von
ö,p in Aberdeen gegenüber Greenwich z. T. auf ö,p zurückzuführen ist, ebenso die
eigentümlichen Phasendifferenzen zwischen den Stationen Mauritius (Phase &,==98°)
und Batavia (9, = 65°)!), Jedoch müßten zur Entscheidung dieser Frage spezielle
Untersuchungen von Fall zu Fall angestellt werden, Nimmt man auf Grund der
bisher berechneten Werte an, daß ö,p die Phase der atmosphärischen Gezeiten an
Küstenorten bis zu -+ 20° fälschen kann, so wäre die Amplitude von d,p etwa
3 von d,p, also durchaus nicht zu vernachlässigen,
Daß die halbtägigen Sonnentiden S, und K, die Beobachtungen des sonnen-
täglichen Luftdruckganges an Bord von Schiffen entstellen können, ist schon früher
angedeutet worden, So konnte z. B. gezeigt werden, daß die ganz unverständliche
Halbtagswelle des Druckes in Port Charcot in der Antarktis wahrscheinlich auf
Meeresgezeiten zurückzuführen ist?). Ferner konnten die Druckregistrierungen
an der Winterstation des „Gauß“ mit Hilfe der gleichzeitigen Gezeitenbeobach-
tungen reduziert werden, wodurch die Phase der halbtägigen Druckwelle mit der
zu Framheim in Übereinstimmung gebracht wurde®), Wenn irgend möglich, sollten
z. B. bei antarktischen Expeditionen die Barographen an Land gebracht werden, um
wenigstens die Korrektion wegen 0, p zu vermeiden. — Übrigens werden auch die Er-
gebnisse in der erwähnten Arbeit P. Henckells durch S, und K, beeinflußt sein.
Nur angedeutet sei, daß die ö,p entsprechende Druckschwankung nach (3)
und (4) sich ebenso in die höheren, leitenden Atmosphärenschichten fortpflanzen
muß wie ö,p, wenn die Resonanz einigermaßen stark ist. Nach der Schusterschen
Theorie sind nun die mit ö,p verbundenen Horizontalbewegungen für die lunare
Schwankung des Erdmagnetismus entscheidend. Infolge ö,p müssen also auch
dabei Schwankungen lokaler Natur superponiert werden, deren Geschwindigkeits-
potential freilich durch Kugelfunktionen P„" sehr hoher. Ordnung n dargestellt
werden wird. Bei der geringen Zahl der erdmagnetischen Observatorien gehen
aber selbst Koeffizienten von Kugelfunktionen hoher Ordnung in die niederer
Ordnung ein, allein infolge der Ausgleichung. — Neuerdings nimmt jedoch S. Chap-
man), abweichend von der Schusterschen Theorie, an, daß die lunare erd-
magnetische Schwankung in der mittleren Zone der Erde hauptsächlich das Feld
sekundärer elektrischer Ströme ist, die dort durch primäre, in den Nordlichtzonen
fließende Ströme induziert werden. In diesem Fall werden die Horizontalbewegungen
der Atmosphäre, also auch dö,p und 0ö,p, in der mittleren Zone nebensächlich für
die Erscheinung, und ö,p würde nicht stören,
Selbstverständlich ist die Rückwirkung der atmosphärischen Ebbe und Flut
{ö,p) auf den Ozean zu vernachlässigen. Selbst wenn der „statische“ Wert 13.6
des Verhältnisses zwischen den Wasser- und Druckschwankungen erreicht werden
sollte®), würde die lunare Druckschwankung d, p = 0.065 mm am Äquator nur eine
Wasserstandsschwankung von weniger als 1 mm Amplitude hervorrufen.
3) Vgl. die Daten in den Arbeiten von S. Chapman, Quart. Journ. R. Meteor, Soc., 1918,
p. 271—280; 1919, p. 113—189; 1922, p. 246—250; 1924, p. 99--112. ;
2) Ann. d. Hydr., Bd. 50, 1922, S. 260 f.
%‘) Tätigkeitsbericht des Preuß, Meteor. Inst. 1920—1923, S. 112£,
t} Proceedings of the Physical Soc. of London, Vol. 37, Part 2, 1923, p. 44D.
+) Vgl. die Beobachtungen von H. Pettersson im Gullmar-Fjord in Südschweden. Geografiska
Annaler, Bd. JIT, Stockholm 1921, S. 165—182,