168 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1926,
umgekehrt. Die Größe des Gliedes hängt nicht nur von einer solchen ungleich-
förmigen Verteilung der Niveaulinien, sondern gleichzeitig auch von der Krüm-
mung der Erdoberfläche oder, näher bestimmt, von den Unterschieden der
geographischen Breite ab, Mit dem nächsten zu berücksichtigenden Gliede ver-
glichen wird es jedenfalls im allgemeinen von untergeordneter Bedeutung sein,
und es soll bei dieser Untersuchung vernachlässigt werden,
Es bleibt dann von F in (12) nur das letzte Glied — 0G/ö% zurück, Dieses
ie. 5 Glied fällt nicht weg, und es läßt sich auch nicht in irgend-
g. 5. « euer n &
giner allgemeingültigen Beziehung zu curl &} bringen. Immer-
hin können wir uns aber eine ungefähre Vorstellung von seiner
Bedeutung verschaffen.
Es sei zu diesem Zwecke O (Fig. 5) der Krümmungsmittel-
punkt einer Stromlinie in dem willkürlich gewählten Punkte 4
und 7 die Länge OA, mit positivem oder negativem Vorzeichen
gerechnet, je nachdem die x-Richtung nach der konkaven oder
der konvexen Seite der Stromlinie fällt. Dann ist offenbar
öG G .
Wenn das betreffende Meeresgebiet im großen und ganzen von einer kon-
vexen Randkurve begrenzt und durch einen einigermaßen gleichförmigen Über-
schuß der Verdunstung oder .des Niederschlages gekennzeichnet ist, so werden
offenbar auch die Stromlinien des Verdunstungsstromes konvexe, geschlossene
Kurven. In (13) haben dann alle drei Glieder im allgemeinen dasselbe Vor-
zeichen, nämlich überall, wo die Geschwindigkeit vom Zentrum des betrachteten
Gebietes nach den Rändern zu wächst. In den Randteilen eines Verdunstungs-
oder Niederschlagsgebietes ist allerdings zu erwarten, daß div S” numerisch
gegen Null abnimmt, und hier kann der Fall eintreten, daß 3@/0% sein Vor-
zeichen wechselt und &@ nach außen zu abnimmt. Wir haben aber keinen
Grund, die Integration über diese Randgebiete mit abnehmendem G zu erstrecken,
wenn wir nur eine obere Grenze für die Größe G suchen wollen,
Wenn für kompliziertere Verhältnisse eine Ausnahme gemacht wird, können
wir also voraussetzen, daß sämtliche drei Glieder in (13) dasselbe Vorzeichen
haben, und daß mithin der Wert von — 06/0 zwischen Null und curl & liegt.
Als Endergebnis können wir schließen — jedenfalls, insofern das letzte Glied
in (5) bei der Integration vernachlässigt werden darf —, daß wir für den jetzt
vorliegenden Zweck diese Gleichung durch die einfachere Gleichung
eu @=— a dir Ss" (14)
ersetzen können. Die aus dieser Gleichung ermittelten Geschwindigkeiten des
Verdunstungsstromes können zu groß sein (höchstens doppelt zu groß, im all-
gemeinen aber bedeutend weniger); dagegen können sie nicht wesentlich zu
klein ausfallen. So z.B. würden, in dem durch Gleichung (8) dargestellten Falle,
die Geschwindigkeiten bei Anwendung der vereinfachten Gleichung y4/3 mal, d. h.
um etwa 15%, zu hoch ausfallen.
9. Die geographische Verteilung der jährlichen Verdunstungs- und Nieder-
schlagsmengen sind zwar, selbst in ihren großen Zügen, noch nicht vollständig
bekannt. Für den Atlantischen Ozean gibt Wüst in einer wichtigen Abhandlung ?)
wenigstens eine Übersicht über ihre zonale Verteilung von zehn zu zehn Graden,
was für den vorliegenden Zweck ausreichen mag. In hohen Breiten sowie
zwischen 0° und 10° N-Br., übersteigt der Niederschlag die Verdunstung. Zwischen
10° und 40° N-Br. und zwischen 0° und 40° S-Br. ergibt sich dagegen ein Über-
schuß von Verdunstung, und zwar ist dieser Überschuß für die nördlichen Breiten
am größten. ;
Aus den Gleichungen (8) und (10) erhellt, daß, unabhängig von dem einen
oder anderen Ansatze betreffs der Reibungstiefe, die zu ermittelnden Ströme im
u G. Wüst, Die Verdunstung auf dem Meere, „Veröffentl. des Inst, für Meereskunde‘“, Neue
Folge A, Geogr, Naturwiss, Reihe, Heft 6, Berlin 1920,