Ekman, W, V.: Können Verdunstung usw. im Meere merkliche Kompensationsströme verursachen? 263
Diese Annahme ist aber nicht ganz richtig. In der schematischen Fig. 1 soll
ABCD das betreffende Gebiet des Nordatlantischen Ozeans vorstellen, AC und BD
seine westlichen und östlichen Landgrenzen, und die punktierten Linien AB und CD
die im offenen Meere gezogenen Grenzlinien. Wenn das Fig. 1.
Oberflächengefälle längs AB genau nördlich und längs CD D
genau südlich gerichtet ist, so wird der Tiefenstrom große Sense em een ne ernennen
Wassermengen von 4 nach B und von D nach C befördern, Q }
Wegen der Kontinuität müssen daher Tiefenströme längs /
BD und CA entstehen, wie durch die Pfeile angedeutet. \ fi
Da aber die Strommenge senkrecht zur Küste (von der enwFER art anan-
Filußwasserzufuhr abgesehen) Null sein soll, so muß der A
Tiefenstrom gegen die Küstenlinie zu immer ein wenig konvergieren, d.h. das
Oberflächengefälle muß mit der Küstenrichtung BD bzw. CA einen spitzen Winkel
bilden, Dies besagt aber, daß die Oberfläche bei BR höher steht als bei D und
bei € höher als bei 4, was mit der gemachten Annahme unverträglich ist. Man
erkennt in dieser Weise unschwer, daß das Oberflächengefälle auf der Nord-
grenze eine Komponente in der Richtung CD, auf der Südgrenze eine Komponente
in der Richtung BA haben muß.
3. Als Ausgangspunkt für eine folgerichtigere Beantwortung der aufgestellten
Frage betrachten wir nun zwei stark idealisierte Probleme. Erstens setzen wir
ein mitten im Meere gelegenes, kreisförmiges Verdunstungsgebiet voraus, in dem
in jeder Hinsicht eine vollkommene Symmetrie rings um das Zentrum besteht.
Auch die Unterschiede in geographischer Breite sollen als bedeutungslos ver-
nachlässigt werden. Die Niveaulinien der Oberfläche, d. h. die Bahnkurven des
Tiefenstromes, müssen dann konzentrische Kreise sein (Fig. 2). Wegen des Boden-
stromes ist aber die gesamte Strom- Fig. 2.
menge nach innen gerichtet, wie in
der Figur durch gestrichelte Pfeile
angedeutet,
Zweitens betrachten wir ein
Meeresgebiet von derselben Form,
4as den gleichen Bedingungen unter-
worfensei, nur mit dem Unterschiede,
daß zwei entgegengesetzt gelegene
Quadranten AC und BD der Rand-
kurye Küstenlinien sind (Fig. 3). In
der Nähe von Land kann (wenn von
Flußwasserzufuhr abgesehen wird) die gesamte Strommenge keine zur Küste senk-
rechte Komponente haben. Hier müssen daher die Niveaulinien in der Strom-
richtung sich der Küstenlinie nähern. Dieselben müssen, insofern sie nicht an
der Küste enden, geschlossene Kurven sein; sie bekommen daher eine langgestreckte
Form wie in der Figur, und man sieht, daß da, wo das Verdunstungsgebiet an
das umgebende Meer grenzt, der Tiefenstrom zur Wasserzufuhr beiträgt. Die
Richtung der Strommenge (die gestrichelten Pfeile) bildet also hier mit der Grenz-
linie einen größeren Winkel als in Fig. 2.
In dem symmetrischen Falle (Fig. 2) können die Ströme exakt berechnet
werden. In dem zweiten Falle (Fig. 3) ist dies nicht mehr möglich, Doch läßt
sich unter Benutzung des Stokesschen Satzes die Zirkulation des Tiefenstromes
längs der Randkurve annähernd berechnen, wodurch man von der Größenord-
nung der erregten Geschwindigkeiten eine Vorstellung bekommen kann.
Ehe diese Berechnung in Angriff genommen wird, möchte ich aber zuerst
eine Ungenauigkeit berichtigen, der ich mich in der Theorie der Meeresströmungen
schuldig gemacht habe, eine Ungenauigkeit, die allerdings bisher ganz belanglos
gewesen ist, die aber mit der gesteigerten Entwicklung der Theorie früher oder
später als unhaltbar beseitigt werden muß‘).
4y Siehe zuch: „ÜUtkast till en enhetlig havsströmsteori“ 8, 17, 1. €.
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