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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Ekman, W, V.: Können Verdunstung usw. im Meere merkliche Kompensationsströme verursachen? 263 
Diese Annahme ist aber nicht ganz richtig. In der schematischen Fig. 1 soll 
ABCD das betreffende Gebiet des Nordatlantischen Ozeans vorstellen, AC und BD 
seine westlichen und östlichen Landgrenzen, und die punktierten Linien AB und CD 
die im offenen Meere gezogenen Grenzlinien. Wenn das Fig. 1. 
Oberflächengefälle längs AB genau nördlich und längs CD D 
genau südlich gerichtet ist, so wird der Tiefenstrom große Sense em een ne ernennen 
Wassermengen von 4 nach B und von D nach C befördern, Q } 
Wegen der Kontinuität müssen daher Tiefenströme längs / 
BD und CA entstehen, wie durch die Pfeile angedeutet. \ fi 
Da aber die Strommenge senkrecht zur Küste (von der enwFER art anan- 
Filußwasserzufuhr abgesehen) Null sein soll, so muß der A 
Tiefenstrom gegen die Küstenlinie zu immer ein wenig konvergieren, d.h. das 
Oberflächengefälle muß mit der Küstenrichtung BD bzw. CA einen spitzen Winkel 
bilden, Dies besagt aber, daß die Oberfläche bei BR höher steht als bei D und 
bei € höher als bei 4, was mit der gemachten Annahme unverträglich ist. Man 
erkennt in dieser Weise unschwer, daß das Oberflächengefälle auf der Nord- 
grenze eine Komponente in der Richtung CD, auf der Südgrenze eine Komponente 
in der Richtung BA haben muß. 
3. Als Ausgangspunkt für eine folgerichtigere Beantwortung der aufgestellten 
Frage betrachten wir nun zwei stark idealisierte Probleme. Erstens setzen wir 
ein mitten im Meere gelegenes, kreisförmiges Verdunstungsgebiet voraus, in dem 
in jeder Hinsicht eine vollkommene Symmetrie rings um das Zentrum besteht. 
Auch die Unterschiede in geographischer Breite sollen als bedeutungslos ver- 
nachlässigt werden. Die Niveaulinien der Oberfläche, d. h. die Bahnkurven des 
Tiefenstromes, müssen dann konzentrische Kreise sein (Fig. 2). Wegen des Boden- 
stromes ist aber die gesamte Strom- Fig. 2. 
menge nach innen gerichtet, wie in 
der Figur durch gestrichelte Pfeile 
angedeutet, 
Zweitens betrachten wir ein 
Meeresgebiet von derselben Form, 
4as den gleichen Bedingungen unter- 
worfensei, nur mit dem Unterschiede, 
daß zwei entgegengesetzt gelegene 
Quadranten AC und BD der Rand- 
kurye Küstenlinien sind (Fig. 3). In 
der Nähe von Land kann (wenn von 
Flußwasserzufuhr abgesehen wird) die gesamte Strommenge keine zur Küste senk- 
rechte Komponente haben. Hier müssen daher die Niveaulinien in der Strom- 
richtung sich der Küstenlinie nähern. Dieselben müssen, insofern sie nicht an 
der Küste enden, geschlossene Kurven sein; sie bekommen daher eine langgestreckte 
Form wie in der Figur, und man sieht, daß da, wo das Verdunstungsgebiet an 
das umgebende Meer grenzt, der Tiefenstrom zur Wasserzufuhr beiträgt. Die 
Richtung der Strommenge (die gestrichelten Pfeile) bildet also hier mit der Grenz- 
linie einen größeren Winkel als in Fig. 2. 
In dem symmetrischen Falle (Fig. 2) können die Ströme exakt berechnet 
werden. In dem zweiten Falle (Fig. 3) ist dies nicht mehr möglich, Doch läßt 
sich unter Benutzung des Stokesschen Satzes die Zirkulation des Tiefenstromes 
längs der Randkurve annähernd berechnen, wodurch man von der Größenord- 
nung der erregten Geschwindigkeiten eine Vorstellung bekommen kann. 
Ehe diese Berechnung in Angriff genommen wird, möchte ich aber zuerst 
eine Ungenauigkeit berichtigen, der ich mich in der Theorie der Meeresströmungen 
schuldig gemacht habe, eine Ungenauigkeit, die allerdings bisher ganz belanglos 
gewesen ist, die aber mit der gesteigerten Entwicklung der Theorie früher oder 
später als unhaltbar beseitigt werden muß‘). 
4y Siehe zuch: „ÜUtkast till en enhetlig havsströmsteori“ 8, 17, 1. €. 
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