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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Neuere Veröffentlichungen, 
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spannungen auffassen kann. — Die Erörterungen 
von R. über die zweckmäßige Dicke der beiden 
Partner eines Bithermometers mögen auch von der 
fjeinmechanischen Industrie zur Kenntnis genommen 
werden, die auf diesem Gebiet heute wohl überall 
noch rein empirisch vorgeht. Es soll sich die 
Dicke beider Komponenten ebenso zueinander ver- 
halten, wie die Leitfähigkeit beider Metalle. 
Beachtenswert als Ergebnis einer langjährigen 
Beobachtungspraxis sind die abschließenden Be- 
irachtungen dieses Kapitels, wenn auch nicht jeder 
Meteorologe sich mit ihnen ohne weiteres einver- 
standen erklären wird: Messungen, die Vergleiche 
zwischen den Angaben verschiedenartiger Thermo- 
meter in sich schließen, sind streng genommen 
anzulässig! Auch gehäufte „mittlere Korrektions: 
werte“ haben nur statistische Bedeutung für klima. 
tische Untersuchungen, nicht für den Einzelfall 
'Zu dieser Frage werden Vergleichsmessungen, die 
auf Veranlassung von P. Heidke bei der Met. 
Vers.-Anstalt in Großborstel seit nahezu einem 
Jahre zwischen nicht ventiliertem Thermometer 
und Aßmann Asp.-Psychrometer bei jedem Beob- 
achtungstermin An werden, ein inter- 
zasantes Material liefern.) Allgemeine Zustimmung 
wird R. finden mit seiner Forderung, eine einheit- 
liche Aufstellung einheitlicher Instrumente zu 
schaffen und lieber an allen Beobachtungs- 
stellen bewußt gleiche Fehler zu begehen, 
als durch Verschiedenartigkeit des Instrumenta- 
riums samt der angebrachten Korrektionen das 
synoptische Bild zu verzerren. 
m dritten Kapitel wird die Beobachtung der 
Luftfeuchtigkeit behandelt, und auch hier er- 
kennt man leicht den erfahrenen, kritischen Beob- 
achter, so bei der Darlegung der Schwierigkeit 
einer psychrometrischen  euckicbrelimmung. der 
Fehlerquellen der Hanrhperogtephen und der Un- 
zulänglichkeit der üblichen Kontrolle des Haar- 
hygrometers, auch bei SEO SCH Messungen, 
durch das Psychrometer, Auch die Darlegungen, 
unter welchen Umständen die peychrometrische 
Differenz negativ wird, das feuchte Thermometer 
also höher steht als das trockene, werden manchem 
aufmerksamen Beobachter erwünscht sein. 
Die Beobachtug der Luftströmun- 
en ist der Gegenstand des folgenden Kapitels, 
Brinzip, Anwendungsgebiet und Fehlerquellen der 
verschiedenen Windmesser und -schreiber werden 
dargelegt, sowie die Versuche, die vertikale Kom- 
ponente des Windes und die Feinstruktur der 
horizontalen Komponente näher zu erforschen, Zu 
der letzten Frage hat ja gerade Robitzsch!) selbst 
sehr wertvolle Beiträge geleistet, Nur erwähnt seien 
lie folgenden Ausführungen über Höhenwind 
messungen mit Pilotballonen und Flugdrachen. 
Die Pilotballon-Methode ist ja durch die hydro 
dynamische Betrachtungsweise*) wie durch die 
statistische Bearbeitung von Doppelanschnitten?) 
als mit starken Fehlerquellen behaftet erwiesen. 
Nach der Arbeit von Raethjen?) ist die Ursache 
der ungleichmäßigen Steiggeschwindigkeit weniger 
in einer Erhöhung des Turbulenzgrades der durch. 
messenen Luftmassen, als in dem sogen. Treppen- 
steigen der Ballone begründet. 
Beobachtung der Bewölkung, des Sonnen- 
1) Arbeiten d. Kgl, Preuß, Aeronaut. Obsert. 
Lindenberg 13, 1919 S. 66, 
2) Wenger, Ann. Hydr. 45, 1917, S, 121, Raeth- 
jen, ebenda 53, 1925, S, 273. « 
8) Moltschanoff, ebenda 53, 1925, S. 163, 
scheins und der Strahlung. Sehr wichtig ist 
der Nachweis an Potsdamer  Volkenschälzungen, 
daß durch die sogen. Kulissenwirkung infolge der 
andlichen Dicke der Wolken die prozentische Be- 
wölkung stets zu hoch (im Mittel in Potsdam um 
2,3 Zehntel) geschätzt wird, Auch die Wichtigkeit 
Mner physikalischen Wolkenbeobachtung wird 
mit vollem Recht betont. Es fehlt hierfür nur ein 
xnheitliches Schema und ein neuer Wolkenatlas, 
der besonders auf die Übergangsformen eingehen 
nüßte und dessen Herausgabe schon längst einem 
ulgemein empfundenen Bedürfnis entspricht. Bei 
ler Besprechung der Strahlungsmessungsme- 
\hoden besonders beachtlich ist die Erörterung 
jer Fehlerquellen infolge des wechselnden atmosphä- 
rischen Zustandes und die Forderung, angesichts 
ler Zwecklosigkeit von Einzelbeobachtungen der 
Strahlung alle aerologisch-meteorologischen Arbeits- 
zräfte darauf zu konzentrieren, eine solche Kennt- 
nis der Luftzustände zu schaffen, daß Strahlungs- 
messungen an Hand zuverlässiger Unterlagen dis- 
kutiert werden können. ; 
Das sechste Kapitel handelt von Nieder- 
schlag und Luftelektrizität, Zur ersteren 
wird genauere Kenntnis des zeitlichen Ablaufes, 
der Niederschlagsintensität, gefordert. Zum zweiten 
wird zuf die Schwierigkeit hingewiesen, bei der 
allgemein üblichen Registrierung des Potentialge- 
alles am Boden den Einfluß der wechselnden 
Leitfähigkeit der verschiedenen Luftkörper bis in 
zroße Höhen gesondert darzustellen, 
Im letzten Kapitel schließlich finden wir eine 
kurze Darlegung der Auswertung und Bearbei- 
kung aerologischer Messungen, wobei wieder beson- 
lers auf die aller aerologischen und meteorologi- 
ichen Arbeit anhaftenden Beschränkung einge- 
yangen wird, Untersuchungen auf Grund von mit 
Fehlern behafteten Messungsreihen durchführen zu 
nüssen, ohne daß der Einfluß. eines beliebigen 
Slementes durch das Experiment feststellbar ist. 
So würde schon aus diesem Grunde die von Ro- 
»itzsch im Schlußwort beklagte Tendenz zum 
Sammeln von Beobachtungsmaterial als Selbstzweck 
sychologisch verständlich, Gewiß ist die Bear- 
deitung die Hauptsache, Aber diese Forderung 
st an die Möglichkeit gebunden, daß jedem Mete- 
»rologen auch die -Zeit für solche Bearbeitung zu 
Gebote steht. Daß dies leider in den meisten 
Tällen nicht der Fall ist, weiß jeder, der den mo- 
lernen Wetterdienst kennt. — Vielleicht wäre &s 
nöglich, gelegentlich einer neuen Auflage eine 
;ystematische Zusammenstellung und kurze Erör- 
;jerung der in Frage kommenden Bearbeitungsme- 
‚hoden des rohen meteorologischen Zahlenmaterials 
hier anzuschließen, sowohl die rein rechnerische Be- 
handlung (Differenzen-Methode, kleinste Quadrate 
asw.), wie die Darstellung, Ausgleichung und Zer- 
legung durch die modernen graphischen Methoden, 
Das Buch von Robitzach ist ein zuverlässiger 
Wegweiser durch ein schwieriges, teilweise neues 
Gebiet; es wirkt in vieler Beziehung anregend, sei 
8 — eentin — auch durch Herausfordern 
des Widerspruchs, Sein Erscheinen darf aufs 
wärmste begrüßt werden, denn es füllt eine Lücke 
in jeder meteorologischen Fachbücherei aus. 
Georgi 
Barth, Paul: Stidwestafrika. Wirtschaftlicher 
Ratgeber und allgemeine Anleitung, besonders 
für Auswanderungslustige. Mit vielen Abbil- 
dungen und einer Karte. Verlag von John 
Meinert Ltd, in Windhoek, Alleinvertrieb durch 
Koehler & Volckmar in Leipzig, 1926,
	        
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