Neuere. Veröffentlichungen.
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erleichtert dem Leser, sich selbst ein Urteil zu
bilden, durch zahlreiche wörtliche Auszüge aus
den benutzten Werken, denen er englische Über-
setzung EEE Zur Erläuterung dienen auch die
zahlreichen Kartenausschnitte,
1, An bei der ersten der behandelten
Fragen „The determination of the length of a
terrestrial degree by Columbus“ (8. 1.—30) erweist
gr sich nicht besonders bewandert in der fraglicher
Literatur. Denn was hilft es dem Leser, eine Quellen-
schrift, die ganz eingehend die verschiedenen An-
nahmen über die Größe des Erdgrades am Erde
des 15. Jahrhunderts kritisch behandelt, wie meine
Studie „Über die Rekonstruktion der Toscanelli-
karte von 1474“ (Nachrichten d, k. Ges, d, Wiss
zu Göttingen Phil. Hist, Klasse 1894) nur nach
Vignauds Schrift. über Toscanelli und Columbus
zitiert zu sehen, ohne daß der Verf. ihren Inhalt
kennen gelernt hätte?
Daß Kolumbus ständig nur von dem bekannten
Ergebnis der arabischen Erdmessung, wonach 1°
des Erdumfangs == 56?/4 „Meilen“ sein sollte, aus-
yegangen ist, steht seit lange fest, ebenso die Tat-
sache, daß er diese Meilen stets mit der römischen
Meile (== 1480 m} identifiziert hat. Das paßte
dem Entdecker ja am besten, da er, um den West-
weg nach Asien A kurz erscheinen zu
lassen, der runden Erde den geringsten Umfang
unter den Jandläufigen Annahmen geben mußte,
Auch muß zugegeben werden, daß Kolumbus des
öftern versichert hat, sich durch eigene Messung
von der Richtigkeit der Annahme, 1° = 56%,
Meilen, überzeugt zu haben, freilich ohne je sein
dabei eingehaltenes Verfahren an einem konkreten
Beispiel zu erläutern. Das Neue, was G. Nunr
aunmehr bietet, ist der Versuch eines Nachweises,
auf welchem praktischen Wege Kolumbus zu jener
Annahme gekommen sei, “eines Erachtens is!
jedoch dieser Versuch mißlungen, da er offensicht.
lich auf einem Trugschluß beruht. Leider kanr
auf Einzelheiten hier nicht eingegangen werden
Der Verf, stelle {p. 17) den von Kolumbus wahr
scheinlich angenommenen Breitenunterschied zwi
schen Lissabon (405 15° N) und den Inselchen
Los Idolos (1° Y N), also 39° 10, dem wahren
Breitenunterschien) {(Liss. 38' 42‘ N} und Los Idolos
{9° 30V N), also 29° 19, gegenüber. Nur diesen
letzten Bogenwert verwandelt er in das Wegemaß
der altitalienischen Meilen, wobei nach heutigen
Kenntnissen 1° = 111121 m, und die altitalienische
{altrömische} Meile zu 1480 m angenommen ward
80 folgte
{29° 12° >< 111121 m) : 1480 m == 2192 4 italien. M
Der Trugschluß liegt darin, daß der Verf
diesen realen Abstand von 21924 M,, der doch
Kolumbus gar nicht bekannt sein konnte
durch den vermeintlichen Abstand jener falschen
von 39° 10 teilt, und so einen Wert von 56 Meilen
für 1° erhält, der jener Grundzahl von 562/, sehr
nahe kommt. GG. Nunn bat nicht erkannt, daß
diese Übereinstimmung ein reiner Zufall ist, da
sich die Kilometerwerte von 83.4 km (== 56%, . 1.48
yud 111.12 km annähernd, wie die Breitenunter
schiede 29° ; 30° verhalten,
2, Beim 2, Problem „The route of Columbus
on his first voyage. As evidence of his knowledge
of the winde and currents of the Atlantic“ {S. 31
bis 5 tritt der Verf, erfreulicherweise als Gegner
von Henry Vignauds Grundanschauungen suf
wonach Kolumbus nie die Absicht gehabt haben
3ll, Ostasien auf dem Westwege zu erreichen,
sondern nur vermutete Inseln im Westmeer zu
antdecken. Bekanntlich haben Vignaud und seine
TE für diese Hypothese gerade in Amerika
viele Anhänger fanden, In überzeugender Weise
folgert der Verf, gerade aus der Wahl des Weges
der ersten Westfahrt des Kolumbus — nicht in
der Breite von Lissabon oder der Straße von
Gibraltar, sondern in der weit niedrigern der Ka-
Aarischen Inseln —- daß Kolumbus hierbei von
zigenen Erfahrungen und vielfachen Erkundigungen
über Wind- und Strömungsverhältnisse der West-
see ausgegangen sei. Er fürchtete sie mit Recht
;n östlicher Richtung als Widerstand in höherer
Breite (um sie dann auf den Rückweg nach Europa
auszunutzen), vermutete ihr Vorherrschen dagegen
in westlicher Richtung in der niedern Breite,
8. Länger verweilt der Verf, bei dem 3, Problem
„Did Columbus believe that he reached Asia on
his fourth voyage?“ (S. 54—90) und weist gegenüber
den Ansichten von Henry Harrisse und John
Thacher u. A. mit triftigen Gründen von neuem
nach, daß vor allem such die zeitgenössischen Karten
Jafür sprechen, daß Kolumbus gerade bei seiner
rierten Reise an der Anschauung, asiatischen Boden
grreicht zu haben, fest gehalten habe,
4. Einen der umstrittensten Punkte aus der
Geschichte der Kartographie im ältern Zeitalter
der OT betrifft das 4. von (4. Nunn
behandelte Problem „The identity of Florida om
he Cantino map of 1502“ (S, 91—141). Es ist
bekannt, daß mit Cantino beginnend eine große
Reihe von damaligen Karten, wie die Canerio’s
1503 od. 1504), Waldseemüllers (1507) u. &.
im Nordwesten der Insel Kuba ein ausgedehntes
Landgebiet, annähernd von Dreieckform, zur Dar-
— bar am welches eine AS EtS Halb.
insel, die mit Namen bedeckt ist, südostwärts gegen
Kuba vorstreckt, Nach Lage und Umrißgestalt
ähnelt die Halbinsel entschieden der von Florida
and ist von zahlreichen Forschern als Urbild dieser
Halbinsel erklärt, Woher jedoch diese zuerst bei
Cantino auftretende Darstellung stammt, weiß
man bis heute nicht Der Verf” zieht nun alle
älteren und neueren Autoren, die sich für oder
gegen Florida erklärt haben, heran, so besonders
guch Henry Harrisse, der bei seiner ver.
gleichenden Analyse der an der Küste jener Halb-
insel eingetragenen Namen keinen einzigen mit den
auf Kolumbische Entdeckungen zurückzuführenden
Namen auf Kuba zu identifizieren vermochte. Der
Verf, weist diesem scharfsinnigen Kenner der
amerikanischen Entdeckungsgeschichte indes nach,
daß er zu diesem negativen Ergebnis mur deshalb
gekommen sei, weil er irrtümlicherweise die Namen
auf der Ostküste von Kuba von N nach 5, auf
der Südküste von W nach O aufgezählt uud denen
der Cantinokarte auf dem vermeintlichen Florida
gegenübergestellt habe, Bei neuer Örprisrung
elingt es dagegen dem Verf., eine ganze Anzahl
der fraglichen Namen als identisch nachzuweisen,
Überzeugend führt er sie teils auf Cosas Karte
r. 1500 (also Kolumbischen Ursprungs), teils auf
Karten der Cortereals (also portugiesischen Ur-
sprungs) zurück, Er erblickt also in der Dar.
stellung Cantinos und seiner Nachfolger einen ge
wissen Kompromiß zwischen den Anschauungen
der beiden Hauptentdecker Amerikas, Kolumbus
und Cabot, in bezug auf die zeitgenössischen
Annahmen, daß das im W von Kuba gelegene
Land dem Festland von Asien entspreche, Florida
also nicht von Cantino und Genossen gemeint sein
könne,
Jeder Freund der Entdeckungsgeschichte wird