242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteörologie, Juni 1926.
vehte enfangs mit, Stärke 8, flaute dann aber bis 5 und 4 ab. Das Barometer begann am Nachmittag
es 10. zu steigen,
Aus den Karten der „Täglichen Wetterberichte der Deutschen Seewarte“ für diese Tage läßt sich
die Wetterlage mit den anhaltenden südlichen steifen Winden erkennen, Am 10., 8h Vm,, befand sich
südlich von Irland ein ausgedehntes Tief mit 710 mm, während über dem Europäischen Festland
Hochdruckkerne mit 770 und 780 mm lagen, Die 765 mm.-Linie verlief vom Nordkap bis Gibraltar,
Das starke Druckgefälle bedingte die südlichen steifen Winde.
Nicht zum Ausdruck kommen jedoch auf den Wetierkarten die Ursachen für den schweren
Sturm mit Windstärke 12 und seine plötzliche Unterbrechung auf der Wache von 4l bis 8b Ym, am 10.
Das liegt daran, daß für die Beurteil ung solcher lokalen Störung fern auf See nicht genügend zahl-
reich funkentelegraphische Wettermeldungen von Schiffen eingegangen sind, Es scheint, als ob sich
ein Randwirbel KT hatte, der seine Selbständigkeit nicht aufrecht erhalten hat, Aus der Ein-
tragung: Veränderlich 2/8 )äßt die sich vorwiegende Richtung des Windes zwar nicht ersehen, aber
sie scheint südöstlich HE zu sein, da im Tagebuch vermerkt ist: 4h drehte der Wind rechts-
herum wieder nach Büd, Da nach der Wetterkarte das Tief einen stark nach Süden vorgeschobenen
Ausläufer hatte, war die Möglichkeit zu solchen Bildungen vorhanden, . 0
Am folgenden Tage, am 11. Januar 1926, stellte „Osiris“ eine Versetzung von 44 Sm nach Norden
in 48 Stunden fest, die bei dem anhaltenden Südsturm erklärlich ist,
Am 16. Januar 1926. Auf 32° 25’ N-Br., 36° 55° W-Lg. „die ersten fliegenden
Fische“, ;
Am 20. Januar 1926, Auf 23° 51' N-Br, 54° 27’ W-Lg. (nachdem am vorher-
gehenden Tage zwei Sonnenflecke beobachtet waren) Mittags: „Sonne zeigt zwei
große, .kreisrunde, schwarze Flecke an der linken Seite,“
Am 25, Januar 1926, Auf 12° 27’ N-Br., 75° 32’ W-Lg. „Große Mengen
fliegende Fische, darunter viele kleine, etwa 3 bis 5 cm lange.“
b) Fon Balboa nach San Jose de Aratemala, ‘
Am 29. Januar 1926, Auf 9° 19’ N-Br., 84° 57 W.Lg. „Große Mengen Schweins-
fische, anscheinend Paarungszeit.“
Am 30. Januar 1926, Auf 12° 8’ N-Br., 88° 47’ W-Lg. „Viele Wale, Schweins-
fische und Schildkröten. Sonnenflecke verschwunden.“
ce) Von San Francisco nach Balboa.
Am 14. März 1926. Auf 24° 20' N-Br., 111° 53’ W-Lg. „Viele Seelöwen, Auf-
fallend große fliegende Fische,“
d) Von Balboa nach Antwerpen.
Am 25, März 1926 wurde auf 15° 19’ N-Br., 76° 36‘ W-Lg. starke Besteck-
versetzung, S74°W 46 Sm in 24 Stunden festgestellt.
Bem.: Das Schiff befand sich auf der Strecke von Colon nach der Windwärtsdurchfahrt, Es
hatte in den ersten 16 Stunden nach dem Verlassen von Colon eine Versetzung von 19 Sm nach
555°0 und am folgenden Tage die oben augeführte,
Vie durch die Inselkette der Kleinen Antillen in das Karaibische Meer eingedrungenen Wasser-
massen der Nord- und Südäquatorialströmung fließen, dauernd angepeitscht durch den Nordastpassat,
nach Westen, bis sich ihnen das Mittelamerikanische Festland als Damm entgegenstellt, der ihnen
andere Richtungen anuweist. Es findet eine Spaltang statt. Während der größte Teil nordwestliche
Richtung annimmt und auf den Yakatan-Kanal zustrebt, um in den Golf von Mexiko zu gelangen,
scheint ein kleinerer Teil auch eine Umbiegung nach Süden zu vollführen und vor der Panamaküste
als Neerstrom aufzutreten, Daher erklärt es sich, daß viele Dampfer bei der Austeuerung von Colon
oder nach dem Verlassen dieser Bucht sich östlich versetzt, finden, wie guch in dem vorliegenden Fall,
Sind die Dampfer aus diesem Stromband, das manchmal weit östlich vor der ganzen Colombianischen
Nordküste auf nahen Küstenabstand anzutreffen ist, heraus, dann werden sie von der westlich setzenden
Strömung EEE die, wie der vorliegende Fall zeigt, sehr stark sein kann, Diese Stromverhältnisse
werden freilich nicht immer angetroffen, aber bei der ADC des Panamakanals von
Norden sollte stets im Auge behalten werden, daß Östliche Versetzung vorliegen
kann; das ist darum wichtig, weil der vor Colon liegende schmale Lotungsgürtel
weiter östlich noch schmaler wirdl}.
2. M. S, Rio Panuco, H. Schuldt, Kapt. J. Jochimsen,
Von Vera Cruz nach Tampico.
Am 3. Dezember 1925, nachmittags von 4b bis 8, „Der Pico de Orizaba ist
sehr klar sichtbar. AÄußerst klare Luft,“
Am 4. Dezember 1925, 5k 5m Ym,, „plötzliches Einsetzen des Norders, Tem-
peratur fällt um 5°,“
Bem.: Die alte mexikanische Wetterregel: „Tst die Spitze des Orizaba noch am Nachmittage
zu sehen (morgens ist sie fast immer frei von Gewölk), so gibt es einen Norder“, hat sich auch hier
wieder als sicher erwiesen,
1) Vgl, auch „Der Pilote“ 1924, Heft 6, 8. 59, 60,