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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

236 _ Annalen der .Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1926, 
auf der Nordhalbkugel allgemein geringer ist als im Winter, sind die Temperatur- 
anomalien der Figuren 3 und 4 kleiner als diejenigen der Figuren 1 und 2. Jedoch 
bestehen auch im Juli klare Zusammenhänge. Das Gebiet positiver Korrelation 
östlich des atlantischen Zirkulationsstreifens ist weniger ausgedehnt als im Winter. 
Es erstreckt sich nicht bis nach Asien und ist auch in Mitteleuropa nicht mehr 
scharf ausgeprägt. Auch das Gebiet negativer Korrelation im Nordwesten der 
Zirkulation ist an Ausdehnung und Stärke wesentlich geringer. Neuartig gegen- 
über dem Winter, aber möglicherweise reeill, da die zugehörige Null-Linie in Fig, 3 
und 4 nahezu gleich verläuft, ist ein Gebiet schwacher, dem Sinne der Abweichung 
des Luftdruckgefälles Ponta Delgada—Island entgegengesetzter Temperaturano- 
malie im Südosten Nordamerikas (Nashville, Washington). 
Über eine einheitliche Organisation des drahtlosen Wettermeldedienstes 
vom Nordatlantischen Ozean. 
Von Dr. Rudolf Benkendorff, Deutsche Seewarte, Hamburg. 
Wirft man einen Blick auf die Bestrebungen zur Erlangung drahtloser Wetter- 
meldungen vom Nordatlantischen Ozean in den Nachkriegsjahren, so bietet sich 
kurz skizziert folgendes Bild dar: Die einzelnen, an der transatlantischen Schiff- 
fahrt beteiligten Länder zogen die mit weitreichendem Sendegerät ausgerüsteten 
Dampfer ihrer Reedereien zur Anstellung von Terminbeobachtungen heran. Diese 
Dampfer setzten ihre Beobachtungstelegramme an die Küstenfunkstellen iKrer 
Länder ab, die sie den Meteorologischen Zentralinstituten zuleiteten, von denen 
sie dann im Anschluß an die Synoptischen Sammelberichte dem europäischen 
Wetterdienst zur Kenntnis gebracht wurden. Die Entwicklung ist hier dieselben 
Wege gegangen, wie bei dem Aufbau des zwischenstaatlichen Wetternachrichten- 
austausches der Landbeobachtungen in den Jahren nach dem Kriege. Auch hier 
begannen zunächst die einzelnen Staaten aus eigener Initiative heraus, die draht- 
lose Verbreitung ihrer Sammelberichte aufzunehmen, was bei dem Fehlen gegen- 
seitiger Verständigung naturgemäß zu manchen hemmenden Reibungen führte, 
Erst die internationale Zusammenarbeit schuf die heutige vorbildliche, straffe 
Funkorganisation, die in einem Minimum von Zeit ein Maximum an Telegrammen 
gewährleistet, Dieser Vergleich paßt auch auf die Entwicklung der Verschlüsselung 
der Wetterbeobachtungen. Der Einheitsschlüssel für Landbeobachtungen hat sich 
bis auf die noch sehr störende Abweichung des französischen Schlüssels dank 
internationaler Zusammenarbeit durchgesetzt. Für Schiffsbeobachtungen ist nur 
ein Kompromiß zustande gekommen, in den letzten Gruppen der Meldeformel 
herrscht noch bunteste Mannigfaltigkeit, das Gedächtnis des Meteorologen unnötig 
belastend, die Schiffsoffiziere auf der Brücke sicher nicht dazu ermunternd, sich 
aus ihnen ein Bild der Wetterlage zu machen. 
Wir müssen uns zunächst über die Mängel und deren Ursachen klar werden, 
die der augenblicklichen Handhabung des Wettermeldedienstes vom Ozean noch 
anhaften: 
1. Für die richtige Erfassung der Luftdruckverteilung und der Witterungs- 
verhältnisse auf dem Ozean gehen zu wenig Schiffswettermeldungen ein, 
2, Von ihnen liegt nur ein kleiner Prozentsatz rechtzeitig dem Wetterdienst vor, 
Die Ursachen liegen klar zutage. Für den Meldedienst kommen zur Zeit nur 
Dampfer in Frage, die mit einer weitreichenden, ungedämpften Röhrensender- 
anlage ausgerüstet sind, mit der sie noch von mittleren und westlichen Teilen des 
Ozeans mit den europäischen Küstenfunkstellen in Verbindung stehen können, und 
das sind mit wenigen Ausnahmen nur die größeren Passagierdampfer. Deren Bord- 
station ist aber erfahrungsgemäß mit Telegrammverkehr, direktem und Übermitt- 
lungsverkehr so stark belastet, daß die meteorologisch eigentlich selbstverständliche 
Forderung, das Absetzen der Wettertelegramme direkt an den Beobachtungstermin 
anzuschließen, nur selten erfüllt werden kann, Ist doch der Funkverkehr eines 
solchen Dampfers von einem derartigen Umfange, daß die Küstenfunkstellen diese
	        
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