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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Baur, F.: Statistische Untersuchungen usw. der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation, ILL. 233 
Übergang von der positiven zur negativen Korrelation und umgekehrt findet in 
den Monaten statt, in welchen der Temperaturanstieg bzw. Temperaturabfall der 
Oberfläche des Atlantischen Ozeans in 60° Breite am größten ist. Da bei starkem 
Luftdruckgefälle der Luftdruck über Stykkisholm in der Regel tiefer als normal 
ist, so besagen die Kkf., daß in den sechs Monaten des Jahres, in denen die Meeres- 
oberfläche am wärmsten ist, der Luftdruck am Boden in Island hauptsächlich 
durch Vorgänge in den höheren Luftschichten bedingt wird, während in den 
anderen sechs Monaten, in denen, mit Ausnahme des Februar, die Korrelation 
zwischen Temperatur in Stykkisholm und Luftdruckgefälle positiv ist, die Tem- 
peraturänderungen der unteren Luftschichten einen wesentlichen Einfluß auf den 
Bodendruck haben. Dies ist besonders im Dezember der Fall, in welchem Monat 
äer Kkf. zwischen dem Luftdruck in Stykkisholm und der Temperatur des gleichen 
Ortes im Zeitraum 1874— 1923 —0.580 beträgt. 
C, Deutschland. Die Beziehungen der Temperatur Deutschlands zur Stärke 
der atlantischen Zirkulation treten am deutlichsten hervor, wenn man sie neben 
die Beziehungen zwischen Temperatur und Luftdruck in Deutschland selbst hält, 
Für die Monatsmittel der Temperatur Deutschlands (zehn Stationen) und die 
gleichzeitigen Monatsmittel des Luftdrucks von Berlin ergeben sich im Zeit- 
caum 1874—1923 nachstehende Kkf,: 
4 MM . I IV V VI YN VOII IX X XI XII 
144 —.106 -+065 +.247 4.086 4.357 {640 +) .448 +.214 —.086 —.140 —.442 
Vergleicht man diese Kkf. mit denen in der vorletzten Zeile der Tabelle 12,1, 
so sieht man sofort, daß, mit Ausnahme des Mai, in jedem Monat eine starke Ab- 
hängigkeit der Temperatur Deutschlands entweder von der Intensität der nord- 
atlantischen Luftzirkulation oder vom Luftdruck über Deutschland selbst (Berlin) 
besteht. Im Herbst, Winter und Erstfrühling überwiegt weitaus der Einfluß der 
Zirkulation über dem nördlichen Atlantischen Ozean. Die Korrelation ist positiv, 
weil bei verstärkter Zirkulation die Luftzufuhr in Mitteleuropa vom’ Meere her 
erfolgt, dieses aber in der kälteren Jahreshälfte wärmer ist als das Land. Außer- 
dem ist Östlich des Zirkulationsstreifens verstärkte Zirkulation mit vermehrter 
Luftzufuhr aus niedereren (wärmeren) Breiten verbunden. Die Kkf. mit dem 
Luftdruck in Berlin zeigen deutlich den Einfluß der Strahlung auf die Temperatur 
des Festlandes, Bei hohem Druck ist die Bewölkung im allgemeinen gering, Ein- 
und Ausstrahlung kommen daher zu vermehrter Wirksamkeit. Solange die Tage 
länger sind als die Nächte, überwiegt der Einfluß der Einstrahlung, im um- 
gekehrten Falle jener der Ausstrahlung, daher die positive Korrelation der Tem- 
peratur Deutschlands mit dem Luftdruck in Berlin im Sommerhalbjahr, die negative 
im Winterhalbjahr. Im Sommer ist aber der Strahlungseinfluß viel größer als 
im Winter. Die starke Einstrahlung bei Hochdruck bewirkt im Sommer stets 
Erwärmung des Bodens und damit der unteren Luftschichten, länger andauernder 
Hochdruck über Mitteleuropa kann daher im Sommer nur durch Vorgänge in 
den höheren Luftschichten (z. B. Ausquellen der stratosphärischen Tropikluft 
nach Norden) bedingt sein. Im Winter dagegen ist erstens das Maß der Aus- 
strahlung sehr stark von dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer 
Schneedecke abhängig, zweitens kann im Winter der Hochdruck sowohl durch 
stratosphärische Vorgänge als auch durch Erkaltung der unteren Luftschichten 
verursacht sein. KErsteres ist der Fall, wenn der Hochdruck über Mitteleuropa — 
wie im Winter 1924/25 — mit dem subtropischen Hochdruckgürtel in Verbindung 
steht; dann ist das Luftdruckgefälle Ponta Delgada—Island übernormal, der Winter 
in Deutschland mild. Das Zustandekommen dieser Wetterlage wird durch den 
Mangel einer Schneedecke in Europa und dadurch herabgesetzte Ausstrahlung 
zwar nicht verursacht, aber doch gefördert. Ist das Luftdruckgefälle Ponta 
Delgada—Island negativ, so wird durch den tiefen Druck in Südwesteuropa, falls 
größere Kaltluftmassen in Nordrußland lagern, deren Ausbreitung nach Mittel- 
europa bewirkt, wie dies in den Tagen vom 9. bis 12. Januar 1926 der Fall war, 
In diesem Falle steht das durch Advektion kalter Luft in den unteren Schichten 
hervorgerufene Hochdruckgebiet mit dem asiatischen Winterhoch in Verbindung; 
Vorhandensein einer frischen Schneedecke bewirkt vermehrte Ausstrahlung und
	        
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