Baur, F.: Statistische Untersuchungen usw. der allgemeinen atmosphärisehen Zirkulation, III. 231
notwendig ein vermehrter Transport von Luft aus niederen nach höheren Breiten,
unter gleichzeitiger westöstlicher Verschiebung, verbunden ist, so daß im Nord-
osten des Zirkulationsgebietes eine positive Temperaturanomalie auftreten muß,
Bei sehr starker Zirkulation dringt die relativ warme Luft weit und in breiter
Front in das polare Kältebecken ein, den allgemeinen Ost-West-Strom hier unter-
brechend. Da ein Zurückfließen in der Höhe gegen den Gradienten nur in sehr
beschränktem Maße (als Trägheitsbewegung) möglich ist, muß wegen der Er-
haltung der Kontinuität kalte Luft an anderer Stelle aus dem Kältebecken nach
Süden abfließen. Dieser Ausbruch polarer Luftmassen am Erdboden muß vor-
nehmlich an zwei Stellen stattfinden: im Nordwesten des Zirkulationsgebietes, da
ar durch den an dieser Stelle gegen Osten gerichteten.Druckgradienten befördert
wird, und im Osten des Warmlufteinbruchs, da die Kaltluft hier durch Stauung
und Mischung mit der warmen Luft eine Vergrößerung ihres Rotationsmomentes
erfährt und dadurch befähigt wird, äquatorwärts vorzudringen. Aus dem erst-
genannten Grunde ist es verständlich, daß mit starker atmosphärischer Zirkulation
über dem nördlichen Atlantischen Ozean und positiver Temperaturanomalie im
nördlichen Norwegen eine negative Temperaturanomalie in Westgrönland verknüpft
ist... Die Kkf, des Luftdruckgefälles mit der Temperatur Westgrönlands sind in
allen Monaten des Jahres negativ und nur im Mai und Juli kleiner als der doppelte
Betrag des mittleren Fehlers, Daß sie gerade in. diesen Monaten geringer sind,
hängt vermutlich damit zusammen, daß die Stärke der nordatlantischen Luftzirku-
ijation im Mai und Juli am wenigsten gut durch die Luftdruckdifferenz Ponta
Delgada—Island ausgedrückt wird, da in diesen beiden Monaten nach Tabelle 11
die geringste Kompensation der Luftdruckanomalien zwischen Azoren-Hoch und
[sland-Tief stattfindet. Auch der Kkf. mit der Temperatur von Tromsö hat im
Juli sein Minimum. Die Temperaturanomalie im Osten des Wärmeeinbruchs konnte
mangels hinreichend langer Beobachtungsreihen von Nordasien durch Korrela-
tionen nicht nachgewiesen werden, sie geht aber deutlich aus den Figuren 1 bis 4
der Tafel 15 hervor, auf die später zurückgekommen werden wird, ;
Wenn auch die Örtlichkeit des Einbruches warmer Luft in das Polargebiet
und die Abflußstelle kalter aus diesem im großen von den (gleichbleibenden)
geographischen Bedingungen abhängig ist, so müssen anderseits die wechselnden
Einflüsse anderer Witterungsfaktoren im einzelnen doch Verschiebungen der sub-
tropischen und polaren Strömungen bewirken. Es ist daher begreiflich, daß die
Monats-Temperaturanomalien bestimmter Orte zuweilen von der durch die Kkf.
ausgedrückten Regel abweichen, zumal ja auch die Luftdruckdifferenz Ponta
Delgada—Island nicht immer der beste Ausdruck für die Stärke der nordatlan-
tischen Luftzirkulation ist. Bildet man aber die Differenz zwischen der Tempe-
ratur im Nordosten und der im Nordwesten des Zirkulationsgebietes, so werden
manche zeitweilige örtliche Besonderheiten ausgeglichen, so daß die Beziehung
zur Intensität der atmosphärischen Zirkulation noch deutlicher in die Erscheinung
tritt. Wie Tabelle 12 lehrt, besteht zwischen der Luftdruckdifferenz Ponta
Delgada—-Island und der Temperaturdifferenz Tromsö —Westgrönland des gleichen
Monats im Durchschnitt der 12 Monate eine Korrelation von -+.,563, also eine
sehr erhebliche Korrelation, Sie zeigt deutlich, daß die atmosphärische Zirkulation,
die ja ursprünglich durch die Temperaturunterschiede zwischen niederen und
hohen Breiten entsteht, nicht nur diese auszugleichen sucht, sondern infolge der
Auflösung in einzelne streifenförmige Teile zonale Temperaturunterschiede
schafft, deren Größe in einer ungefähr linearen Abhängigkeit mit den Ver-
änderungen der Stärke der Zirkulation schwankt. Auch die halbjährige Schwankung,
die in 8 4 dieser Untersuchungen in der Stärke der nordatlantischen Luftzirkulation
nachgewiesen‘ wurde, ist im Jahresgang. der Temperaturdifferenz Tromsö— West-
grönland deutlich ausgeprägt, wenn ihre Amplitude auch nicht ganz !/, derjenigen
der ganzjährigen Schwankung beträgt. Der mittlere Jahresgang der Temperatur-
Aifferenz Tromsö—Westgrönland läßt sich durch folgende Fouriersche Reihe
darstellen:
= 9,53 4} 6,38 « sin (35° 53" -- x) + 1.83 + sin (324° 35 4-2 x) + 0.15 - sin (173° 40 +3 x) +
? TR «sin 6 v HET 0.40 - sin (2440 34’ + 5 A c +52)