212 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1926,
linien und des Funkverkehrs fallen diese fort. Auf Grund der während der ersten
Kriegsjahre gemachten Erfahrungen mit der bürgerlichen Zeitrechnung im Bord-
betrieb wurde deren allgemeine Einführung angeregt und ist von vielen Kriegs-
marinen durchgeführt worden,
Bereits 1918 wurde die Uhrzeitfrage in der deutschen nautischen Fachpresse
erörtert, 1920 auf dem Seeschiffahrtstag besprochen und in den Vereinen dis-
kutiert. In Deutschland war die Stimmung für die Einführung der bürgerlichen
Zeitrechnung geteilt, es wurde daher beschlossen, abzuwarten, was das Ausland
machen würde. Als 1922 England, Amerika usw. sich für die bürgerliche Zeit-
rechnung entschlossen, wurde auch bei uns dafür gestimmt. Bereits im Jahre
1923 erschien ein entsprechender Hinweis auf die Neuerungen; eine Kommission
aus Schiffahrtskreisen bearbeitete die Umgestaltung; zur Erleichterung für die
Nautiker wurde sehr früh ein Probedruck des Monats Januar 1925 herausgegeben.
Die Einführung ist also nicht übereilt erfolgt, sondern ist Schritt für Schritt vor-
bereitet worden. Die neuen Fachwerke wie Breusing, Albrecht und Vierow,
Müller-Krauß haben ebenfalls sofort der Umstellung Rechnung getragen. Der
Nachwuchs der Nautiker kennt keine astronomische Zeit mehr, sondern nur noch
die bürgerliche.
Recht hat Herr Maschke, wenn er sagt, daß er die Bezeichnung „Orts-
stundenwinkel des Widderpunktes vom unteren Meridian nach Ost“ unglücklich
[indet. Es war daher nur richtig, daß die Herausgeber des Breusing, die als
erste ein neues Lehrbuch herausgaben, einen besonderen Ausdruck für den Stunden-
winkel vom unteren Meridian einführten. Die Bezeichnung „Zeitwinkel“ ist gut
und hat sich namentlich bei den jüngeren Nautikern, denen die Zukunft gehört,
eingebürgert. Es ist zu hoffen, daß der Ausdruck bald im Jahrbuch eingeführt
und überall anerkannt wird. Mit Hilfe des Zeitwinkels läßt sich die bürgerliche
Zeitrechnung bequem an Bord verwenden.
Die „Treppeneinschaltung“ bei dem Mond ist m. E, nur anfänglich ungewohnt;
ich habe stets gern Mondbeobachtungen angestellt und kürzlich gerade recht viele
Mond-Standlinien gerechnet, ich fand nichts Unbequemes dabei.
Das Beispiel für die Nordsternbreite könnte glücklicher gewählt sein und
vielleicht die M. Gr. Z. oder die Zonenzeit angeben. Die Zonenzeit auf See wird
bereits jetzt auf einigen Handelsschiffen angewendet und dürfte sich in einem
Jahrzehnt auf vielen Schiffen eingebürgert haben.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß von seiten des verdienstvollen Heraus-
gebers des Nautischen Jahrbuches alles geschehen ist, um den Übergang von der
astronomischen auf die bürgerliche Zeitrechnung einfach zu gestalten, daß er
nicht verabsäumt hat, die Nautiker rechtzeitig auf die Neuerungen aufmerksam
zu machen, und die Mitarbeit der Schiffahrtskreise gefordert hat. Die Umstellung
ist auch ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen. Die dem Jahrbuch von Herrn
Ober- und Geh. Regierungsrat Dr. C. Schrader gegebene Form hat sich als prak-
tisch erwiesen, die Nautiker können dem langjährigen Herausgeber für seine Mühen
dankbar sein, Erwünscht ist die Einführung des Ausdrucks Zeitwinkel und viel-
leicht ein mehr der Praxis entstammendes Beispiel für die Berechnung der
Nordsternbreite. Johs, Müller,
b) Zu den Ausführungen des Herrn C. Maschke im Märzheft dieser Annalen
{S. 130) seien mir einige Bemerkungen gestattet:
In der Tat ist die Umstellung auf die neue Zeitzählung, vor der viele Sach-
verständige große Sorge hatten, überraschend leicht und reibungslos erfolgt.
Trotzdem blickt Herr M. etwas wehmütig nach der alten Zählweise zurück. Es
will mir scheinen, als wenn der Grund dafür doch wesentlich in der langjährigen
Gewöhnung an das Alte zu suchen ist. Wie anders würde das Urteil lauten, wenn
wir jetzt umgekehrt die astronomische Zählweise der Zeit und des Datums an
Stelle altgewohnter bürgerlicher Zählweise hätten setzen wollen! Seitens der See-
lahrtschulen jedenfalls wird die neue Zählung als große Wohltat schon jetzt
ampfunden, ein Zeichen, daß sie leichter und deshalb auch für die Praxis an
Bord zweckmäßiger ist, Den Bemerkungen über die Verbesserungsbedürftigkeit
der Mondephemeride ist zuzustimmen,