Peppler, W,: Die Temperaturverhältnisse bei Seerauch über dem Bodensee, 199
stark erwärmt, daß die Temperaturdifferenz zwischen Luft und Wasser unter
einen gewissen Betrag sinkt, der als untere Grenze für die Seerauchbildung an-
gesehen werden kann.
Es dürfte nun von Interesse sein, etwas Näheres über die bei Seerauch
herrschenden Temperaturverhältnisse zu erfahren, zumal darüber m. W. keine
Beobachtungen vorliegen. Ein geeignetes Material dazu liefern die Temperatur-
beobachtungen der Drachenstation. Es stehen gleichzeitige Messungen der Tem-
peratur der Wasseroberfläche mit einem Schöpfthermometer zu Beginn und am
Ende des Aufstiegs zur Verfügung, ferner Messungen der Lufttemperatur mit
pinem Aspirationspsychrometer an Bord der „Gna“ in etwa 2 m Höhe über dem
Seespiegel; außerdem kann die gleichzeitig an Land herrschende Lufttemperatur
aus der Registrierung des Thermographen der Drachenstation entnommen werden,
Im Nachfolgenden bedeuten:
ts: Lufttemperatur an Bord des Schiffes; tı: Lufttemperatur an Land;
Temperatur der Wasseroberfläche.
Aus 50 Einzelfällen mit Seerauch, bei denen alle drei Größen gemessen waren,
ergeben sich folgende Differenzen:
ts— t1 = 2.1°; ts — tw = — 11.1°.
Die Temperatur der Luft an Bord des Schiffes in 2 m Höhe über dem Wasser
liegt also bei Seerauch im Mittel um den großen Betrag von etwa 11° unter der
Temperatur der Wasseroberfläche. Leider sind genauere Messungen in der
antersten Schicht über dem See nicht vorhanden, um die sicher sehr interessante
vertikale Temperaturverteilung dieser Schicht kennenzulernen. Aus der großen
Temperaturdifferenz muß man aber ohne weiteres schließen, daß ein energischer
Wärmeaustausch stattfindet und stark überadiabatische Gradienten vorhanden
sein müssen, die von Schlierenbildung begleitet sind, deren sichtbarer Ausdruck
der Seerauch ist. Ferner ergibt sich, daß die Lufttemperatur über dem See um
etwa 2° höher ist als am Ufer. Um diesen Betrag hat sich die Luft auf dem
Wege von dem Ufer auf den See hinaus erwärmt. Die Temperatur der Luft über
dem See betrug im Mittel dieser 50 Fälle —5.0°, sie lag in 38 Fällen unter, und
in zwölf Fällen über dem Gefrierpunkt. Die Extreme waren 9.3° und —12.3°,
Seerauch bildet sich also auch bei Temperaturen von etwa 10° und ist keines-
wegs an Frosttemperaturen gebunden,
Es dürfte in diesem Zusammenhange ferner von Interesse sein, wie im Ein-
zelnen die Temperaturverteilung über dem See bei Seerauch und relativ sehr
kalter Nordostströmung vom Lande ist. Da vor dem Jahre 1916 die Beobach-
tungen von tw und t, nicht an derselben Stelle des Sees gemacht sind, eignen
sich zu einer genaueren Untersuchung nur die Beobachtungen nach 1916, als bei
der Ausfahrt regelmäßig die Beobachtungen in der Nähe des Läutwerks vor
Friedrichshafen angestellt wurden. Das Läutwerk liegt in der Richtung S42W
etwa 900 m-von der Drachenstation entfernt.
Luft- und Wassertemperaturen bei Seerauch.
Tag
20. X. 1916. ...
22, 1.1917 ,...
23. 1.1917 ....
(1. XL 1917 ..
50, XII 1917 ..
wo. IL, 1919 ...
(8, XI, 1920 ..
29. IX, 1921...
5, II. 1922 ,..
7. 11. 1922 ..,
12, XL. 1922 ,.
30. I. 1924 ....
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