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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1926.
Aus dem Verlauf der Amplituden und Kappazahlen folgert Vercelli, daß
bei den Halbtagsgezeiten eine Knotenlinie südlich Assab, eine zweite bei Port Sudan
und eine dritte im Golf von Suez zwischen Tor und Ashrafi vorhanden sind; im
allgemeinen ist die Gezeit eine stehende Welle mit raschem Übergang der Phase
in der Nähe der Knotenlinien. Die ganztägigen Gezeiten zeigen nur eine Knoten-
linie, und zwar bei K, zwischen Kamaran und Massaua, bei O0, etwas südlich der
ersteren Station; auch hier handelt es sich im Wesen um eine stehende Welle.
Hydrodynamische Theorie der Gezeiten des Roten Meeres. Die im Jahre 1919
gegebene hydrodynamische Theorie der Gezeiten des Roten Meeres und der nörd-
lichen Ansätze, der Golfe von Suez und Akaba, konnte die damals zur Verfügung
stehenden Beobachtungen vollauf erklären!). Eine bloße Durchsicht der dort
theoretisch ermittelten Verteilung der Hubhöhen und Phasen der halb- und ganz-
tägigen Gezeiten mit den neueren Ergebnissen der italienischen Expedition läßt
erkennen, daß auch diese sich in vollkommen befriedigender Weise der theoretischen
Verteilung anpassen, Da nun aber das neue Beobachtungsmaterial wesentlich
besser und genauer ist und außerdem nun die Theorie an der Hand harmonischer
Konstanten der Gezeitensträmung in der Straße von Bab-el-Mandeb geprüft
werden kann, habe ich eine neuerliche Berechnung der theoretischen Gezeiten
vorgenommen, wobei ich nun für die halbtägigen Gezeiten die Partialtide M, und
für die ganztägigen die Partialtide K, zugrunde legte. Die Ergebnisse dieser
Berechnungen folgen in möglichster Kürze in folgenden Zusammenstellungen,
Halbtagstide M,. Die Amplitude der in der Richtung der Mittelachse des
Roten Meeres gegen Süden wirkenden fluterzeugenden Kraft ist
0.83827 - 108 x 0.934 X 0.577 g;
ihre Phase bezogen auf Greenwich 226.5°. Da das Mitschwingen der Wasser-
massen des Roten Meeres mit der Gezeit im Golf von Aden, von dem wir an-
. nehmen, daß es bei dem Quer-
Fig. 1. Gesellen des Roten Mesres, schnitt 89, der durch die Insel
Perim in der Straße von Bab-el-
Mandeb geht, erfolge, eine Phase
von 139° aufweist, besteht kein
Synchronismus zwischen selb-
ständiger und Mitschwingungs-
gezeit; es ist deshalb notwendig,
beide getrennt zu berechnen und
sie dann mit den ihnen zukom-
menden Phasen zusammenzu-
setzen.
Die selbständige Gezeit wurde
nach den Formeln 9 auf Seite 15
der „Probleme der Gezeiten in
Landnähe“ berechnet?); die Mit-
schwingungsgezeit ist bereits aus
der früheren Untersuchung be-
kannt. Die schrittweise Berechnung erfolgte für 40 Querschnitte; die hierzu not-
wendigen Zahlenwerte der Flächen sind schon von früher her gegeben. Die
folgende Tabelle 4 gibt diese theoretische M,-Gezeit meistens für jeden zweiten
Querschnitt; neben der Verteilung von % fand darin auch jene von & und außer-
dem jene der Amplitude und Phase der Gezeitenströmung Aufnahme. Fig. 1 gibt
eine graphische Darstellung der M,-Gezeit, in der auch die neuen Beobachtungs-
daten zum Vergleich eingesetzt wurden. .
1y Siehe auch diese Zeitschrift, März 1921, 8, 103, .
2) Bei der dritten dieser Formeln fehlt auf der rechten Seite die additive Konstante 8. Sie lautet
demnach richtig; %23 = n+rafıthe +ßB.