Ann. d. Hydr. usw., LIV. Jahrg, (1926), Heft _V.
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Gezeiten und Gezeitenströmungen im Roten Meer.
Von A. Defant,
Vor kurzem ist in den Annali idrografici des Instituto idrografico della r,
marina in Genua der erste Teil der physikalisch-ozeanogrraphischen Untersuchungen
der Forschungsreise des kgl. Schiffes „Ammiraglio Magnaghi“ in das Rote
Meer 1923—1924 erschienen!); es enthält die Beobachtungsergebnisse der Unter-
suchungen über die Gezeiten und Gezeitenströämungen in diesem Meere, die von
Prof, Fr. Vercelli (Triest) bearbeitet worden sind. Die Messungen sind für das
Phänomen der Gezeiten dieses Meeres von großer Wichtigkeit, da sie nahezu die
einzigen sind, die bisher nach neueren Untersuchung smethoden die Grundwerte
für eine größere Zahl von Stationen festzulegen trachten, In folgendem sei eine
kurze Zusammenfassung der Hauptergebnisse gegeben, und im Anschlusse daran
füge ich einen Vergleich derselben mit jener hydrodynamischen Theorie der
(Gezeiten des Roten Meeres, die ich bereits 1919 in den Denksechriften der Wiener
Akademie veröffentlicht habe und die in eindeutiger Weise mit den damals zur
Verfügung stehenden, etwas spärlichen Beobachtungsdaten in bester Überein-
stimmung stand, Es ist sehr zum Verwundern, daß Fr. Verecelli diese Arbeit
sowie alle neueren deutschen Gezeitenuntersuchungen vermutlich unbekannt sind,
sonst könnte man sich den Satz: „Deshalb bleibt das Problem der Gezeiten (des
Roten Meeres) noch für andere?) Versuche offen, die in den gefundenen Beob-
achtungstatsachen eine genauere Kontrolle der Theorie und deren Ableitungen
finden werden“, kaum erklären. Durch Ignorierung der wissenschaftlichen Arbeiten
und Ergebnisse anderer Nationen ist weder der nationalen Wissenschaft noch dem
internationalen Zusammenarbeiten, das für die meisten Probleme der Geophysik
eine Notwendigkeit ist, gedient.
Die Forschungsreise des Schiffes „Ammiraglio Magnaghi“ dauerte vom Sep-
tember 1923 bis zum Juni 1924; demselben zugeteilt war für längere Zeit das
Kanonenboot „Generale Arimondi“, Die Untersuchungen der Gezeitenströmungen
beschränken sich auf den südlichen Teil des Roten Meeres, wo zwischen dem
17, Breitenkreis und der Straße von Bab-el-Mandeb Messungen längs vier Quer-
schnitten ausgeführt wurden, Die Dauer der Messungen ist an jeder Station
sehr verschieden; im allgemeinen nimmt sie für Stationen gegen Bab-el-Mandeb
zu, wo in der „kleinen“ Straße Messungen an zwei Tagen ausgeführt wurden,
In der großen Straße von Bab-el-Mandeb gelang eine ausgezeichnete Beobach-
tungsreihe von fortlaufenden 15 Tagen, die ausreicht, um eine harmonische
Analyse der Gezeitenströmungen in dieser engen Meeresstraße vorzunehmen,
Zum Studium der Gezeiten wurden außerdem sieben Mareographen an ver-
schiedenen Orten aufgestellt und durch Verlegung einzelner derselben insgesamt
elf Beobachtungsserien von einem bis zu über sechs Monaten Dauer gewonnen,
Die Stationen verteilen sich auf das ganze Gebiet des Roten Meeres und geben
mit den bekannten Analysen für Suez und für die Stationen im Golf von Aden
nunmehr für jede Partialtide die Verteilung von Amplitude und Phase für das
ganze Rote Meer,
Die Gezeitenströmungen im südlichen Teil, insbesondere in der Straße von Bab-
el-Mandeb. Die Station (Nr. 120) mit fünfzehntägigen Strömungsbeobachtungen
liegt im großen Kanal etwa 6 Sm WNW von Balfe Point (Insel Perim, 12° 42
30” N-Br., 43° 17’ 40” östl. v., Gr.)J. Die Messungen wurden von dem verankerten
Kanonenboot „Arimondi“ aus in der Zeit vom 19. März bis zum 3. April 1924
bei in der ersten Zeit überaus stürmischem Wetter (SE-Wind der Stärke 5—7)
und stets bewegter, zeitweise sehr bewegter See ausgeführt. In Tiefen von
5 und 100 m wurde jede Stunde mit dem Strommesser Ekman-Merz Nr. 45, in
1) Campagna idrografieo-scientifica nel Mar Rosso, R, N. „Ammiraglio Magnaghi“ 1923—24.
m di a fisica; parte 14 Correnti e maree. Prof, Fr. Vercelli, Annali idro-
graßfici, . ‘ .
2) Bezieht sich anf eine Arbeit französischen Ursprungs,
Ann. d. Hydr. usw. 1928, Haft YV.