Neuere Veröffentlichungen,
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fahren verlangen eine verschiedene Benutzung der
Beobachtungen,
Das erste Verfahren, nach dem die meisten
englischen (und die deutschen) Häfen voraus.
berechnet werden, geht zur Ermittlung der für die
Vorausberechnung notwendigen Unterlage von de:
beobachteten Hoch- und Niedrigwasserzeiten un.
‚höhen zus, Es wird zunächst gezeigt, wie die
Mondflutintervalle und die Hochwasserhöhen für
die verschiedenen Zeiten des Durchgangs des Mondes
durch den Meridian in Greenwich. und damit die
halbmonatlicke Ungleichheit in Zeit und Höhe
hergeleitet. und wie mittels dieser Angoben schon
xenähert die Hochwasserzeiten und -höhen voraus
berechnet werden können. Zur genaueren Voraus-
bestimmung der Gezeiten nach dem empirischen
Verfahren sind dann noch die Abweichung und
die Parallaxe der beiden fiuterzeugenden Körper,
Mond und Sonne, zu berücksichtigen. Untersucht
wird ferner noch, unter welchen Umständen be-
sonders hohe Springtiden eintreten.
Beim harmonischen Verfahren, nach dem fast
sämtliche Vorausberechnungen für die außereuro-
päischen Häfen ausgeführt werden, werden die
Bewegungen von Mond und Sonne in bezug auf
die Erde mit den stündlichen Wasserständen eines
Ortes in Beziehung gebracht, Da die Bewegungen
der beiden fluterzeugenden Gestirne sich durch eine
Reihe von harmonischen Funktionen ausdrücken
lassen, kann die Gezeitenwelle auch als aus vielen
einzelnen Teilwellen zusammengesetzt angesehen
werden. Zur Erläuterung des Verfahrens wird auf
den Begriff der „fiktiven Gestirne“ unnötigerweise
zurückgegangen. Die bisher meist benutzten halb-
tägigen, eintägigen und langperiodischen Tiden
werden kurz angegeben (statt der Tide V, muß es
v heißen), Bei den ebenfalls kurz erwähnten Seicht
wassertiden ist dem Verfasser ein Irrtum unter
laufen: auf Seite 243 muß es anstatt My, M,, M,
richtig heißen: M,, M,, M,, da weder die M.-Tide
eine Seichtwassertide ist, noch die Tiden M, und
M, die doppelte oder dreifache Winkelgeschwindig-
keit der M.-Tide besitzen,
Zur Ermittlung der harmonischen Konstanten
durch die harmonische Analyse (in des Ausdrucks
richtiger Bedeutung) werden dann die Grund.
gedanken dieses Rechenverfahrens an einfachen
ispielen entwickelt. Im Abschnitt über die har-
monische Synthese, d. i die Verwendung der er-
mittelten harmonischen Konstanten zur Vorans-
berechnung, wird auch kurz der Maschinen zur
Ermittlung der Gezeiten gedacht. In einem kurzen
Schlußabschnitt wird noch auf den Einfluß der
Gezeiten, besonders auf den wechselnden Einfluß
infolge der langperiodischen Änderungen der flut-
erzeugenden Kraft, hingewiesen.
Das nächste, ziemlich umfangreiche Kapitel von
47 Seiten behandelt die Meeresströmungen, Nach
sinem kurzen Eingehen auf die Bezeichnungen
„Strömung“ und „Trift“ wird in großen Zügen der
Verlauf der Wasserversetzung im Atlantıschen,
Indischen und Stillen Ozean beschrieben, Es folgt
die Angabe der Ursachen der Meeresströmungen:
Temperatur- und Dickteänderungen des Wassers.
Änderung des Salzgehalts infolge Verdunstung und
Eisbildung bei einer zunächst in Ruhe befindlichen
Erde, die überall mit Wasser von gleicher Tiefe
bedeckt gedacht ist, dann die Wirkung der ab-
lenkenden Kraft der Erdumdrehung un. der Erd-
umdrehung selbst. Ferner werden die Ursacher
dargelegt, die die tatsächlich auf der Erde be
Obachteten Strömungen hervorrufen: der Wind,
| besonders die Passate und die Monsune, die Ver-
teilung von Land und Wasser, die Änderungen in
der Wassertiefe und die Einwirkung dea Landes
auf die Temperatur und auf den Salzgehalt durch
Flußwasser, Im einzelnen werden dann die ver-
schiedenen Hauptmeeresströtaungen des Nord- und
Südatlantischen, des Pazifischen und des Indischen
Ozeans, ferner die antarktischen und arktischen
Strömungen sowie die in den Randmeeren, be-
sonders in der Nordsee, behandelt. Auch auf die
jahreszeitlichen Anderungen der Meeresströmungen
wie auf die Tiefenströmungen ist eingegangen,
Am Schluß des Kapitels werden die Verfahren
»eschrieben, wie die Meeresströmungen erforscht
werden: durch die Ermittlung von Stromverset-
zungen, durch Triftbeobachtungen, durch Strom-
messungen, aus Salzgehalts« und Temperatur«
messungen und aus Planktonbeobachtungen.
Im zehnten, 36 Seiten umfassenden Kapitel
wird noch einmal auf einige im fünften Kapitel
bereits gestreifte Fragen näher eingegangen, auf die
zäkularen Änderungen in den Weltmeeren, Fragen,
die hauptsächlich geologischer Natur sind.
Der das Buch beschließende Anhang enthält
nen Bericht über die bei der Bearbeitung des
Stoffes verwandte Literatur, Hier, wie auch be-
sonders im dritten Kapitel, sind deutsche Wörter
oft verstümmelt oder unrichtig Wiedergegeben.
Dr. H. Rauschelbach,
Sapper, Prof, Dr. Karl: Die Tropen. Natur und
Menschzwischen den Wendekreisen, 1528,,
10 Bilder, Strecker u. Schröder, Stuttgart
1923. Gbd, RM, 5.
Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt,
auf Grund seiner langjährigen Kenntuis der Tropen
weiteren Kreisen die Eigenart der Tropengebiete
and ihre wirtschaftliche Bedeutung für die ge-
mäßigte Zone näher zu bringen, Er greift nicht
an einzelnes Tropengebiet heraus, sondern behandelt
den gesamten Tropengürtel. In drei Kapiteln ‘die
unbelebte Natur, die Pflanzen- und Tierwelt, der
Mensch) wird alles Wissenswerte über den Gegen-
stand mitgeteilt. Als Tropen bezeichnet Sapper
im wirtschaftlichen und klimatischen Sinne die
dauernd frostifreien, warmen Gebiete der
Erde {S. 19), Inwieweit die Umgrenzung dieser
Gebiete gegenüber der von Köppen gezogenen
‚20° Isotberme des kältesten Monats) abweicht,
1äßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, da es
noch an einer ausreichenden Anzahl zuverlässiger
Beobachtungen fehlt. Ohne Zweifel ist der Tropen-
zürtel nach der Definition von Sapper schärfer
xogegrenzt als durch Köppen, weil nicht Tempe-
‚aturmittel, sondern wahre Temperaturen zugrunde
gelegt werden. Ob es bei der Grenzführung jedoch
immer ohne einen künstlichen Zwang abgehen
wird, iet fraglich,
Bei der Besprechung der Wärmeverhältnisse
{8 12) ist insofern eine Unklarheit unterlaufen,
als gesagt wird, daß die Erwärmung der Erde mit
dem Sinus des Einfalkswinkels wachse. Hier ist
als Einfallswinkel nicht, wie sonst im physikalischen
Sinne üblich, der Winkel zwischen einfallendem
Strahl und Einfallslot gemeint, sondern der Winkel
zwischen Strahlenrichtung und bestrahlter Fläche,
Der Text wird in ausgezeichneter Weise er-
zänzt durch eine Anzahl guter Abbildungen, auf
die zum Teil in der Darstellung verwiesen wird,
Die Abbild, 23 trägt die Unterschrift: Jabassi-
‚andschaft, Togo. Liegt hier eine Verwechslung
vor? Ist vielleicht Jabassi am Wuri in Kamerun
zemeint? Semmelhack.