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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Neuere Veröffentlichungen, 
181 
fahren verlangen eine verschiedene Benutzung der 
Beobachtungen, 
Das erste Verfahren, nach dem die meisten 
englischen (und die deutschen) Häfen voraus. 
berechnet werden, geht zur Ermittlung der für die 
Vorausberechnung notwendigen Unterlage von de: 
beobachteten Hoch- und Niedrigwasserzeiten un. 
‚höhen zus, Es wird zunächst gezeigt, wie die 
Mondflutintervalle und die Hochwasserhöhen für 
die verschiedenen Zeiten des Durchgangs des Mondes 
durch den Meridian in Greenwich. und damit die 
halbmonatlicke Ungleichheit in Zeit und Höhe 
hergeleitet. und wie mittels dieser Angoben schon 
xenähert die Hochwasserzeiten und -höhen voraus 
berechnet werden können. Zur genaueren Voraus- 
bestimmung der Gezeiten nach dem empirischen 
Verfahren sind dann noch die Abweichung und 
die Parallaxe der beiden fiuterzeugenden Körper, 
Mond und Sonne, zu berücksichtigen. Untersucht 
wird ferner noch, unter welchen Umständen be- 
sonders hohe Springtiden eintreten. 
Beim harmonischen Verfahren, nach dem fast 
sämtliche Vorausberechnungen für die außereuro- 
päischen Häfen ausgeführt werden, werden die 
Bewegungen von Mond und Sonne in bezug auf 
die Erde mit den stündlichen Wasserständen eines 
Ortes in Beziehung gebracht, Da die Bewegungen 
der beiden fluterzeugenden Gestirne sich durch eine 
Reihe von harmonischen Funktionen ausdrücken 
lassen, kann die Gezeitenwelle auch als aus vielen 
einzelnen Teilwellen zusammengesetzt angesehen 
werden. Zur Erläuterung des Verfahrens wird auf 
den Begriff der „fiktiven Gestirne“ unnötigerweise 
zurückgegangen. Die bisher meist benutzten halb- 
tägigen, eintägigen und langperiodischen Tiden 
werden kurz angegeben (statt der Tide V, muß es 
v heißen), Bei den ebenfalls kurz erwähnten Seicht 
wassertiden ist dem Verfasser ein Irrtum unter 
laufen: auf Seite 243 muß es anstatt My, M,, M, 
richtig heißen: M,, M,, M,, da weder die M.-Tide 
eine Seichtwassertide ist, noch die Tiden M, und 
M, die doppelte oder dreifache Winkelgeschwindig- 
keit der M.-Tide besitzen, 
Zur Ermittlung der harmonischen Konstanten 
durch die harmonische Analyse (in des Ausdrucks 
richtiger Bedeutung) werden dann die Grund. 
gedanken dieses Rechenverfahrens an einfachen 
ispielen entwickelt. Im Abschnitt über die har- 
monische Synthese, d. i die Verwendung der er- 
mittelten harmonischen Konstanten zur Vorans- 
berechnung, wird auch kurz der Maschinen zur 
Ermittlung der Gezeiten gedacht. In einem kurzen 
Schlußabschnitt wird noch auf den Einfluß der 
Gezeiten, besonders auf den wechselnden Einfluß 
infolge der langperiodischen Änderungen der flut- 
erzeugenden Kraft, hingewiesen. 
Das nächste, ziemlich umfangreiche Kapitel von 
47 Seiten behandelt die Meeresströmungen, Nach 
sinem kurzen Eingehen auf die Bezeichnungen 
„Strömung“ und „Trift“ wird in großen Zügen der 
Verlauf der Wasserversetzung im Atlantıschen, 
Indischen und Stillen Ozean beschrieben, Es folgt 
die Angabe der Ursachen der Meeresströmungen: 
Temperatur- und Dickteänderungen des Wassers. 
Änderung des Salzgehalts infolge Verdunstung und 
Eisbildung bei einer zunächst in Ruhe befindlichen 
Erde, die überall mit Wasser von gleicher Tiefe 
bedeckt gedacht ist, dann die Wirkung der ab- 
lenkenden Kraft der Erdumdrehung un. der Erd- 
umdrehung selbst. Ferner werden die Ursacher 
dargelegt, die die tatsächlich auf der Erde be 
Obachteten Strömungen hervorrufen: der Wind, 
| besonders die Passate und die Monsune, die Ver- 
teilung von Land und Wasser, die Änderungen in 
der Wassertiefe und die Einwirkung dea Landes 
auf die Temperatur und auf den Salzgehalt durch 
Flußwasser, Im einzelnen werden dann die ver- 
schiedenen Hauptmeeresströtaungen des Nord- und 
Südatlantischen, des Pazifischen und des Indischen 
Ozeans, ferner die antarktischen und arktischen 
Strömungen sowie die in den Randmeeren, be- 
sonders in der Nordsee, behandelt. Auch auf die 
jahreszeitlichen Anderungen der Meeresströmungen 
wie auf die Tiefenströmungen ist eingegangen, 
Am Schluß des Kapitels werden die Verfahren 
»eschrieben, wie die Meeresströmungen erforscht 
werden: durch die Ermittlung von Stromverset- 
zungen, durch Triftbeobachtungen, durch Strom- 
messungen, aus Salzgehalts« und Temperatur« 
messungen und aus Planktonbeobachtungen. 
Im zehnten, 36 Seiten umfassenden Kapitel 
wird noch einmal auf einige im fünften Kapitel 
bereits gestreifte Fragen näher eingegangen, auf die 
zäkularen Änderungen in den Weltmeeren, Fragen, 
die hauptsächlich geologischer Natur sind. 
Der das Buch beschließende Anhang enthält 
nen Bericht über die bei der Bearbeitung des 
Stoffes verwandte Literatur, Hier, wie auch be- 
sonders im dritten Kapitel, sind deutsche Wörter 
oft verstümmelt oder unrichtig Wiedergegeben. 
Dr. H. Rauschelbach, 
Sapper, Prof, Dr. Karl: Die Tropen. Natur und 
Menschzwischen den Wendekreisen, 1528,, 
10 Bilder, Strecker u. Schröder, Stuttgart 
1923. Gbd, RM, 5. 
Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, 
auf Grund seiner langjährigen Kenntuis der Tropen 
weiteren Kreisen die Eigenart der Tropengebiete 
and ihre wirtschaftliche Bedeutung für die ge- 
mäßigte Zone näher zu bringen, Er greift nicht 
an einzelnes Tropengebiet heraus, sondern behandelt 
den gesamten Tropengürtel. In drei Kapiteln ‘die 
unbelebte Natur, die Pflanzen- und Tierwelt, der 
Mensch) wird alles Wissenswerte über den Gegen- 
stand mitgeteilt. Als Tropen bezeichnet Sapper 
im wirtschaftlichen und klimatischen Sinne die 
dauernd frostifreien, warmen Gebiete der 
Erde {S. 19), Inwieweit die Umgrenzung dieser 
Gebiete gegenüber der von Köppen gezogenen 
‚20° Isotberme des kältesten Monats) abweicht, 
1äßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, da es 
noch an einer ausreichenden Anzahl zuverlässiger 
Beobachtungen fehlt. Ohne Zweifel ist der Tropen- 
zürtel nach der Definition von Sapper schärfer 
xogegrenzt als durch Köppen, weil nicht Tempe- 
‚aturmittel, sondern wahre Temperaturen zugrunde 
gelegt werden. Ob es bei der Grenzführung jedoch 
immer ohne einen künstlichen Zwang abgehen 
wird, iet fraglich, 
Bei der Besprechung der Wärmeverhältnisse 
{8 12) ist insofern eine Unklarheit unterlaufen, 
als gesagt wird, daß die Erwärmung der Erde mit 
dem Sinus des Einfalkswinkels wachse. Hier ist 
als Einfallswinkel nicht, wie sonst im physikalischen 
Sinne üblich, der Winkel zwischen einfallendem 
Strahl und Einfallslot gemeint, sondern der Winkel 
zwischen Strahlenrichtung und bestrahlter Fläche, 
Der Text wird in ausgezeichneter Weise er- 
zänzt durch eine Anzahl guter Abbildungen, auf 
die zum Teil in der Darstellung verwiesen wird, 
Die Abbild, 23 trägt die Unterschrift: Jabassi- 
‚andschaft, Togo. Liegt hier eine Verwechslung 
vor? Ist vielleicht Jabassi am Wuri in Kamerun 
zemeint? Semmelhack.
	        
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