Kleinere Mitteilungen,
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mußte, um die beschädigte Vorluke reparieren zu können, vor den Wind gegangen
werden. Aus diesen Umständen läßt sich ermessen, wie unsicher auch das Besteck
von „Westphalia“ war; es wäre eine Unmöglichkeit gewesen, „Alkaid“ ohne Bord-
peiler zu finden. — Bei dieser Gelegenheit hat es sich gezeigt, daß auf die Mög-
lichkeit der Seitenbestimmung durch den Bordpeiler nicht verzichtet werden kann,
Es war ganz unsicher, auf welcher Seite sich „Alkaid“ befand, und es wäre kost-
bare Zeit verloren gegangen, wenn die Seite in der Weise hätte bestimmt werden
müssen, daß „Westphalia“ auf einem um 90° von der Peilung liegenden Kurse
so lange gedampft wäre, bis ein Auswandern der Peilung erkennbar geworden
wäre. An der Seite, auf welcher die Peilung achteraus wanderte, hätte der ge-
peilte Dampfer gestanden.
Die für dieses Verfahren nötige Zeit und der damit verbundene Umweg
konnten gespart und direkt Kurs auf „Alkaid“ gesteuert werden, der 9 Stunden,
nachdem das erste SO S-Zeichen gehört worden war, recht voraus in Sicht kam,
Die erste Peilung ist bei einem Abstande von 70 Sm genommen worden.
{n diesem Falle hat der Bordpeiler 27 Mann eines anderen Schiffes das Leben
gerettet; ebenso gut kann aber auch ein Schiff, das mit ihm ausgerüstet ist und
sich in Seenot befindet, andere Schiffe durch Peilungen zu sich heranführen.
Welche Bedeutung das z. B. bei unsichtigem Wetter und für Passagierdampfer
haben kann, bedarf keiner weiteren Ausführung. Aber auch für einen solchen
Fall ist die Seitenbestimmung unentbehrlich, da es schwer sein würde, andere
Schiffe zu veranlassen, Kurse zu steuern, die für sie Umwege bedeuten und deren
Zweck sie ohne Kenntnis des Bordpeilers nicht einsehen würden,
Ein nicht geringer Teil des Vertrauens, das sich der Bordpeiler überall auf
deutschen Schiffen erworben hat, ist dem Umstande zuzuschreiben, daß er als
nautisches Instrument betrachtet und auf deutschen Schiffen ausschließlich von
den für die Navigation verantwortlichen nautischen Schiffsoffizieren bedient wird,
In der Nähe des Dampfers „Alkaid“ hat sich auch der englische Dampfer
„Cairnmona‘“ befunden, der sich jedoch nicht herangepeilt hat, da sein Bordpeiler
nicht in Ordnung gewesen sein soll. Auf englischen Schiffen wird der Bordpeiler
durch die Telegraphisten bedient.
C. Maschke, Navigations-Offizier des D. „Westphalia“,
3. Veränderung des Schiffsmagnetismus durch einen elektromagnetischen
Kran. Am 24. Februar wurden von mir auf Antrag der Atlantik Tank Reederei
die veränderten magnetischen Verhältnisse des Dampfers „Oder“, die durch einen
Löchmagneten entstanden waren und auf See Kompaßstörungen hervorgerufen
hatten, eingehend untersucht und die Kompaßaufstellung besichtigt,
Der Dampfer „Oder“ ist ein altes Schiff, ein Prisenschiff, gehört dem Deutschen
Reiche und ist an die Atlantik Tank Reederei verchartert. Die Kompaßausrüstung
besteht aus zwei Kompassen, die Aufstellung ist nicht besonders günstig. Der
Regelkompaß, ein Fluidkompaß (E. A, Sckell, Stettin) von 190 mm Durchmesser,
steht auf einem eisernen Deckshause, etwa 7? m vor dem Schornstein. Der Steuer-
kompaß, ein Trockenkompaß (C. Plath, Hamburg), 250 mm Durchmesser, steht
vor dem Ruderstand auf der Kommandobrücke, direkt vor dem eisernen Hause
und der Rudermaschine, .
{m Februar d. J. wurde die Ladung, die aus Eisenschrott bestand, im Hafen
von Gijon Puerto Musel, Spanien, mittels eines Löschmagneten gelöscht. Die
Kompasse waren vorher an Land gebracht worden. Das Schiff lag mit ungefährem
Ostkurs mit der Backbordseite am Pier vertäut. Beim Löschen aus Luke Nr. 2
mußte der Kran immer nach achtern geschwenkt werden; wobei der Magnet jedes-
mal das eiserne Deckshaus in geringer Entfernung passierte und dieses dadurch
allmählich magnetisch induzierte, Der auf diese Weise in dem Deckshause ent-
standene stark negative Pol beeinflußte die Kompasse derartig, daß der Nordpol
der Magnetnadeln nach achtern abgelenkt wurde und eine große westliche Devia-
tion entstand. Die auf See gemachten Deviationsbeobachtungen ergaben nach der
Verlegung der Längsschiffsmagnete noch eine Deviation des Peilkompasses B=-—22°.
Die Steuerkompaßrose reagierte nicht auf die Verlegung der B-Magnete, sondern
Jag bei etwa 77° Ablenkung beständig SSO an.