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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

174 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1926, 
schreibenden“ Kompasses Erwähnung getan werden, Der Kompaß, ein Einnadel- 
kompaß, stammt aus der Zeit um 1850 herum und wurde in der Königl. Nor- 
wegischen Marine benutzt nach Angaben des Kapitäns von Wedel-Jarlsberg. 
Zum Kompaß gehört eine Uhr (— englischer Herkunft —) die oben auf dem 
Nachthaus befestigt, aus einem Behälter durch eine Rohrleitung in gleichmäßigen 
Abständen kleine Kugeln (ca. 3 mm Durchmesser) auf eine über dem Hütchen be- 
findliche Pfanne fallen läßt, von der sie dann durch ein kleines, die Nadel auf 
der Nordhälfte durchbohrendes Messingröhrehen weiterrollen und je nach der 
Stellung der Rose in ein unter dem unten offenen Kompaßkessel befindliches, mit 64 
radial angeordneten Fächern versehenes, rundes Blechgefäß fällt, so daß man aus der 
Zahl der Kugeln in den einzelnen Fächern den in den letzten Stunden zurückgelegten 
mittleren Schiffsweg ersehen konnte. Nach ganz denselben Prinzipien ist der 
heute in der Ozeanographie vielfach benutzte Ekman-Merz-Strommesser konstruiert, 
nur daß hier der Kugelfall nicht durch ein Uhrwerk, sondern durch den Strom- 
propeller in Verbindung mit einem Zählwerk ausgelöst wird. 
Die Entwicklung des Kompaßbaues hat gerade wie so viele andere Zweige 
der Technik eigentlich erst in den zurückliegenden 100 Jahren entscheidende 
Fortschritte gemacht, bedingt einerseits durch die Forderungen der Praxis, 
anderseits durch das wachsende Verständnis für die magnetischen und mecha- 
nischen Bedingungen, unter denen der Kompaß seine Aufgabe an Bord zu erfüllen 
hat. Auf dem Wege dieser Entwicklung sind die verschiedenartigsten Konstruk- 
tionen ausprobiert und wieder verworfen worden, bis sich allmählich auf Grund 
der Erfahrungen gewisse Normen herausbildeten, die heute jedem Kompaßher- 
steller als Grundlage bei der Konstruktion seiner Kompasse dienen. 
Auch die Deviationslehre als Grundlage einer den verschiedenartigen magne- 
tischen Schiffspolen angepaßten Kompensation konnte in dieser Zeit aus den 
Anfängen heraus immer weiter ausgebaut werden, so daß heute sowohl Trocken- 
wie auch Fluidkompaß, jeder innerhalb seines spezifischen Verwendungsgebiets — 
der Trockenkompaß als Hauptkompaß auf Dampfern in großer Fahrt, der Fluid- 
kompaß allgemein als Steuerkompaß sowie als Hauptkompaß auf kleineren Dampfern 
und Motorschiffen —, ein in jeder Hinsicht durchaus zuverlässiges Instrument bei 
der Schiffsführung darstellen, 
Mit dieser Feststellung wird gewissermaßen gleichzeitg zum Ausdruck ge- 
bracht, daß eine Art Abschluß in der Entwicklung des Magnetkompasses erreicht 
ist, einer Entwicklung, die von den ersten rohen Anfängen an, vor nunmehr 
ca. 2500 Jahren, einen gewiß staunenswerten Fortschritt zu verzeichnen hat, die aber 
gleichwohl als an ihrem Ende stehend angesehen werden muß, da der Magnet. 
kompaß trotz aller Verbesserungen in magnetischer und mechanischer Hinsicht 
stets nur die Richtung des magnetischen Meridians anzeigen kann und auch stets 
abhängig bleiben wird von den magnetischen Einflüssen des Schiffseisens, 
In dem rechtweisenden, d.h. den geographischen Meridian anzeigenden 
elektrischen Kompaß, dem Kreiselkompaß, der durch Dr. Anschütz in Kiel in 
jahrelangen, kostspieligen Versuchen entwickelt worden ist, ist ihm denn auch 
bereits ein Konkurrent entstanden. Trotzdem wird sich der Magnetkompaß 
infolge seiner heute noch ungleich größeren Billigkeit und seiner Unabhängig- 
keit von einer Stromquelle noch auf Jahrzehnte hinaus auf seinem alten Platz 
behaupten, in vielen Zweigen seines bisherigen Verwendungsgebiets — Küsten- 
schiffahrt, Flugwesen — wohl kaum, aus der Wissenschaft überhaupt nicht, 
verdrängen lassen, 
Quellen, 
A, Schück, Hamburg: Alte Kompasse. — Deutsche Seewarte: Der Kompaß an Bord, — Ann. 
d, Hydr., Januar 1905, A. Wolkenhauer: „Der Schiffskompaß im 16, Jahrhundert usw.“ u. a. — 
Lehrbuch der Navigation der Kaiserlichen Marine, 1917.
	        
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