accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Busch, W.: Die Entwicklung des Schiffskompasses in Sage und Geschichte, 173 
verbunden war, die ihrerseits durch vermehrte Reibung wieder schädlich auf 
die Richtkraft der Rose einwirken mußte, 
In den 100 Jahren, die der Einführung des Thomson-Kompasses vorangingen, 
waren, abgesehen von dem Normalkompaß, die verschiedenartigsten Rosen- und 
Kompaßkonstruktionen entstanden, in dem Bestreben, den Schiffsbewegungen, die 
sich im Schwingen und Schaukeln der Rose immer wieder bemerkbar machten, 
nach Möglichkeit entgegenzuarbeiten. Zu der bereits erwähnten Rhombusform 
der Nadel kamen ringförmig gebogene Nadeln von größerem oder geringerem 
Durchmesser, die Nadeln wurden nach unten gebogen oder geknickt oder schräg 
gestellt; die Pinne wurde oben, das Hütchen unten angeordnet, ein Verfahren, 
das sich übrigens bei neueren Rosen (Hechelmann) wiederfindet, die Rose 
erhielt eine eigene kardanische Aufhängung zu der des Kompaßkessels, oder 
eine Zwischenschaltung zwischen Blatt und Hütchen von kleinen Spiralfedern, 
die Pinne wurde federnd gelagert, alles in der Absicht, eine größere Stetig- 
keit der Rose zu erzielen; als eine Übertreibung dieser Absicht kann wohl 
eine Glockenrose vom Jahre 1843, hergestellt von Walker in Portsmouth, 
angesehen werden, ein wahres Ungetüm von 655 Gramm Gewicht, Auch die 
alte Bussole mit durchgehender, in Boden und Deckel gelagerter Achse lebt 
1850 als Plathscher Sturmkompaß wieder auf, Erwähnt soll noch werden, 
daß bereits 1702 in Holland ein Versuch mit einem 2-Nadel-Kompaß gemacht 
wurde, wahrscheinlich jedoch nur zur Erhöhung der magnetischen Richtkraft; 
die Lage der Magnete ist nämlich mathematisch nicht richtig. 
Ein anderer bemerkenswerter Versuch, den Erschütterungen des Schiffes 
entgegenzuwirken, ist der, eine leichte Trockenrose auf einen kleinen Schwimmer 
zu setzen, der in einem kleinen, mit Quecksilber gefüllten Gefäß schwimmt, zu 
dem der obere Teil des Rosenträgers ausgebildet ist. 
Zur Abdämpfung der Stöße wurde auch die Aufhängevorrichtung mit 
Federung versehen in Form von starken Gummibändern oder -polstern (1870 
bis 1880) oder mit elastischen Drahtstroppen (1890), und zwar zuerst beim 
Thomson-Kompaß; man mußte aber sehr bald die Erfahrung machen, daß ein 
Zuviel an Federung sehr leicht schädlich wirkt, d. h. stoßvermehrend, infolge 
Auftretens von Resonanz zwischen den Eigenschwingungen des gesamten Kom- 
passes und denen des Schiffes bei den verschiedenen Beladungszuständen, In 
neuester Zeit gehen die Bestrebungen deswegen dahin, eine Spiralfederaufhängung 
zu schaffen, die innerhalb gewisser Grenzen regulierbar ist, damit ein evtl. auf- 
tretender Synchronismus aufgehoben werden kann, ; 
Auf ganz andere Weise als soeben beschrieben versucht die Konstruktion 
gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts die größtmögliche Ruhe der, Rose 
zu erreichen (Bamberg, Berlin 1879); sie bemächtigt sich wieder der alten 
Idee des Schwimmkompasses, der calamita, die nach 1300 mit dem Einsetzen 
giner allgemeinen Kenntnis der magnetischen Richtkraft sehr schnell von der 
Trockenbussole aus der Schiffahrt verdrängt worden war, Die moderne Schwimm- 
rose stellt gewissermaßen ein Kompromiß dar zwischen der älteren, schweren 
Normalrose und der leichten Thomsonrose: sie verbindet große magnetische 
Richtkraft mit geringem Auflagedruck zwischen Hütchen und Pinne, nur etwa 10 
bis 15 Gramm, erzeugt durch den Auftrieb eines Schwimmkörpers, an dem die 
starken Magnete, 2 bis 6, befestigt sind. Als Auftriebsflüssigkeit wurde bei den 
ersten modernen Schwimm- oder Fluidkompassen nur Wasser, späterhin eine 
Mischung von Wasser und Alkohol verwendet im Verhältnis 3 zu 1. Die Fluid- 
kompasse erfüllen die Forderung der Ruhe der Rose in hohem Maße, haben aber 
gegenüber den Trockenrosen den Nachteil der geringeren Beweglichkeit bei 
Kursänderungen infolge des Mittschleppens der Rose innerhalb der Flüssigkeit. 
Ebenfalls in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nähert sich die 
Peilvorrichtung immer mehr der heute gebräuchlichen Form an, die indessen 
noch gewisser abschließender Verbesserungen fähig ist. 
An dieser Stelle soll auch noch, als Beispiel dafür, wie weit manchmal 
einzelne in der heutigen Wissenschaft benutzte Ideen in ihrem Ursprung 
zurückliegen, eines im Besitze der Deutschen Seewarte befindlichen „kurs-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.