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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Busch, W.: Die Entwicklung des Schiffskompasses im Sage und Geschichte. 171 
Jerischen Schaffens gewesen waren, so wurden es nun, vielleicht in noch erhöhtem 
Maße, die Kompaßkessel, da nun auch die Sechnitz- und Gießkunst Gelegenheit 
hatten, sich zu betätigen. Aus jener Zeit sind Prachtstücke erhalten worden 
sowohl an Hängekompassen in den Kommandantenkajüten, den sogenannten 
Kronenkompassen, als auch an Steuerkompassen; das Auftauchen von Hänge- 
kompassen im 18. Jahrhundert scheint übrigens zu beweisen, daß, wenigstens 
auf größeren Schiffen, nunmehr zwei oder mehrere Kompasse im Gebrauch waren, 
Das Verhalten dieser alten Kompasse auf See muß jedoch immer wieder 
zu Ausstellungen seitens der Schiffsführer Anlaß gegeben haben. Während bis 
zum Ende des 17. Jahrhunderts die Herstellung und Anbringung des Magneten 
rein handwerksmäßig und schematisch erfolgte, versucht man nunmehr, sich die 
Erfahrungen der Praxis. zunutze zu machen und den Ursachen nachzugehen, die 
für das schlechte Verhalten der Kompasse bestimmend sind, ohne indes viel er- 
reichen zu können, da man e8 noch nicht gelernt hatte, die Materie wissenschaft- 
lich zu behandeln, wozu eigentlich erst im Anfang des vorigen Jahrhunderts durch 
Barlow und Gauß (1820 bzw. 1840) der Anstoß gegeben wurde, 
Einer der ersten Versuche hinsichtlich einer grundlegenden Verbesserung 
der Kompasse, wenn nicht der erste überhaupt, ist der von der Hamburger Ge- 
sellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe, der heutigen 
Patriotischen Gesellschaft, zu der auch Reeder und Kapitäne gehörten, im Jahre 
1765 unternommene, und zwar in Verbindung mit dem Mechaniker Neubert, nach- 
dem die Gesellschaft für den besten Kompaß einen Preis ausgesetzt hatte, Die 
aus diesen Versuchen hervorgegangenen Kompasse, die „Hamburger Gesellschafts- 
Kompasse“, sind ein schönes Wahrzeichen dafür, daß man in Hamburg auf eine 
Verbesserung dieses für die Seeschiffahrt unentbehrlichen Hilfsmittels bedacht war, 
Jahrzehnte vorher, bevor eine englische aus Admiralen und Flottenkapitänen be- 
stehende Kommission 1838 ihre Arbeiten zwecks Verbesserung der Kompasse 
aufnahm, 
Die damals vorhandenen Kompasse konnten den erhöhten Anforderungen 
bezüglich der Sicherheit der Schiffe auf See und schnellerer Reisen nicht ent- 
sprechen, da der Eigenmagnetismus der Nadel im Verhältnis zum Gewicht und zu 
der noch unvollkommenen Montierung, wodurch starke Reibungswiderstände auf- 
traten, viel zu gering war. Erst in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts 
begann man künstliche Magnete herzustellen, wahrscheinlich unter Benutzung 
der durch die Erfahrung gefundenen Tatsache, daß Erschütterungen (Hämmern), 
namentlich in der Meridianlage, wodurch die Induktionswirkung des Erdmagne- 
tismus zur Geltung kommt, die Erzeugung von Magnetismus in Stahlstäben 
stark steigert. Derartige Magnete, die natürlich ziemlich kostspielig waren, 
wurden dann bei der Herstellung von Kompaßnadeln benutzt, während man 
vorher lediglich auf die Magnetsteine angewiesen war. Durch die Auswirkung 
der 1820 von Örsted beobachteten Beziehung zwischen Magnetismus und Elek- 
trizität ist die Herstellung von Magnetstäben und -nadeln wesentlich vereinfacht 
worden: der elektrische Strom verrichtet diese Arbeit, die vor ihm eine lang- 
wierige und umständliche war, in nur wenigen Sekunden, und zwar durch- 
greifender und gleichförmiger, als dies jemals vorher möglich gewesen war, 
Über die Größe der Kompasse der Periode um 1800 herum, die sich gegen die 
frühere kaum erheblich geändert haben dürfte, lassen sich nur allgemeine An- 
gaben machen. Der Durchmesser des Rosenblattes schwankte vielleicht zwischen 
80 und 150 Millimeter, die Länge der Nadel war dementsprechend, im allgemeinen 
etwas geringer, die Breite der Nadel mag 10 bis 15, ihre Dicke einige Millimeter 
betragen haben, Das Gewicht der Rose erreichte häufig 50 Gramm, einige Kon- 
struktionen, besonders die nach 1800, weisen jedoch erheblich höhere Gewichte 
auf in dem Bestreben, die Richtkraft durch schwere Magnete zu vergrößern. 
Die Pinne war aus Messing oder Stahl, das Hütchen aus Achast, vielfach auch 
aus Glas. Für den Gebrauch an Deck wurde der eigentliche Kompaß in einen 
quadratischen, meistens bunt bemalten Kasten eingesetzt von ungefähr folgenden 
Abmessungen: Länge 8 bis 12 Zoll, Höhe $ bis 8 Zoll. Wenn keine besondere 
Peilvorrichtung vorhanden war, befanden sich in zwei gegenüberliegenden
	        
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