Myrbach, 0.: Das Atmen der Atmosphäre unter kosmischen Einflüssen, 167
ausstrahlung und sommerlicher Einstrahlung am größten ist, stellen die Lungen
der Atmosphäre, die eigentlich aktiven „Reaktionsgebiete“ der Erde dar. Die
Lufteinatmung der erkaltenden Kontinente im Winter erzeugt über ihnen einen
Luftüberschuß und. führt zur Ausatmung, noch bevor sie durch vermehrte Ein-
strahlung erzwungen wird. Die Vorratsbecken für Luft sind die Ozeane, die Tropen-
zone und — wenigstens auf der Nordhalbkugel — die Polarkappe.
Aus diesem Atmungsmechanismus ergibt sich die genetische Bedeutung des
stabilen „Isländischen Tiefs“ (als eigentlichen Polarwirbels), des temporären Aleuten-
Tiefs und eines mit diesem gekoppelten ebenso temporären Einatmungs-Hoch-
druckgürtels über der Beringstraße,
Die zeitliche Länge der Wetterrhythmen, welche bei der atmosphärischen
Atmung auftreten, ist keine zufällige, sondern eine gesetzmäßige. Sie hängt zu-
nächst ab von der Ausdehnung der Reaktionsgebiete und der kompensierenden
Luftvorratsbecken, von der Jahreszeit und der Solarkonstanten, Bei geringer
Sonnentätigkeit und im Sommer herrschen längere Rhythmen vor als im Winter
und bei gesteigerter Sonnentätigkeit. Die Sonnenflecken wirken nicht nur durch
die mit ihrer Vermehrung wahrscheinlich verbundene Steigerung der Gesamt-
strahlung der Sonne beschleunigend auf die Atmung ein, sondern sie bewirken
außerdem noch unmittelbar (im Wege einer spezifischen Ausstrahlung) Wetter-
stürze und damit vorzeitigen Wechsel der Atmungsphase. Das ergibt sich einer-
seits aus der Abbildung der solaren Periodizitäten der Fleckentätigkeit (welche
ihrerseits mit den halben synodischen Planetenumläufen korrespondieren) in den
Rhythmen des Wetterablaufs, andererseits aus dem modifizierenden Einfluß,
den die Mondphase auf die wetterstürzende Wirkung der Sonnenflecken
ausübt, In dieser Einflußnahme besteht die seit Jahrhunderten gesuchte
Wirkung des Mondes auf das Wetter,
Die Rhythmen, welche das Wetter beherrschen, sind keine Perioden im physi-
kalischen Sinne. Infolge der wechselnden kosmischen Einflüsse sind sie inkonstant,
inkohärent, wechseln die Phase und werden zeitweise verstärkt, zeitweise ausgelöscht.
Trotz dieser Veränderlichkeit ordnen sie sich einem harmonischen System von
Schwingungen ein, dessen Grundton die ebenfalls sehr veränderliche Periode der
Polhöhenschwankung zu sein scheint, die ihrerseits (infolge der mit der
Atmung verbundenen Luftversetzung) vielleicht von der Fleckentätigkeit der Sonne
abhängt.
Von den bekannten kurzen Wetterrhythmen abgesehen, die mit wandernden
Zyklonen zusammenhängen, hier aber nicht weiter behandelt wurden, können wir
folgende Typen von Rhythmen unterscheiden: 1. Ungestörte Atmungsrhythmen;
2. verkürzte Atmungsrhythmen; 3. reine Fleckenrhythmen: a) sonnatliche, b) pla-
netarische.
Der Witterungscharakter lang andauernder Wetterperioden wird durch die
jeweilige Atmungsphase bestimmt.
Ich habe einen großen meteorologischen Erscheinungskomplex, der das irdische
Wetter — mindestens der gemäßigten und polaren Zonen -— beherrscht, „Das
Atmen der Atmosphäre“ genannt, weil sich weitgehende Analogien zur organischen
Atmung feststellen ‚lassen: vor allem die rhythmische Natur der Erscheinungen,
die Veränderlichkeit der auftretenden Rhythmen und ihre Abhängigkeit von inneren
und äußeren Einwirkungen, Mir, der ich allein auf die eigene Arbeitskraft an-
gewiesen bin, mußte es genügen, einen Blick in das Getriebe der atmosphärischen
Atmung eröffnet, neue Zusammenhänge aufgedeckt und die Unzulänglichkeit bis-
heriger einschlägiger Forschungsmethoden aufgezeigt zu haben. Die wahren Gesetze
der atmosphärischen Atmung zu erforschen und damit vielleicht einen großen Teil
des Problems der langfristigen Wettervoraussage zu lösen, muß glücklicheren Fach-
kollegen überlassen bleiben, die als Institutsvorstände über einen Stab von Hilfs-
kräften zur Durchführung der nötigen ungeheuren Rechenarbeiten verfügen.
5. Praktische Folgerungen für den Wetterdienst.
Meine Ergebnisse dürften der Wetterkunde den Weg zu neuen Fortschritten
weisen. Sie fordern zwei Ergänzungen der bisherigen Wetterdienstmethoden: