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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Myrbach, O.: Das Atmen der Atmosphäre unter kosmischen Einflüssen, 157 
D. Die Bedeutung der Sonnenrotation für die Wetterrhythmen, 
Wenn von den Sonnenflecken wirklich — wie wir annehmen — eine spezifische, 
wetterstürzende Wirkung auf die Atmosphäre ausgeht, so muß die Dauer der Sonnen- 
rotation eine große Rolle in der Rhythmisierung des Wetterablaufs spielen. Die 
wetterstürzende Kraft eines Flecks oder einer Fleckengruppe dürfte ja wahrscheinlich 
am stärksten sein, wenn er (oder sie) am Zentralmeridian der Sonne der Erde gerade 
gegenübersteht. Dieselbe Stellung zur Erde wiederholt sich nun in ungefähr 28 Tagen?) 
und wir wissen, daß lebensfähige Fleckengruppen viele Sonnenrotationen überdauern 
können. Wenn wir für die synodische Sonnenrotation die Bezeichnung von Wenz?): 
ein „Sonnat“ übernehmen, sie aber im Gegensatz zu ihm nicht zu 27, sondern zu 
28 Tagen rechnen, so können wir sagen: Der Sonnat muß sich bei Fleckenreichtum 
in den Wetterrhythmen abbilden. Ein Sonnat ist durch die ausgleichende Summen- 
bildung ziemlich vollständig eliminiert, aber bereits die erste Wiederholung wirkt 
sich in der großen Häufigkeit des Rhythmus von 55—60 Tagen aus. Der besonderen 
Bedeutung dieser 56 tägigen Periode wird später noch eine eigene Betrachtung ge- 
widmet werden. Aber auch einige höhere Wiederholungen des Sonnats kommen in 
den Rhythmen zum Ausdruck und sind in der letzten Spalte der Tabelle 7 vermerkt. 
Es handelt sich um die folgenden Periodenlängen: 
Sonnate: 2 3 4 5 7 9 
Wetterrhythmus: 56 84 112 140 196 252 Tage. 
Durch diese Spiegelung des Sonnats in den Wetterrhythmen ist ein erstes 
Argument für das Auftreten solarer Perioden im Wetterablauf und damit auch 
für eine unmittelbare spezifische Wetterwirkung der Sonnenflecken gewonnen, 
Wir sehen einerseits, daß die sonnatliche Periode mit dem verkürzten Atmungs- 
rhythmus von 85 Tagen übereinstimmt, andererseits können wir jetzt schon zwei 
der „reinen Fleckenrhythmen“ auf die Sonnenrotation zurückführen, nämlich eine 
zwischen 55 und 60 liegende und die 115tägige und können sie als Unterabteilung 
der reinen Fleckenrhythmen „sonnatliche Flieckenrhythmen‘“ nennen, 
2, Die Polhöhenschwankung. 
Das auffallende Häufigkeitsmaximum eines Rhythmus von 450 Tagen in Fig. 5 
bei Fleckenreichtum und -armut erinnert in seiner Größenordnung an die Chandler- 
Newcombsche Polhöhenschwankung, die übrigens auch eine zwischen weiten 
Grenzen veränderliche Periode darstellt. Schweydar hat nachgewiesen, daß diese 
Verschiebung des Rotationspols der Erde durch den Transport von Luftmassen 
verursacht wird. Auch die Maxima der Temperaturkorrelationen in beiden unter- 
suchten Perioden (Fig. 2) bei 450 Tagen sprechen dafür, daß dieser Rhythmus 
wirklich reell ist. Angenheister*) hat sowohl eine dreijährige als eine sechs- 
jährige Periode großer Luftdruckschwankungen festgestellt und mit den gleich- 
langen Perioden der Polhöhenschwankung in Zusammenhang gebracht, - 
Teilen wir einerseits unsere Temperaturperiode von 450 Tagen, andererseits den 
von den Astronomen angenommenen Durchschnittswert der Polhöhen-Schwankungs- 
periode von 432 Tagen durch ganze Zahlen, so erhalten wir die in der 12. Spalte 
der Tabelle 7 angeführten Zahlen, Ein Vergleich mit den gefundenen Rhythmen 
ergibt eine weitgehende Annäherung, und zwar harmonieren die aliquoten Teile 
der Jangen Periode von 450 Tagen mit jenen Rhythmen, die bei geschwächter 
allgemeiner Zirkulation auftreten, also den „ungestörten Atmungsrhythmen“, Die 
1) Die synodische Rotation der Sonne in bezug auf die Erde dauert ungefähr um zwei Tuge 
I als die siderische, Sie beträgt für die durch Fleckenbildung ausgezeichneten Sonnenbreiten 
nm Lagen: Breite: giderisch: synodisch: 
10° 25.2 27.1 
20° 25,7 27,6 
30° 26.5 28.5 
Als mittlerer Betrag für die Königszonen ergibt sich demnach eine synodische Rotationsdauer von 27.7, 
also abgerundet 28 Tagen, 
?, Wenz: Die 27tägige Periodizität in den Luftdruckveränderungen. 1916, Selbstverlag. 
%) Nachr, d. Ges, d, W. z. Göttingen, 1914, 8. 1. 
Aus. d. Hrydr, usw. 19265, Heft IV.
	        
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