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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926. 
den exakten Grundlagen der Physik der Atmo-! Bemerkungen über zuverlässige Wetterdienststellen 
sphäre aufbauend uns ein treffliches, anschauliches (S. 15), über wahre Fachleute und die Reklame 
Bild der klimatischen Verhältnisse der geologischen für persönliche Sonderinteressen (S. 294) am Platze, 
Vorzeit entworfen hat. Als Einführungsbüchlein Heinrich Seilkopf, 
in diese Wissenschaft wird es niemand umgehen Gockel, A.: Das Gewitter, Dritte Auflage, Mit 
können. Gotthard Burghardt. 3 Kunstdrucktafeln und 36 Abbildungen, Berlin 
und Bonn 1925, 
Fischli, Fritz: AEronautische Meteorologie. Das dem Verfasser eigene Geschick volkstüm- 
Zweite umgearbeitete Auflage, Berlin 1924. (Biblio- licher Darstellung zeichnet dieses Buch aus und 
;hek für Luftschiffahrt und Flugtechnik, Band 7.) wird ihm in den Kreisen, an die es sich um ver- 
Verlag Richard Carl Schmidt & Co. ständnisvolle Mitarbeit wendet, sicher manchen 
Zwei Aufgaben hat sich der Verfasser in der neuen Freund gewinnen. 
Aeronautischen Meteorologie gesteht: Kinarseits einen Behandelt sind in erschöpfender Weise die das 
Abriß einer Physik der freien Atmosphäre, einer Gewitter kennzeichnenden Erscheinungen mit ihren 
A&rologie zu geben — der im Vorwort gebrauchte Wirkungen, einschließlich des Hagels, die Ursachen 
Ausdruck Handbuch der Aöärologie dürfte zu weit- der Gewitterbildung, soweit unsere bisherige Kenntnis 
Een sein —, andererseits in die für die Luft- reicht, und endlich das Gewitter als Klimafaktor. 
ahrt wichtigen Teile der Wetterkunde einzuführen. Die vorliegende Neuauflage führt, wenigstens 
Beide Arbeitsgebiete haben sich seit dem Er- nach der luftelektrischen und rein statistischen Seite 
scheinen der ersten Auflage im Jahre 1913 ganz hin, wieder bis zum gegenwärtigen Stand der Wissen- 
bedeutend erweitert, so daß eine Umarbeitung not- schaft, Im 16. Abschnitt, der die geographische 
wendig wurde. In beiden Teilen hat jedoch die Verteilung der Gewitter behandelt, ist beispielsweise 
Bearbeitung nicht Schritt gehalten mit den Fort. die erst in diesem Jahre erschienene Arbeit von 
schritten der Wissenschaft in den letzten 10 Jahren. Sn (Distribution of Thunderstorms over the 
Zahlreiches Tabellenmaterial wie auch ausführliche Globe, „Geoph. Memoirs‘“ Nr, 24/1925) zum Teil 
‘heoretische Ableitungen im ersten Teile können noch mit berücksichtigt. . 
die offensichtlichen Mängel des Buches nicht aus- Besondere Beachtung ist überall den Erschei- 
gleichen. Ergebnisse neuerer a&rologischer Unter- nungen gewidmet, die nach des Verfassers Ansicht 
suchungen z. B. über die Gleitflächen, über den für die Erklärung der Gewitterelektrizität von 
Anteil der Substratosphäre und Stratosphäre an großer Bedeutung sind oder unmittelbar damit zu- 
den Luftdruckänderungen am Boden sind nicht sammenhängen, So wird jetzt auf die Bestandteile 
behandelt, Die neueren Anschauungen über den der Gewitterwolken näher eingegangen, die Vulkan- 
Aufbau der Tiefdruckgebiete mit der gerade auch gewitter werden in einem eigenen Abschnitt be- 
für den Luftfahrerbedeutungsvollen Unterscheidung handelt, bei der Niederschlagselektrizität sind die 
von Aufgleitbewölkung, Aufgleitregen und Ein. in den letzten 20 Jahren gewonnenen Forschungs- 
bruchsbewölkung und Einbruchsniederschlag sind ergebnisse ausführlich besprochen, und schließlich 
‚öllig unberücksichtigt geblieben. Die für den ‘st, fast ganz neu geschrieben, ein besonderer Ab- 
Flieger wichtigste Witterungserscheinung, der Nebel, schnitt über die Entstehung der Gewitterelektrizität 
wird 1 nur kurz behandelt, die Tnterscheidn ng eingefügt. Hier findet vor allem die seit Lenards 
von Strahlungs-, Senkungs-, Mischungs- und Untersuchungen in den Vordergrund gerückte 
Wogennebel jedoch nicht durchgeführt, wenn auch Elektrisierung durch Zerstäuben ihre Würdigung, 
die ihn meist nach oben begrenzende Inversion wobei schon die vor kurzem auf Anregung des 
erwähnt wird, Die Untersuchungen über die Verfassers von Stäger?) ausgeführten Versuche 
Turbulenz, über die Struktur des Windes fehlen herangezogen werden. Neue Blitzaufnahmen werden 
ganz, ebenso die Ergebnisse der Arbeiten über die gebracht und die inzwischen durch solche Auf- 
Beeinflussung der Luftsträmungen durch Gebirge, nahmen gemachten Entdeckungen berücksichtigt. 
über den Aufwind. Selbst die für dus Verständnis {m Abschnitt über den Donner werden auch die 
der Böen- und Gewitterbildung so wichtige Arbeit Explosionswellen erwähnt; ebenso sind neuerdings 
ron W. Schmidt über die Einbrüche kalter Luft- die Kaltlufteinbrüche dem Gesamtbild eingefügt. 
massen wird nicht berücksichtigt, Daß die iso- Den Sonnenflecken wird wieder mehr Beachtung 
iherme Zone, die Stratosphäre an den Polen und geschenkt, während eine Zunahme der Blitzgefahr 
zeitweise in Teilen Sibiriens den Erdboden berührt, in den beiden letzten Menschenaltern jetzt nicht 
ist unrichtig, ebenso wie die Annahme, daß Mexiko mehr als erwiesen gilt. Der Einfluß der Gebirge 
anter dem Aquator liegt (S. 123), Außerungen auf die Ausbreitung der Gewitter ist etwas auß- 
wie die, daß wenigstens in den erdnahen Schichten [/ührlicher gewürdigt. Endlich sind die Berichte 
sowohl „Flugmaschinen als Motorluftfahrzeuge über die seltenen age und Perlschnurblitze um 
(Lenkballone usw.) nur in der Hand höchst erfah. einige weitere Beispiele vermehrt worden. 
rener und gleichzeitig kühner Führer gegen stür- Man wird es in dem Buch, das eine 80 viel- 
mische Winde von 10 bis 15 Metern Sekunden- seitige Darstellung der mit dem Gewitter zusammen- 
geschwindigkeit erfolgreich Anzukämpfen vermögen hängenden Erscheinungen gibt, um so schmerzlicher 
und es dann bei einer solchen von m mit der empfinden, daß nicht auch der meteorologische Teil 
direkt durch Menschenhand ausgeführten Lenk- einer Neubearbeitung — und nicht nur einer Um- 
barkeit meistenteils wie vorbei ist“ und daß „mit ordnung — unterworfen ist. Auch ohne eine dem 
Flugmaschinen beliebig und ohne nennenswerten Verfasser noch verfrüht erscheinende Annahme der 
Verlust gelandet werden kann“ zeigen, wie fern Bjerknesschen Anschauungen, die er nur kurz 
der Verfasser neuzeitlicher Luftfahrt steht. Auch erwähnt, konnte eine Überarbeitung nach physi- 
des Flugwetterdienstes mit seinen Beobachtungs- kalischen Gesichtspunkten nur von Vorteil sein. 
stellen längs der Flugstrecken, seinem ausgedehnten Dabei wären wohl von selbst Wärme- und Front- 
Funkverkehr wird in dieser Aeronautischen Meteoro- (Böen-) Gewitter als die eigentlichen Gegensätze 
logie nicht Erwähnung getan, Umso weniger sind herausgetreten. H. Markgraf. 
') Besprech, s. Ann. d. Hydr. usw. 1925, 8. 369. — 2) Besprech, s. Ann. d. Hydr. usw. 1925, S. 302.
	        
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