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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926,
Das Schiff lag z. Zt. des Gewitters auf südli@hem Kurse, Nachdem der Blitz
das Schiff getroffen hatte, lag es beim Steuerkompaß dauernd West an ohne
Rücksicht auf den jeweils gesteuerten Kurs. Aber auch der Peilkompaß war auf
Südkurs um volle 6 Striche abgelenkt. Eine Orientierung nach dem Kompaß
war demnach ausgeschlossen. Nachdem der Fang beendet war, wurde die Heim-
reise angetreten. Da die Kompasse nach wie vor untauglich blieben, mußte, so
gut es ging, nach Wind und Seegang gesteuert werden. Am 13. Januar 1926
traf der Dampfer in Cuxhaven ein. Auch jetzt noch lag er am Steuerkompaß
unverändert West an; beim Peilkompaß war ebenfalls keine Abnahme der ab-
lenkenden Kräfte festzustellen. Die an Land vorgenommene Untersuchung beider
Kompasse — Fluidkompasse von Rosebrock bzw. Hechelmann — ergab, daß
eine Veränderung ihres magnetischen Moments wahrscheinlich nicht stattgefunden
hatte. Beide hatten ein Moment von 45 bzw. 50 mm G. E., was jedenfalls als das
ursprüngliche angesehen werden kann,
Nachdem am 15. Januar 1926 das Schiff wieder seeklar war, wurde eine
Neukompensierung vorgenommen, Das ursprüngliche C des Schiffes war positiv
und verhältnismäßig klein. Zur Kompensierung genügte ein Jahr vorher, am
14. Januar 1925, für jeden Kompaß ein gewöhnlicher Stabmagnet in angemessener
Entfernung. Das durch den Blitzschlag hervorgerufene C war ebenfalls positiv,
aber von einer solchen Größe, daß es nur mittels allerstärkster Magnete beseitigt
werden konnte. Für die völlige Beseitigung war die Erwägung maßgebend, daß
in der bisher verflossenen Zeit eine Veränderung von C nach der negativen Seite
nicht festgestellt werden konnte, Außerdem sind Fangreisen in der Nordsee selten
länger als zehn Tage, so daß eine Nachkompensierung leicht durchführbar ist.
Eine bemerkenswerte Veränderung der übrigen Koeffizienten hatte nicht
stattgefunden. Nachdem C kompensiert war, betrug die Ablenkung auf Ost oder
West bei beiden Kompassen 3° bzw. 5°; man darf aber annehmen, daß sie schon
vor dem Blitzschlag dagewesen ist. Koeffizient K war sowohl dem Vorzeichen
als auch der Größe nach unverändert. H. Holst-Cuxhaven.
Zur Frage der „eigenartigen Isolinien‘“!). a) Gekreuzte Mißweisungs-
gleichen finden sich vielfach auf erdmagnetischen Karten, Als Beispiele nenne
ich die Mißweisungskarten der Deutschen Seewarte bis 1905 einschließlich und
die der englischen Admiralität bis 1922 einschließlich; auch die englische Karte
der wagrechten Feldstärke für 1907 weist eine solche Kreuzung auf. Auch bei
diesen Karten wird den Anlaß das Streben gegeben haben, jede Willkür nach
Möglichkeit zu vermeiden. Es ist aber auch darauf hinzu-
22 weisen, daß bei solchen Liniensystemen von einer Unmöglich-
keit derartiger Kreuzlinien nicht gesprochen werden kann.
Wenn nach den Beobachtungen die Linie ö = 20° den ge-
strichelten, die Linie öü = 22° den ausgezogenen Verlauf hat,
und ich gehe von ö = 20° zu den Isogonen stetig wachsender
N Werte über, so muß eine kommen, die den Kurvencharakter 20
22 verläßt und den Übergang zum Kurvencharakter 22 einleitet.
Die geometrisch einfachste Art des Übergangs ist die Kreuzung, wie das Asymptoten-
kreuz zwischen einer Hyperbel und einer konjugierten Hyperbel zeigt. Auserst
unwahrscheinlich freilich ist es, daß diese Kreuzlinie gerade auf den runden Zahlen-
wert ö = 21° fällt. H. Maurer,
b) Die Bemerkung von Herrn Dr. Maurer, daß sich gekreuzte Isogonen auf
verschiedenen erdmagnetischen Karten der Seewarte finden, trifft auf die älteren,
von Neumayer gezeichneten Karten zu. Die dort vorkommenden Isogonenschnitt-
punkte tauchen auch auf den älteren Karten anderer Nationen auf, die diese
Linienführung anfangs wohl mehr oder weniger gegenseitig übernommen haben,
Das für den Entwurf dieser älteren Karten zur Verfügung stehende Material
war so spärlich, daß die Linienführung stellenweise, besonders im Gebiet der freien
Ozeane, der Willkür des Bearbeiters überlassen war. Um nun diese Willkür nicht
noch zu erhöhen, mag Neumayer den Ausweg der Schnittpunkte gewählt haben,
') Siehe diese Zeitschrift 1925, 8. 266 und 402,