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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

126 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926, 
bereits oben dahin umschrieben wurde, daß kardanische Aufhängung und mit dem 
Magnet verbundenes Rosenblatt Voraussetzungen hierfür sind, so ist leider mit 
der Erwähnung lediglich der kardanischen Aufhängung bezüglich der Frage, 
welches der Schlußstein in der Entwicklung des Kompasses, kardanisches Ge- 
hänge oder bewegliches Rosenblatt, ist, nichts anzufangen, wie denn auch immer 
wieder betont werden muß, daß für keinen Teil des Kompasses eine bestimmte 
Zeit der Einführung nachweisbar ist, Eine andere, recht genaue Beschreibung 
der Herstellung von Kompassen, die die kardanische Aufhängung erwähnt, findet 
sich in dem 1551 herausgegebenen Lehrbuch der Steuermannskunst des Martin 
Cortes und lautet — nach Wolkenhauer — folgendermaßen: 
Auf ein Papier von der Dicke einer Spielkarte zeichne man einen Kreis, 
ungefähr von der Größe einer Hand. Darauf zeichne man mit Farben die 
32 Winde ein, Der Norden ist mit der Lilie und der Osten mit einem Kreuz 
zu bezeichnen. Dann ziehe man genau unter der Nordsüdlinie auf der Rückseite 
des Papiers eine gerade Linie, auf der die Nadel zu befestigen ist. Als Nadel 
nehme man einen eisernen oder stählernen Draht, Den Eisendraht nehme man 
doppelt und mache ihn um ein Viertel länger als den Durchmesser der Scheibe, 
Die Drähte ziehe man in der Mitte auseinander, so daß die Nadel eine ovale 
Figur bildet und die Enden der Nadel genau mit den Enden des Durchmessers 
der Scheibe übereinstimmen, Mittels Kleister soll diese ovalförmige Nadel durch 
ein darüber geklebtes dünnes Papier an der Unterseite der Kompaßscheibe be- 
festigt werden. Die Enden der Nadel sollen dabei genau auf die Nordsüdlinie 
fallen. Um die Nadeln durch Reiben leichter neu magnetisieren zu können, 
sollen die Spitzen der Nadeln nicht mit Papier bedeckt werden, 
Cortes beschreibt weiter, wie die Nadeln durch Reiben und Hämmern 
magnetisiert werden sollen, ferner wie die fertiggestellte Scheibe mittels eines 
Hütchens auf die Pinne gesetzt wird, daß der Koömpaßkasten aus gutem Holz 
bestehen muß mit einem Glasdeckel und endlich, wie der Kasten oder die Büchse 
in einem anderen Kasten auf zwei Ringe zu setzen ist, 
Der Name „Kompaß“ ist wahrscheinlich der auf der Nadel befestigten Scheibe 
entlehnt, die ihrer Kreisform wegen in Anlehnung an den zu ihrer Herstellung 
benötigten Zirkel gleich „compass“ (im englischen noch heute: a pair of com- 
passes) ebenfalls als Kompaß bezeichnet wurde. Dies könnte bedeuten, daß die 
Bezeichnung „Kompaß“ vor der Einführung der kardanischen Aufhängung im 
Gebrauch war, zumal wenn man eine aus dem Jahre 1544 stammende Beschreibung 
berücksichtigt, die wie folgt lautet: 
„Unsere Schiffsführer haben auch den Magnet in einer kleinen mit Glas 
bedeckten Büchse, in der ein sehr dünnes Scheibchen auf einem sehr glatten 
und ähnlich einer Nadel zugespitzten Pflock liegt und sich herumdreht, auch 
nicht eher stehen bleibt, bis der Halbmesser des Scheibchens, der selbstverständ- 
lich aus dem Magneten besteht, sich nach Norden legt.“ 
Die Beschreibung ist also recht zutreffend und man könnte vielleicht an- 
nehmen, daß eine Aufhängung nach Art der kardanischen ebenfalls beschrieben 
worden wäre, wenn sie vorhanden gewesen wäre, 
Eine andere Erklärung der Herkunft der Bezeichnung „Kompaß“ greift 
zurück auf ein 1440 erschienenes Werk, „Compasso“ genannt, im heutigen Sprach- 
gebrauch „Segelhandbuch“. Durch die Benutzung dieses Compassos, dieses 
„Führers“, hat sich dann möglicherweise dieser Name allmählich auf die an Bord 
gebrauchte Vorrichtung zum „Führen“ des Schiffes, eben unseres Kompasses, 
übertragen. 
Aus den letzten Ausführungen geht jedenfalls so viel hervor, daß gegen 1500 
herum der Name Kompaß anfing, sich einzubürgern, und zwar als Bezeichnung 
der in einer Büchse eingeschlossenen, mit einem KRosenblatt versehenen Magnet- 
nadel in Verbindung mit der kardanischen Aufhängung. 
(Schluß folgt.)
	        
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