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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926. 
Die Forschung ist bisher nicht in der Lage gewesen, in engeren Grenzen 
als angegeben zu bestimmen, wann diese Verbesserungen eingeführt wurden, 
ebensowenig wie es ihr gelungen ist, festzustellen, wann und wo die Richtkraft des 
Magneten zuerst erkannt und in der Schiffahrt angewendet wurde, wann und wo 
der Magnet zuerst auf eine Pinne gelegt und mit einem Hütchen aus hartem 
Stein (Dobben) versehen wurde, und von welcher Zeit ab eine dünne Horn- oder 
Glasscheibe als Schutz gegen die Witterungseinflüsse benutzt wurde. Ebensowenig 
herrscht Klarheit darüber, wann das Rosenblatt mit dem Magneten verbunden 
und wann die kardanische Zapfenaufhängung zuerst in Gebrauch kam, so daß 
der Begriff „Bussole“ keineswegs eindeutig ist. Auf alle Fälle aber waren beide 
letztgenannten Anordnungen: Rosenblatt fest auf dem Magneten und kardanische 
Aufhängung nötig, um aus der einfachen Bussole den eigentlichen Schiffskompaß 
zu machen, 
Der Name „Bussole“ steht zweifellos in Verbindung mit bosso = Buchsbaum, 
aus dem wohl die ersten Büchsen oder Dosen zur Aufnahme des Magneten ver- 
fertigt wurden. Wenn diese Büchsen dann später auch aus anderem Holz, aus 
Kupfer, Messing oder selbst Glas hergestellt wurden, so blieb dem Instrument 
doch der ursprüngliche Name, an den auch die englische Bezeichnung „box“ 
anklingt. 
Einer der besten Belege für die Feststellung einer gewissen Etappe in der 
Entwicklung des Kompasses ist gegeben in einem am 8, August 1269 durch einen 
gewissen Pierre de Maricourt im Lager bei der Belagerung von Luceria durch 
Karl von Anjou geschriebenen, als vertraulich bezeichneten Brief. Aus diesem 
geht hervor, daß damals der in der Mitte im Gleichgewicht schwebende Magnet 
innerhalb einer mit einem Glasdeckel versehenen Dose, deren Rand in 360 Grad 
geteilt war, bekannt war. Eine Pinne besaß der Apparat allerdings noch nicht, 
sondern nur eine durchgehende, im Boden und Deckel gelagerte Achse, die durch 
den Magneten hindurchgesteckt war. Diese sich somit als Bussole kennzeichnende 
Vorrichtung war auf dem Deckel sogar mit einer sich im Kreise drehenden 
Alhidade versehen, auf der spitze Stifte standen, so daß eine Art Peilvorrichtung 
entstand, hauptsächlich wohl für Vermessungs- und astronomische Zwecke (Gruben- 
kompasse, Markscheidungskompasse). Es wird ferner unzweideutig beschrieben 
die 360 Gradteilung einer Schwimmbussole, ebenfalls versehen mit einer Peil- 
vorrichtung. 
Wenn aus diesem Briefe somit hervorgeht, daß die 360-Gradteilung schon 
verhältnismäßig früh im Gebrauch war, so scheint dieser Umstand in Verbindung 
mit einer Peilvorrichtung darauf hinzudeuten, daß der Kompaß damals bereits 
mit einer gewissen Präzision arbeitete, wenigstens an Land, und daß seine etwaigen 
Fehler und vor allem auch die Mißweisung bekannt waren, Die älteren bekannt 
gewordenen Teilungen kennen nur die Strichteilung, d.h. die 8 als Grundform 
lür den Viertelkreis; die Chinesen und Japaner benutzten vielfach die 12, den 
Tierkreis oder andere ihrer Mythologie entlehnte Zahlen bei der Einteilung des 
Kompasses, Desgleichen waren die ersten Peilvorrichtungen nur sehr primitiv, 
häufig in Gestalt einer über der Mitte des Kompasses angebrachten kleinen Blech- 
lahne, die aber auch als Windfahne dienen mochte. Die allerersten Instrumente 
kennen überhaupt keine Peilvorrichtung. 
Eine besondere Bezeichnung der einzelnen Striche, der Kurse, ist bei den 
Älteren europäischen Rosen im Gegensatz zu den chinesischen nicht vorhanden; 
dafür zeigen sie aber reiche, zum Teil hochkünstlerische farbige Ornamentik, 
yon den einfachsten bis zu den schwierigsten Formen, besonders nachdem die 
Verbindung des Magneten mit dem Rosenblatt endgültig eingeführt war; nur die 
acht Haupt- und Zwischenstriche werden häufig durch symbolische Figuren be- 
zeichnet. Das Gewerbe der Hersteller von Bussolen und Kompassen stand in 
hohem Ansehen, vielleicht wegen des für jene Zeit immerhin Geheimnisvollen, 
das schließlich auch noch heute in der Auswirkung magnetischer Kräfte liegt; 
es genoß deshalb auch vielfache Privilegien. Auf den Rosenblättern finden sich 
ferner Abbildungen mit religiösen Motiven (Maria mit Kind) im Mittelstück, 
daneben auch solche mit der Seefahrt entnommenen (Schiffsdarstellungen, blasende
	        
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