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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

114 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926. 
Die Temperaturkurven von der Kurischen Nehrung bringen eine neue Bestätigung 
dafür. Die für die Land- und Seewindbildung hier in Frage kommende Festland- 
küste ist das nordsüdlich verlaufende Haffufer, von dessen nächstem Punkte 
der Predinberg rund 20 km seewärts liegt. Da der Seewind, wie die sein Vor- 
dringen oft kennzeichnende Nebelwand beweist, noch weiter draußen in See ent- 
steht, so kann man sagen, daß in dieser Gegend der Seewind seine Ursprungs- 
stätte in mehr als 20 km Entfernung von der Küste hat, und daß auch der 
Landwind meist ebenfalls über 20.km hinaus auf See weht. So wie wir sehen 
(s. S. 113), daß ein Landwind, der in Memel festgestellt wurde, nicht immer auch 
bis zur Nehrung hinauszudringen vermag, so sehen wir auch umgekehrt, am 11, 
einen Seewind, der bis an die Nehrung vorgedrungen ist, nach den Windauf- 
zeichnungen von Memel das Festland nicht erreichen, nur eine Winddrehung 
macht sich bemerkbar, Unser Schluß (S. 111), daß die Nehrung auf das Vor- 
dringen der periodischen Winde hemmend wirke, bedeutet eine Bestätigung des 
Satzes von Kaiser (l. e. S. 117): „In Neufahrwasser scheinen die Seewinde durch 
die Putziger Nehrung gehindert zu werden; die Seebrise tritt in Neufahrwasser 
um zwei Stunden später auf als an den anderen Stationen, in Rügenwaldermünde 
und Memel tritt die Seebrise früher ein.“ Leider reichten die wenigen Wind- 
aufzeichnungen der Sturmwarnungsstellen an der Festlandküste des Kurischen 
Haffs nicht aus, um eine Verzögerung des Seewindes an diesen Orten gegenüber 
Memel nachweisen zu können. Kaiser glaubt auch (l. ce. S. 161) annehmen zu 
dürfen, daß ebenso der Landwind durch die Landzunge von Hela gehemmt werde 
und hier nicht drei Seemeilen weit aufs Meer wehe. 
Einehäufige Begleiterscheinung des einbrechenden Seewindes ist, wie schon kurz 
erwähnt, ein Mischungsnebel, den man von See herankommen sieht und der für 
einige Zeit die Nehrung einhüllt, und zwar sind es nur immer einzelne Strecken 
der Nehrung, welche vom Nebel betroffen werden. Solche Nebeleinbrüche mit 
Seewind wurden mehrfach beobachtet, besonders am 10. Mai gegen 11h Ym,, etwa 
L1 km südlich Rossitten, Die gleiche Erscheinung erlebte ich bei einem späteren 
Besuche am Strande der Kurischen Nehrung bei Rossitten an einem schönen 
Sommertage (20. VII. 1925) gegen 1» Nm,, als ein von See herkommender Nebel 
etwa 1/, Stunde über dem Strande lag. Von dieser offenbar auf der Kurischen 
Nehrung nicht selten auftretenden Erscheinung geht wohl der bekannte, seit 
Jahrzehnten in Rossitten ansässige Vogelzugforscher, Professor Dr. Thienemann, 
aus, wenn er von der Kurischen Nehrung als dem „Land der Gegensätze“ u, a. 
schreibt!): „Bei schönstem Wetter und Sonnenschein sind wir ausgezogen — da 
umzieht sich plötzlich der Himmel, Seenebel taucht auf, und wir stecken mit 
einem Male wie in einem undurchsichtigen Sacke. Welcher Gegensatz auch in 
den Witterungserscheinungen!“ 
Die Funkbeschickung bei gekrängtem Schiff, 
Von Dr. F, A, Eischer in Kiel. 
In Heft I dieses Jahrganges?) wurde die Funkbeschickung in ihrer Analogie 
mit der Kompaßdeviation abgeleitet und im wesentlichen als Wirkung einer 
Längsschiffs-Stromschleife von induktivem Widerstand erkannt, die als Funktion 
ler Funkseitenpeilung den viertelkreisigen Charakter eines „reinen D“ hat. Im 
Anschluß hieran soll im folgenden der Einfluß einer Schiffskrängung auf den 
Verlauf der Funkbeschickung untersucht werden‘). 
Die Funkstrahlablenkung des ungekrängten Schiffes kann im wesentlichen 
veranschaulicht werden durch eine große induktive Längsschiffsschleife, in deren 
‘) Programmheft für den dritten deutschen Küstensegelflug-Wettbewerb 1925, 5. 26. 
2) Ann. d. Hydr. usw, 1926, S. 13. Prof. Dr. H. Maurer und Dr. F. A, Fischer: „Die vom 
Schiff hervorgerufene Funkfehlweisung und ihre Kompensation.“ 
3) Herrn Ministerialrat Prof. Dr. Maurer bin ich für seine Anregung zu dieser Arbeit und sein 
förderndes Interesse zu großem Dank verpflichtet.
	        
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