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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926.
Landwind verdrängt, und ein se-
kundäres Minimum gegen 5b Nm,,
das offenbar mit dem Übergang
vom Seewind zum Landwind zu-
zammenhängt. Wenn auch nicht
an allen Tagen der periodische
Windwechsel auftrat, so wird doch
bei den durchweg sehr geringen
äradienten die periodische Ver-
schiebung in der Druckverteilung
zwischen Land und See in der
Stärke des Windes zum Ausdruck
gekommen sein. Bei der Kurve
für Memel kommen die für Ros-
sitten gefundenen Eigenarten bei
weitem nicht im gleichen Maße
zum Vorschein; wir können eine
wesentlichere Geschwindigkeits-
verminderung nur gegen 2b Nm.
feststellen, werden allerdings aus
der später gegebenen Tabelle
der mittleren Windrichtungen er-
kennen, daß um diese Stunde auch
eine stärkere Winddrehung zur Richtung des Seewindes vorhanden ist. Jedenfalls
‚äßt auch der vormittägliche Gang der Kurve eine stetige Abnahme des Über-
schusses der Windgeschwindigkeit gegenüber den Königsberger Werten erkennen,
die offenbar verursacht ist durch die Anderung der Druckflächen aus thermischen
Gründen. Das Geschwindigkeitsmaximum hat sich auf 4b Nm. verschoben, wo der
Seewind voll ausgebildet ist. Die mittlere Windgeschwindigkeit auf dem Predin-
berge ist durchweg wesentlich höher als in Königsberg und auch in Memel, was
in der Hauptsache durch die freiere und höhere Lage bedingt ist.
Um nun auch hinsichtlich der Windrichtungen der Land- und Seewind-
erscheinung des Zeitraumes vom 1. bis 15. Mai nachzugehen, wurde, da von
Rossitten keine Registrierungen vorlagen und stündliche Beobachtungen, die auf
dem Predinberge wenigstens tagsüber gemacht wurden, im Gewirr des Abbaues
leider verlorengingen, auf die Aufzeichnungen des Anemographen von Memel
als der nächstgelegenen Küstenstation zurückgegriffen. Dieser Anemograph hat
am 15. ausgesetzt, so daß nur die Tage vom 1. bis 14. herangezogen werden konnten.
Es ist auch fraglich, ob der alte Apparat bei den oft sehr schwachen Winden
zur vollen Stunde gerade die genaue Windrichtung angezeigt hat, daraus würden
sich manche Unregelmäßigkeiten erklären lassen, immerhin läßt das Ergebnis
die allgemeine Brauchbarkeit der Registrierungen erkennen. In der nachstehenden
Tabelle sind die Windrichtungen zu den vollen Stunden in Memel für die Zeit
vom 1. bis 14. Mai ausführlich wiedergegeben, und zwar in Graden, gerechnet
von Nord (= 0) über Ost (= 90). Da die Küste bei Memel nordsüdlich verläuft,
so sind alle Winde mit östlicher Komponente (1°—179°) als Landwinde, solche
mit westlicher Komponente (181°—359“) als Seewinde anzusprechen. Um Land-
und Seewinde in der Tabelle zu unterscheiden, wurden alle Windrichtungen
> 180° fett gedruckt. Außer dem Mittelwert dieser 14 Tage für Memel wurde auch
noch der Mittelwert der Windrichtungen in Königsberg für den gleichen Zeit-
raum an den Schluß der Tabelle gesetzt. Die Tabelle zeigt, daß auch in Memel
während der in Betracht kommenden Zeit an verschiedenen Tagen ein periodischer
Wechsel von Land- und Seewind stattgefunden hat, und zwar deuten die Wind-
richtungen des 2., 5., 7., 9., 10., 12. und 13. darauf hin.
Am 2. Mai haben wir in Memel nur um 1b Nm. und 2% Nm, Wind mit einer
schwachen Seewindkomponente; bei der Betrachtung der Temperaturkurve vom
Predinberge an diesem Tage könnte man meinen, daß dort ein anhaltender Seewind
ron 11h Vm. bis 61/„b Nm. geherrscht habe, jedoch die beobachteten Windrichtungen
Fig. 3. Mittlerer Gang der Windgeschwindigkeit
für die Zeit vom 1. bis 14. Mai 1925.