Mey, A.: Thermogramme von der Kürischen Nehrung.
heiten der Temperaturkurven sehen wir die thermische Auswirkung des Gegen-
spieles von Land- und Seewind,
Als Tageskurven, welche den täglichen Wechsel von Land- und Seewind
besonders schön zeigen, sind die vom 5,, 10. und 15. Mai zu nennen. Alle drei
haben in den Morgenstunden bei Landwind raschen Temperaturanstieg, dessen
scharfer Abbruch am 5, gegen 9b Ym,, am 10. gegen 10!/,h VYm., und am 15. bereits
nach 61/,% Vm. erfolgte, Die Rückkehr des Landwindes, verbunden mit einem
starken Temperäturanstieg, vollzieht sich am 5, und 10. kurz nach 4" Nm., am 15. erst
nach 8h Nm. Die Dauer des Seewindes ist demnach in den beiden ersten Fällen
wesentlich kürzer als im dritten Falle; man wird dies darauf zurückführen können,
daß nach den allgemeinen Wetterlagen am 5, und 10. der Landwind, am 15. der
Seewind die vorherrschende Strömung war, Letzteres war auch der Fall am 9.
und 13,; nach dem Seewindeinbruch kurz vor Mittag des 9,setzt der Landwind
sich erst wieder in den Morgenstunden des 10, durch und am 13. erkennen wir
nur eine ganz kurze, noch umstrittene Herrschaft des Landwindes in den Vor-
mittagstunden.
Das Thermogramm des 13, sowohl wie das vom Nachmittage und Abend des
10, V. zeigen einen lang andauernden Kampf zwischen Land- und Seewind durch
die große Unruhe in ihrem Verlaufe an. Offenbar hat das Grenzgebiet zwischen
Land- und Seeluft sich lange in der Gegend der Nehrung befunden, Ebenso
scheint die Kurve vom 11. V, durch ihre Unruhe in den Mittagsstunden darzu-
stellen, daß an diesem Tage der Seewind nicht weiter als bis zur Nehrung vor-
zudringen vermochte und sich gerade hier mit dem Landwinde um die Herrschaft
stritt. Die Kurven vom 11. und 13, sind gewissermaßen Gegenstücke, indem im
ersten Falle der Seewind, im anderen der Landwind der schwächere Angreifer
war. Endlich zeigen auch die ganz kurzen und sprunghaften Temperaturanstiege
um 6h Nm, und 10% Nm, des 12, Mai, daß trotz des starken Temperaturrückganges
am Nachmittage des 12, der einen Temperaturumschlag einleitete, die Landluft
am Abend noch nicht weit zurückgedrängt sein konnte, Man wird durch diese
Kurven darauf hingewiesen, daß, wenn die Kurische Nehrung als schmale, dem
Festlande vorgelagerte Landzunge auch keinen Einfluß auf die Entstehung der
periodischen. Land- und Seewinde hat, sie doch anderseits, besonders auch durch
ihre Erhebung in den Dünenzügen, auf das Vordringen des See- und des Land-
windes stark hemmend wirkt.
In den Fällen, wo diese Hemmung 8o weit geht, daß die Nehrung für längere
Zeit zum Grenzgebiete zwischen Land- und Seewind wird, haben wir alsdann die
größte Unruhe der Temperaturkurve. Auch die Windstärke zeigt dann große
Schwankungen, Die leider sehr lückenhaften Windregistrierungen lassen uns dies
für den 10. Mai, an dem der Anemograph durchweg schrieb, sehr schön zeigen. In
der Fig. 2 (Tafel 10) ist der Gang der Windgeschwindigkeit nach Viertelstundenmitteln
dargestellt, darüber eine vergrößerte Wiedergabe der Temperaturkurve dieses
Tages, Der Vergleich beider Kurven zeigt eine sehr: weitgehende Überein-
stimmung in dem Sinne, daß mit dem Temperaturanstieg eine Windabnahme, mit
dem Temperaturfall ein Anschwellen des Windes verbunden ist.
Die Windgeschwindigkeit konnte, wie schon erwähnt, nur lückenhaft registriert
werden, immerhin wurde der Versuch gemacht, aus den vorhandenen Stunden-
mitteln der Tage vom 1. bis 14. Mai Mittelwerte für den ganzen Zeitraum nach
der Differenzenmethode zu bilden. Die erhaltenen Werte, die sich übrigens un-
wesentlich ron denen unterscheiden, die man erhielt, indem die für die einzelnen
Stunden vorhandenen Werte einfach gemittelt wurden, ergaben die in Fig, 3 dar-
gestellte Kurve des täglichen Ganges der Windgeschwindigkeit, Vergleichsweise
sind noch die entsprechenden Kurven von Königsberg und Memel nach den dort
aufgestellten Anemographen beigefügt. Gegenüber der Königsberger Kurve, die
einen sehr regelmäßigen Gang mit einem Windmazximum um 2b Nm, und einem
Hauptminimum zwischen 5 und 6b Vm, aufweist, erscheint die Kurve vom Predinberge
wesentlich anders geartet, Wir erkennen bei dieser zwar auch ein mittägliches
Maximum und ein nächtliches Minimum, aber es macht sich ein zweites, bedeuten.
deres Minimum um 11% Ym, bemerkbar, also um die Zeit, da der Seewind den
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