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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Mey, A.: Thermogramme von der Kürischen Nehrung. 
heiten der Temperaturkurven sehen wir die thermische Auswirkung des Gegen- 
spieles von Land- und Seewind, 
Als Tageskurven, welche den täglichen Wechsel von Land- und Seewind 
besonders schön zeigen, sind die vom 5,, 10. und 15. Mai zu nennen. Alle drei 
haben in den Morgenstunden bei Landwind raschen Temperaturanstieg, dessen 
scharfer Abbruch am 5, gegen 9b Ym,, am 10. gegen 10!/,h VYm., und am 15. bereits 
nach 61/,% Vm. erfolgte, Die Rückkehr des Landwindes, verbunden mit einem 
starken Temperäturanstieg, vollzieht sich am 5, und 10. kurz nach 4" Nm., am 15. erst 
nach 8h Nm. Die Dauer des Seewindes ist demnach in den beiden ersten Fällen 
wesentlich kürzer als im dritten Falle; man wird dies darauf zurückführen können, 
daß nach den allgemeinen Wetterlagen am 5, und 10. der Landwind, am 15. der 
Seewind die vorherrschende Strömung war, Letzteres war auch der Fall am 9. 
und 13,; nach dem Seewindeinbruch kurz vor Mittag des 9,setzt der Landwind 
sich erst wieder in den Morgenstunden des 10, durch und am 13. erkennen wir 
nur eine ganz kurze, noch umstrittene Herrschaft des Landwindes in den Vor- 
mittagstunden. 
Das Thermogramm des 13, sowohl wie das vom Nachmittage und Abend des 
10, V. zeigen einen lang andauernden Kampf zwischen Land- und Seewind durch 
die große Unruhe in ihrem Verlaufe an. Offenbar hat das Grenzgebiet zwischen 
Land- und Seeluft sich lange in der Gegend der Nehrung befunden, Ebenso 
scheint die Kurve vom 11. V, durch ihre Unruhe in den Mittagsstunden darzu- 
stellen, daß an diesem Tage der Seewind nicht weiter als bis zur Nehrung vor- 
zudringen vermochte und sich gerade hier mit dem Landwinde um die Herrschaft 
stritt. Die Kurven vom 11. und 13, sind gewissermaßen Gegenstücke, indem im 
ersten Falle der Seewind, im anderen der Landwind der schwächere Angreifer 
war. Endlich zeigen auch die ganz kurzen und sprunghaften Temperaturanstiege 
um 6h Nm, und 10% Nm, des 12, Mai, daß trotz des starken Temperaturrückganges 
am Nachmittage des 12, der einen Temperaturumschlag einleitete, die Landluft 
am Abend noch nicht weit zurückgedrängt sein konnte, Man wird durch diese 
Kurven darauf hingewiesen, daß, wenn die Kurische Nehrung als schmale, dem 
Festlande vorgelagerte Landzunge auch keinen Einfluß auf die Entstehung der 
periodischen. Land- und Seewinde hat, sie doch anderseits, besonders auch durch 
ihre Erhebung in den Dünenzügen, auf das Vordringen des See- und des Land- 
windes stark hemmend wirkt. 
In den Fällen, wo diese Hemmung 8o weit geht, daß die Nehrung für längere 
Zeit zum Grenzgebiete zwischen Land- und Seewind wird, haben wir alsdann die 
größte Unruhe der Temperaturkurve. Auch die Windstärke zeigt dann große 
Schwankungen, Die leider sehr lückenhaften Windregistrierungen lassen uns dies 
für den 10. Mai, an dem der Anemograph durchweg schrieb, sehr schön zeigen. In 
der Fig. 2 (Tafel 10) ist der Gang der Windgeschwindigkeit nach Viertelstundenmitteln 
dargestellt, darüber eine vergrößerte Wiedergabe der Temperaturkurve dieses 
Tages, Der Vergleich beider Kurven zeigt eine sehr: weitgehende Überein- 
stimmung in dem Sinne, daß mit dem Temperaturanstieg eine Windabnahme, mit 
dem Temperaturfall ein Anschwellen des Windes verbunden ist. 
Die Windgeschwindigkeit konnte, wie schon erwähnt, nur lückenhaft registriert 
werden, immerhin wurde der Versuch gemacht, aus den vorhandenen Stunden- 
mitteln der Tage vom 1. bis 14. Mai Mittelwerte für den ganzen Zeitraum nach 
der Differenzenmethode zu bilden. Die erhaltenen Werte, die sich übrigens un- 
wesentlich ron denen unterscheiden, die man erhielt, indem die für die einzelnen 
Stunden vorhandenen Werte einfach gemittelt wurden, ergaben die in Fig, 3 dar- 
gestellte Kurve des täglichen Ganges der Windgeschwindigkeit, Vergleichsweise 
sind noch die entsprechenden Kurven von Königsberg und Memel nach den dort 
aufgestellten Anemographen beigefügt. Gegenüber der Königsberger Kurve, die 
einen sehr regelmäßigen Gang mit einem Windmazximum um 2b Nm, und einem 
Hauptminimum zwischen 5 und 6b Vm, aufweist, erscheint die Kurve vom Predinberge 
wesentlich anders geartet, Wir erkennen bei dieser zwar auch ein mittägliches 
Maximum und ein nächtliches Minimum, aber es macht sich ein zweites, bedeuten. 
deres Minimum um 11% Ym, bemerkbar, also um die Zeit, da der Seewind den 
111
	        
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