Myrbach, O.: Das Atmen der Atmosphäre unter kosmischen Einflüssen, 105
Dieses außerordentlich komplizierte Zusammenspiel von allerhand
Wellenarten erzeugt die Witterungsperioden der gemäßigten Breiten,
Selbstverständlich ergibt sich die Notwendigkeit, diese Untersuchung nicht
nur auch auf die zweite Jahreshälfte, sondern auf möglichst viele Jahre auszu-
dehnen. Die Lösung des zweiten Teiles dieser Aufgabe wurde inzwischen von
Franz Baur in der eingangs erwähnten Untersuchung in Angriff genommen,
Er behandelt dort an Hand der Monatsmittel die „Normalschwankungen“ der
Atmosphäre, Damit ist ein notwendiger und dankenswerter Schritt zur Er-
forschung der atmosphärischen Atmung getan. Daß er noch nicht genügt, um
einen Einblick in das wirkliche Getriebe der Wetterrhythmen zu erschließen,
weil die Natur sich nicht um die willkürliche Einteilung in Monate kümmert,
empfindet Baur selbst und kündigt darum das Studium der „Abweichungen“
von’ den gefundenen Normalschwankungen an. Sollte er dabei die Abweichungen
des Einzelmonats vom langjährigen Mittel im Auge haben, so meine ich, daß auch
diese Methode wieder nur fiktive Vorgänge erschließen wird, denn der Übergang
von der mittleren Luftdruckverteilung eines Monats zu der mittleren des folgenden
ist ein fiktiver Vorgang, eine Differenzenbildung zwischen den wirklichen Druck-
schwankungen, Man vergegenwärtige sich, was ich erhalten hätte, wenn ich in
Tafel 3 die Abteilung der Termine nach Monaten vorgenommen hätte, Die
größten Schwankungen könnten dadurch verschwinden oder doch auf ein Minimum
herabsinken, Keinesfalls ließen sich aber die Folgerungen über die Länge der
Atmungsrhythmen und die kosmischen Einflüsse auf den Atmungsablauf, die ich
in den folgenden Teilen der Untersuchung gezogen habe, aus einer Betrachtung
yon Monatsmitteln ableiten. So glaube ich, daß sich die Arbeiten von Baur und
mir in vorteilhafter Weise gegenseitig ergänzen. Ich würde es mit großer Freude
begrüßen, wenn er meine Methode, vom Einzelvorgang auszugehen, versuchen
und auf andere Jahre anwenden würde, Da ich über keinerlei Hilfskräfte ver-
füge, wird mir die Durchführung dieser Arbeit nicht möglich sein, und ich muß
mich damit begnügen, hier die Anregung dazu gegeben zu haben.
4. Stabilität der Großwetterlagen.
Es ist schr wahrscheinlich, daß sich die Atmung nicht immer in der —
schematisch entworfenen — Aufeinanderfolge der Phasen abspielt, sondern auch
zwei oder mehr schematische Phasen gleichzeitig auftretend zu einer wirklichen
verschmelzen. Dann kann periodenlang Gleichgewicht zwischen Luftzu- und
Luftabfuhr bestehen, und die Großwetterlage bleibt ebensolange unverändert.
Die Überführung des stabilen in das labile Gleichgewicht findet dann erst gegen
Ende solcher langdauernden Wetterperioden statt; der folgende Umsturz wirkt
um so schroffer, je kürzer die Übergangszeit war, ;
Der folgende Teil der vorliegenden Arbeit wird sich mit der Länge der
Atmungsrhythmen, auf die bisher nicht eingegangen wurde, befassen.
Thermogramme von der Kurischen Nehrung.
Ein Beitrag zur Kenntnis der Land- und Seewinderscheinung.
Von A. Mey, Königsberg 1 Pr,
(Hierzu Tafel 10 mit Figuren 1 und 2.}
Während des 3, Küsten-Segelflugwettbewerbes, der in der ersten Maihälfte 1925
auf der Kurischen Nehrung nördlich vom Fischerdorf Rossitten stattfand, hatte
die Wetterwarte Königsberg auf der Höhe des Predinberges — d, i. die südlichste
Erhebung des von da bis zum Fischerdorfe Pilikoppen auf etwa 5 km entlang
der Haffseite der Nehrung sich erstreckenden Zuges von Wanderdünen — eine
englische Hütte aufgestellt, in der u. a. ein Thermograph untergebracht war.
Die Höhe der Dünenkuppe über der Ostsee beträgt rund 50m, der Thermograph
stand etwa 2m über der Dünenoberfläche. An der englischen Hütte war auch
noch ein auf einer Stange befestigtes, das Hüttendach um rund 1 m überragendes