Myrbach, 0,: Das Atmen der Atmosphäre unter kosmischen Einflüssen. 101
Wo die Kontinente weit nach Süden reichen (Afrika und Indien), greift tiefer
Druck vom Kalmengürtel auf die Nordhalbkugel über, weil die Kontinente auch
von Süden her Luft angesaugt haben.
B/c. Die Ausstrahlungszentren der Kontinente erreichen in diesem Stadium
ihre tiefste Temperatur und ihren höchsten Druck, In Alaska fällt der Druck
bereits, weil die Auffüllung des Polarbeckens auch aus dem Stillen Ozean
begonnen hat. Gleichzeitig steigt hier die Temperatur, also ist der Druckfall
thermisch infolge Zufuhr wärmerer Luft aus dem Süden, Auch aus den mittleren
Breiten des Atlantischen Ozeans wird Luft angesaugt. Starker Druckanstieg über
dem Nordkap geht Hand in Hand mit gleichzeitigem Temperaturanstieg in Spitz-
bergen; unten führen die Südweststürme auf der Vorderseite der tiefen islän-
dischen Depression warme Luft zu; der Druckanstieg über dem Nordkap ist also
sicher nicht in einfacher Weise thermisch zu erklären. Die kontinentalen Aus-
strahlungsgebiete saugen noch weiter, das eurasische Steiggebiet hat sich nord-
wärts verschoben. .
B/c entspricht ganz der schematischen Phase B, Die Temperatur in den
Ausstrahlungsgebieten fällt — wenigstens nach der ausgeglichenen Kurve, die
freilich für so kurze Intervalle täuschen kann — nicht mehr merklich, Trotz-
dem steigt der Druck in den schon ausgebildeten Antizyklonen. Das heißt: die
Luft strömt in der Höhe zu, wie in der schematischen Phase A angenommen,
C/b. 11.Februar, Der Einatmungsgürtel hat auf Kosten der nordozeanischen
Depressionen seine stärkste Ausbildung, die Temperatur auf den Kontinenten ihr
Minimum erreicht, .
C/c. Fast im ganzen Gebiete des Einatmungsgürtels fällt der Druck, Der
gleichzeitige Temperaturanstieg in den Ausstrahlungsgebieten ist wahrscheinlich
auf antizyklonales Absinken der Luft zurückzuführen, ohne welches die Temperatur
infolge erreichten Strahlungsgleichgewichts noch längere Zeit auf ihrem tiefsten
Stand verharren würde; die Jahreszeit ist noch nicht so weit vorgeschritten, um
den starken Anstieg der Temperatur durch Zunahme der Einstrahlung einleuchtend
erklären zu können. ;
U/e ist in voller Übereinstimmung mit der schematischen Phase (C). Während
in den Ausstrahlungsgebieten im Winter starke Temperaturumkehr mit der Höhe
besteht, so daß die absinkende Luft auch, abgesehen von der adiabatischen
Erwärmung, potentiell wärmere Luft zu Boden bringt, nimmt die Temperatur
innerhalb des Polarkreises mit der Höhe wahrscheinlich sehr rasch ab; das
vertikale Gleichgewicht ist labil geworden, Die absteigende Luftbewegung auf
den Kontinenten greift auf den Pol über und bereitet die nächste Phase vor.
D/b. 21. Februar. Das isländische Minimum ist unverändert, das Aleuten-
Minimum vertieft, der Einatmungsgürtel geschwächt; der dynamische Roßbreiten-
gürtel hat sich um die zwei Hauptdepressionen als Brennpunkte geschlossen.
Die Schwächung des Einatmungsgürtels über der Behringstraße erklärt sich durch
Advektion warmer Luft in den beiden großen Zyklonen aus dem Süden, Alaska
und Spitzbergen erreichen ein Maximum der Temperatur. Durch diese andauernde
Zufuhr warmer Bodenluft wird am Pol die Schwelle des labilen Vertikalgleich-
gewichts überschritten: die unterkühlte Luft der Höhe stürzt herab und leitet
den polaren Kälteausbruch ein.
D/c. Diese Isallobarenkarte zeigt das prachtvolle Schauspiel des Kälte-
ausbruchs in vollem Gange, In drei mächtigen Zungen strömt die kalte Luft —
gespeist durch Zufuhr aus der Höhe — nach dem Süden. Durch die Druck:
verteilung sind zunächst zwei Stellen verminderten Widerstands als Ausbruchs-
pforten vorgezeichnet: die Nordwestseiten der beiden großen ozeanischen Zyklonen
über Grönland und über der Tschuktschen-Halbinsel. Besonders. interessant,
namentlich für unsere europäischen Verhältnisse, ist die dritte Zunge, Ihre
Richtung läuft dem Gradienten der ausgeglichenen Wetterlage (D/b) zuwider.
Die Original-Isobarenkarte (D/a) zeigt aber, daß sich von der isländischen
Depression ein sekundäres Tief abgelöst und den Ural überschritten hat. Dieser
Zyklonenbazillus („Störung“ im oben definierten Sinne) genügt, um den eurasischen
Kälteeinbruch in Szene zu setzen,
Ann. d. Hydr. usw. 1028, Hait III.