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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

98 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926, 
müssen rhythmisch erfolgen, auch wenn die innere Reibung aller Stürme genügen 
würde, um die lebendige Kraft im Moment des erreichten Gleichgewichts zu 
vernichten. . 
Wir können jetzt dazu übergehen, das hypothetische Atmungsschema an den 
Tatsachen nachzuprüfen. 
2, Eine Stichprobe auf die Brauchbarkeit des hypothetischen Atmungsschemas, 
Als Zeitraum für die Nachprüfung wurde das erste Halbjahr 1914 gewählt, 
weil Amerika gerade für dieses Semester Wetterkarten der Nordhalbkugel heraus- 
gab. Durch deren Verwendung konnte das mühsame Heraussuchen der Daten 
aus den Wetterkarten der einzelnen Länder auf die zur Auffüllung des Netzes 
notwendigen Ergänzungen beschränkt werden. Verwendet wurden die Meldungen 
folgender 47 Stationen der Nordhalbkugel, auf welche die Untersuchung beschränkt 
wurde: Cuxhaven, Odessa, Astrachan, Taschkent, Tomsk, Irkutsk, Nertschinsk, 
Jakutsk, Nemuro, Jaipur, Kalkutta, Madras, Schanghai, Manila, Havanna, Honoluh, 
Dutch Harbour (Aleuten), Nome, Tanana, Sitka, Spokane, S. Francisco, Eagle, 
Edmonton, Winnipeg, Toronto, St, Johns, Lincoln, Galveston, Nasheville, Washing- 
ton, Bermuda, Petersburg, Moskau, Upernivik, Ivigtut, Spitzbergen, Jekaterinburg, 
Vardö, Seydisfjord, Thorshaven, Valentia, Lissabon, Horta, Alexandria, Wadi Halfa 
und Mongalla, 
Um die „Störungen“ der Großwetterlage durch wandernde Zyklonen von der 
Untersuchung auszuschließen, wurde der Luftdruckverlauf jeder Station durch 
übergreifende Summierung und Mittelbildung über 20 aufeinanderfolgende Morgen- 
beobachtungen ausgeglichen. Diese Methode der Ausgleichung durch übergreifende 
Summenbildung ist — glaube ich — für derartige Untersuchungen unentbehrlich, 
weil sie-doch eine wesentlich bessere Struktur des Verlaufes bietet als die ganz 
vyerwaschenen Mittel aneinandergrenzender Zeitabschnitte, wie Dekadenwerte, 
Die so erhaltenen Luftdruckkurren sind in Tafel 3, Bild 1, eingetragen, Die 
Kurve von Horta kommt zweimal vor, um einerseits ihre Ähnlichkeit mit San 
Francisco, andererseits: mit Lissabon und ihre Gegensätzlichkeit zu der von 
Valentia und Thorshaven zu zeigen. Als Zeiteinheit dient 1 Tag gleich 1 Milli- 
meter, als Druckeinheit 1 Millibar gleich 1 Millimeter. Die Kurven zeigen an 
sich schon sehr viel Bemerkenswertes, Ich kann bei ihrer Diskussion nicht den 
ganzen Gehalt an beachtenswerten Tatsachen ausschöpfen, nur einiges Wichtige 
sei hervorgehoben, 
Wenn wir nach Hanns meteorologischem Atlas für die Nordhalbkugel die 
Druckdifferenzen zwischen der Juli- und Jännerkarte bilden, so erhalten wir vom 
Winter zum Sommer einen Anstieg über dem Nordatlantischen und Nordpazifischen 
Ozean (Island und Aleuten), und einen geringen Anstieg über den tropischen 
Meeren, dagegen einen allgemeinen Fall über der ganzen übrigen Halbkugel, 
dessen Mittelpunkt (Fall um 24 mm} über Asien liegt. Nur eine schmale Zunge 
des Fallgebietes greift über die Beringsstraße hinweg nach Nordamerika, dessen 
zentraler Fall 7 mm beträgt. 
Wäre nun meine Annahme 1 falsch, so müßten diese Druckänderungen in 
den ausgeglichenen Kurven zum Ausdruck kommen: die sibirischen Stationen 
müßten einen dauernden Fall, Island und die Aleuten einen dauernden Anstieg 
aufweisen. Irkutsk, Nertschinsk und Jakutsk zeigen zwar den erwarteten Fall, 
aber die auf eine fallende Linie aufgesetzten Wellen beweisen wieder, daß der 
Übergang nicht stetig, sondern rhythmisch erfolgt. Auch Seydisfjord zeigt den 
erwarteten Anstieg, — ebenfalls mit aufgesetzten Wellen, Dutch Harbour, die 
Vertreterin des Nordpazifischen Ozeans, zeigt dagegen keine wesentliche Stand- 
änderung vom Jänner bis Juni, dazwischen aber eine gewaltige Welle. Dem 
Takt der Aleuten schließen sich in rein rhythmischem Verlauf die amerikanischen 
Stationen Eagle, Winnipeg und Bermuda an. Honolulu in den Tropen macht die 
kompensierende Schwingung: wenn die hohen Breiten Luft brauchen, wird sie 
den Tropen entzogen, 
Eine ähnliche Kompensationsschwingung, aber mit viel längerer Schwingungs- 
dauer, sehen wir diesseits des Poles zwischen dem polaren Spitzbergen und dem
	        
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