Recum, Frhr, v.: Die Deutsche Atlant, Expedit, anf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“. 91
Als Schallempfänger dient eine in die Bordwand eingelassene abgestimmte
Membran, die mit der Schiffshaut glatt abschließen muß, damit das Wasser mög-
lichst ohne jede Turbulenz vorbeifließen kann, Die Membran ist mit einem
Kohlemikrophon verbunden. Kommen die Schallwellen vom Meeresboden zurück,
so treffen sie auf die Membran, die dann in Schwingungen gerät und diese auf
das Mikrophon überträgt. Dessen Kohlekörnchen werden durch die Schwingungen
erschüttert und der durchfließende elektrische Strom unterliegt denselben Schwan-
kungen, so daß hierdurch die Schallwellen in einem Telephon oder elektrischen
Relais kenntlich gemacht werden können.
Beide Echolotsysteme bestehen aus der Senderanlage, der Empfangsanlage
und dem Anzeigeapparat,
Die Signallotanlage. Das Signallot benutzt einen unpolarisierten Signal.
Magnetsender von 700 Watt Leistung, der im vorderen Drittel des Schiffes im
Schiffsboden so eingebaut ist, daß die Membran mit der Außenhaut abschneidet.
Ein Umformer, der in einem besonderen Raum unter Deck untergebracht ist und
von der Schalttafel im Echolotraum, der sich auf „Meteor“ als Versuchsanlage
unter der Brücke befindet, angelassen wird, erzeugt den für den Sender be-
nötigten Wechselstrom,
Die Empfangsaniage besteht aus mehreren Gruppen von je einem Flansch-
empfänger für jede Seite, die möglichst tief unter der Wasserlinie im Vorschiff
mit der Membran in die Bordwand eingelassen sind. Durch einen Flansch ist
die Membran an der Außenhaut befestigt. Die Empfänger sind so eingerichtet,
daß die Mikrophone bei Verbrauch ausgewechselt werden können, ohne daß ein
Docken notwendig wird. Von den Empfängern führen die Kabelleitungen über
einen Gruppenwahlschalter zum Anzeigeapparat im Echolotraum.
Im Anzeigeapparat des Signallots befindet sich ein kleiner Motor, der mit
regulierbarer Geschwindigkeit einen Kontaktarm in Umdrehung versetzt. Dieser
betätigt den Sender bei jeder Umdrehung beim Durchlaufen des Nullpunkts der
Skala für einen kurzen Impuls. Die Messung des Zeitintervalls von der Aus-
sendung des Schalls bis zu seiner Rückkehr vom Meeresboden erfolgt nun durch
Vergleich mit der Zeit, den der Kontaktarm zur Zurücklegung des Weges bis
zu der Stellung benötigt, wo das Echo eintrifft. Um die jeweilige Stellung des
Kontaktarmes beim Eintreffen des Echos und damit die Messung der Laufzeit
festlegen zu können, ist das Empfangstelephon so mit dem rotierenden Kontakt-
arm geschaltet, daß dieser jedesmal beim Vorbeilauf einen durch einen Dreh-
knopf auf einer Skala verstellbaren Schalter betätigt, der das Empfangstelephon,
Aas für gewöhnlich kurzgeschlossen ist, einen Augenblick öffnet. Trifft in diesem
Moment der Schall des zurückkehrenden Echos das Mikrophon, so kann man im
Telephon das Echo hören und die Tiefe auf der von 0 bis 1000 m geteilten Skala
an der Stellung des Drehknopfes ablesen.
Da das Telephon bei jeder Umdrehung nur auf einen schmalen Bereich von
etwa 10 Skalenteilen, d. i. 10 m Wassertiefe, eingeschaltet wird, liegt die Meß-
genauigkeit bei jeder Tiefe in dieser Grenze. Doch sei hier gleich bemerkt, daß
man mit dem Signallot Tiefen unter 50m nicht messen kann, da die Echo-
laufzeit dann unter 0.068 sec. beträgt und die Empfänger bei der Rückkehr des
Echos in dieser kurzen Zeit von der Erregung durch den Sendeton noch nicht
abgeklungen sind, so daß man mit dem Ohr den Sendeton nicht vom Echo aus-
einanderhalten kann.
Die Aussendung des Sendetons erfolgt in regelmäßigen Zeitabständen, die
einer Wassertiefe von 1000 m bei v = 1470 m/sec, entsprechen. Für größere
Tiefen wird ein sogenannter Tiefenschalter betätigt, der nur bei jeder neunten
Umdrehung des Kontaktarmes, was einer Gesamtwassertiefe von 9000 m, dem
größten Meßbereich des Apparates, entspricht, einen Schall aussendet. Durch den
Tiefenschalter wird ein zweiter Kurzschlußkontakt des Telephons blockiert; der
Kurzschluß wird dann je nach Stellung des Kontaktarmes für ein bestimmtes
Tausend Wassermeter aufgehoben.
Um jedoch bei größeren Tiefen ein längeres Absuchen mit dem Tiefenschalter
zu vermeiden, ist im Sendestromkreis eine Morsetaste und im Telephonstromkreis