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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926.
stehenden Zeit stellt es eine hervorragende Leistung des Konstrukteurs, des
Ingenieurs B. Settegast, dar.
Ferner konnten die Atlaswerke in Bremen im Verein mit der Submarine
Signal Corporation in Boston ein weiteres Echolot liefern, das bei Erpro-
bungen gute Erfolge erzielt hatte. Um auch das „Atlaslot“ in Amerika „Fatho-
meter“ genannt, unserer wissenschaftlichen Forschung nutzbar zu machen, wurde
es in Auftrag gegeben und im März 1925 auf „Meteor“ eingebaut.
Grundgedanke der Echolote. Die beiden Lotapparate, das „Signallot“ wie
auch das „Atlaslot“ arbeiten beide nach demselben einfachen Prinzip, nämlich
der Messung der Zeit, die der Schall zur Zurücklegung des Weges vom Schiff
bis zum Meeresboden und zurück braucht. In bestimmten Abständen werden
mit einem elektrischen Sender Schallwellen im Wasser erzeugt, die sich nach
allen Richtungen mit einer bekannten Geschwindigkeit von etwa 1490 m/sec,
fortpflanzen. Ein Teil der Schallwellen erreicht den Meeresboden, wird dort
reflektiert und geht als Echo an die Meeresoberfläche zurück, wo dies mit einer
glektrischen Empfangseinrichtung wahrgenommen werden kann, Die Meeres-
tiefe (h) errechnet sich, da die Schallgeschwindigkeit (v) im Wasser bekannt ist,
aus der Zeit (t), die zwischen der Aussendung des Schalles und der Rückkehr
des Echos liegt. Es ist also: AM d.h. die Meerestiefe ist gleich dem Produkt
der Schallaufzeit mit der Schallgeschwindigkeit dividiert durch 2, da der Schall
den Weg vom Schiff zum Grund zweimal zurücklegt. Hierbei wird bei der Skala
der Apparate für die Schallgeschwindigkeit ein mittlerer Wert angenommen
(Signallot v = 1470 m/sec., Atlaslot v = 1490 m/sec.). Für die einzelnen Meeres-
gebiete muß man, um exakte Messungen zu erhalten, eine kleine Verbesserung
anbringen, da die Schallgeschwindigkeit sich mit der Temperatur, dem Salzgehalt
und dem Wasserdruck ändert ®).
Auch infolge der Bodenneigung kann das Echolot etwas zu kleine Tiefen
angeben, ein Fall, der jedoch nur bei starken Böschungswinkeln eintreten und
für die Praxis nur selten in Frage kommen wird *),
Über die ausgesandten Schallwellen ist noch allgemein zu bemerken, daß sie
einmal sehr stark sein müssen, damit aus großen Tiefen ein gut hörbares Echo
gewonnen werden kann. Zweitens muß der ausgesandte Ton möglichst kurz sein,
damit nicht bei geringen Tiefen der ausgehende Schall das schon zurückkommende
Echo im Empfangsmikrophon übertönt. Schließlich muß der Ton eine besondere
Kennung haben, damit man ihn bzw. sein Echo aus den übrigen Schiffsgeräuschen,
die durch das Schiff selbst oder durch den Seegang entstehen, gut heraushören
kann. Als Schallgeber für die Erzeugung des Echos werden beim Signal- und
Atlaslot Elektromagnetsender verwandt, bei denen die Schallwellen durch
Schwingungen einer Schallplatte, der Membran, erzeugt werden. Der nach außen
vollkommen abgeschlossene Sender enthält in seinem Innern ein mit Wechsel-
strom gespeistes elektromagnetisches System, das die Membran durch Anziehen
und Abstoßen eines Ankers in Schwingungen versetzt. Die Schwingungszahl
ist abhängig von dem Magnetisierungswechsel. Man unterscheidet sogenannte
polarisierte Sender, das sind Sender mit Gleichstromerregung, und unpolarisierte
Sender, solche ohne Gleichstromerregung. Bei den letzteren ist die Schwingungs-
zahl des Ankers doppelt so groß wie die Periodenzahl des Wechselstroms, während
bei den ersteren die Perioden von Wechselstrom und Schwingungszahl des Ankers
gleich sind. Die Eigenschwingungszahl der Membran im Wasser wählt man zu
1050 Schwingungen in der Sekunde. Diese Tonhöhe unterscheidet sich gut von
den durch die See und das Schiff erzeugten Nebengeräuschen im Wasser. Um
bei beiden Senderarten gleiche Schwingungszahlen zu erzielen, muß die Frequenz
des Umformers beim polarisierten Sender doppelt sö hoch sein. Zur Erzeugung
des Wechselstroms benötigt man deshalb beim unpolarisierten Sender einen Um-
former mit etwa 500 Perioden und beim polarisierten Sender einen mit 1050 Perioden,
.3) Vgl. A. Schumacher, 1 Bemerkungen und Hilfsmittel zur akustischen
Tiefenmessung, Ann. d. Hydr, 1924, S, 67 ff.
4) Vgl. H. Maurer, Über Echolotungen der Nordamerikanischen Marine. Ann. d. Hydr. 1924, 8, 84,