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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1892.
In beiden Jahreshälften ergiebt sich für stürmische Bora bei niederem
Luftdruck geringere Temperatur, gröfsere Bewölkung, stärkere Regenmenge und
gröfsere Wahrscheinlichkeit für einen Niederschlag als bei hohem Barometerstand.
in vorstehender Tabelle sind die Maxima der stündlichen Wind-
geschwindigkeiten von Juli 1882 bis Ende 1891 zusammengestellt. Diese
gröfsten Windgeschwindigkeiten kommen in erster Linie der Richtung NE zu
und zwar mit 88,6 °%,, auf Ost entfallen 9,6 ° und auf SW 1,8%. Die gröfste
Windstärke war in der Richtung NE mit 112 km pro Stunde oder 31,1 m pro
Sekunde zu verzeichnen und zwar am 4. März 1883 um 11* Vormittags. Das
Mittel der Jahresmaxima (1883 — 1891) beträgt 105,3 km pro Stunde oder 29,25 m
pro Sekunde. Die Monatsmittel der gröfßsten Windgeschwindigkeiten ergeben
einen ähnlichen jährlichen Gang wie die allgemeine mittlere Windgeschwindig-
keit und wie die stürmische Bora, mit einem Maximum im Januar und einem Minimum
im Juni.
Der neue Hafen von Leixöes bei Oporto, Portugal.
Hierzu Tafel 7.
Die diesem Hefte beiliegende Tafel zeigt die Lage und die Tiefenverhält-
nisse dieses neuen Hafens nach einer grofsen, dem „Commercio do Porto“ bei-
gegebenen Karte, welche auf den Aufnahmen der portugiesischen Regierung im
April 1892 beruht. Die Tiefenangaben (in m) beziehen sich auf das tiefste
Niedrigwasser oder EHE 1,9m unter dem mittleren Wasserstande. Die
Fluthhöhe beträgt bei Springtide im Maximum 3,80 m, im Minimum 2,20 m, bei
Nipptide 2,30 m im Maximum, 0,70 m im Minimum,
Die Natur des Meeresbodens ist in der Karte durch die Buchstaben
Sd = Sand, Sk = Schlick und fls = felsig angegeben.
Der Hafen von Leixöes ist in diesem Jahre von den Unternehmern Dau-
derny, Duparchy & Co. vollendet und der Regierung übergeben worden.
Der erste transatlantische Dampfer, die „Elbe“ von der „Royal Mail Steam
Packet Company“, kam am 1. März 1891 in den Hafen. Seit diesem Tage ist
der neue Hafen von Dampfern mehrerer transatlantischer Linien frequentirt
worden, und es ist der Beweis geliefert, dafs die gröfsten Schiffe mit Sicherheit
bei jeder Tide in den Hafen hereinkommen können,
Es wird beabsichtigt, Kajen zu erbauen, welche den Schiffen gestatten,
direkt in Eisenbahnzüge umzuladen, die den Hafen mit Porto und weiter mit
dem Eisenbahnnetz von Portugal, Spanien u. s. w. verbinden. Freilager sollen
ebenfalls errichtet werden für die Lagerung von Waaren zum Export.
Der Leuchtthurm zu Foz („Pharol da Luz“) liegt etwa 2750 m (1'/s Sm)
südlich vom Eingang in den neuen Hafen. Das Licht ist ein weifses dioptrisches
vierter Ordnung, mit einem Blink in jeder Minute; es befindet sich 51,7 m über
Hochwasser und ist etwa 18 Sm weit sichtbar. Die geographische Lage dieses
Feuers ist 41° 9 10“ N-Br und 8° 40‘ 35” W-Lg v. Gr.
Beschreibung der Nordküste von Formosa. )
Von Steuermann G. EISMANN, Oldenburg.
Veranlassung zu der folgenden Küstenbeschreibung gaben mir die häufigen
Klagen von Seeleuten, die diese Gegend befahren mulfsten. Ich hatte als erster
Offizier des Kaiserlich chinesischen Transport- und Telegraphendampfers „Fee
Cheu“ die beste Gelegenheit, Formosa und speciell die Nordküste gründlich
1) Vgl. hierzu die englischen Adm.-Karten No. 1968 (XI: 41), 1761 (XI: 47), 2376 (XI: 44),
2618 (XI: 45). Die Red.