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Full text: 60, 1940

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Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Mariueobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/7. 
verschiebt sich in diesem Falle nur wenig, jedoch bedeutet das für den schmalen von ihr be 
troffenen Streifen einen mehrfachen Witterungsumschwung. In unmittelbarer Nähe der Kalt 
luftgrenze kommt es zu anhaltenden ergiebigen Schneestürmen mit entsprechenden Ver 
wehungsschäden, nordöstlich davon herrscht bei ebenfalls starkem Südostwind vielfach heiteres 
und sehr trockenes Frostwetter mit tiefen Temperaturen, clie beim Mangel einer Schneedecke 
zu Barfrostschäden führen. Umgekehrt herrscht unmittelbar südwestlich davon eine milde Süd 
westströmung mit geringeren Windstärken und hohen Temperaturen. Bei dieser Lage ist Däne 
mark, insbesondere das südliche Jütland, von der Schneesturmzone ebenfalls betroffen, nach 
Südosteuropa hin scheint sie sich aufzulösen. Je nach den wechselnden Impulsen an der Grenz 
fläche, clie der Kaltluft bzw. Warmluft geringe Verschiebungen ermöglicht, verschiebt sich auch 
das Bereich der höchsten Wetterwirksamkeit. Damit ergibt sich, worauf wir schon in anderem 
Zusammenhänge hinwiesen, für den betroffenen Teil Mitteleuropas durch die Schneestürme 
eine Instabilität, clie diesen Teil vor den anderen auszeichnet, östlich der Schneefallzone äußert 
sich die Instabilität in Form von heftigen Frostschäden, die durch die hier fehlende Schneedecke 
und gleichzeitig hohe Windstärke sowohl in Ostdeutschland wie Inseldänemark sehr fühlbar 
sind. In Dänemark kommt es, wie es übrigens in Ostdeutschland auch zu beobachten ist, zu 
Sandverwehungen. So mußte infolge der durch die Froststaubstiirme des Januar 1957 ein 
getretenen Schäden in der Landwirtschaft in Dänemark eine große Hilfsaktion in die Wege 
geleitet werden. Zwar sind diese Wetterlagen nicht allzu häufig, ihr langes Anhalten, ihre Un 
annehmlichkeit (Hennig, 1928) sowie ihre beachtlichen Schäden im Wirtschaftsleben, ferner 
ihre charakteristische Festlegung auf die gesdiilderte Zone lassen sie jedoch als eine mar 
kante Erscheinung des Kaltluftklimas Mitteleuropas hervortreten. 
Nicht so schwerwiegend in ihrer Bedeutung, wenn auch mit ähnlicher Wetterwirksamkeit, sind die übrigen Fälle 
von SO-KE in Mitteleuropa. Sie besitzen im Gegensatz zu dem zuvor genannten Fall nicht die antizyklonale 
„Rückenstärkung“, sondern wandern in der Regel mit dem aktiven Vordringen der Warmluft in nordöstlicher Rich 
tung ab. Mit dieser Wanderung verschieben sich auch die sie begleitenden Aufgleitschneefälle nadi Nordosteuropa, 
wo die Front dann an Wetter Wirksamkeit verliert. Das Ansaugen der Kaltluft ist in diesem Fall daher, wenigstens 
in Mitteleuropa, eine wenn auch charakteristische, so doch vorübergehende Erscheinung. Die Aufglcitschneefälle 
pflegen sehr bald in Regen überzugehen, bevor sie, trotz des auch hierbei lebhaften Südostwindes, ein schaden 
bringendes Ausmaß erreicht haben. Die wandernden SO-KE betrachten wir am besten als vorübergehende Kaltluft 
pulsationen, die sich an anders geartete KE-Typen (NO bzw. C) anschließen, während der zuvor geschilderte beharr 
liche Typ als solcher in Mitteleuropa eintritt und sich wieder zurückzieht, also nidit die „Nachhut“ eines anderen 
KE-Typs darstellt. 
Die SO-KE haben insgesamt ihre Kaltluftquellgebiete in Süclosteuropa, damit sinkt auch 
ihre Häufigkeit von Südost nach. Nordwest. Daß die ortsfeste Variante noch in Dänemark, also 
ziemlich weit ab vom Ursprungsgebiet, so wetterwirksam ist, liegt in den besonderen Bedin 
gungen für diese Form begründet. Der Advektivfrost verliert zwar beim Überqueren der süd 
lichen Ostsee einen Teil seiner Strenge, jedoch wirkt er in dem sonst frostarmen Dänemark 
intensiv auf die flachen, reich gegliederten Küstengewässer ein. So erlebt Dänemark bei einer 
solchen Wetterlage ebenso wie die ganze südliche Ostseeküste eine rasche und kräftige Ver 
eisung cler Gewässer. Der Fährverkehr nach Schweden z. B. leidet dann empfindlich unter der 
Eisblockierung des Saßnitzer Hafens. 
Entsprechend dem Häufigkeitsgefälle von SO nach NW wird die in Mitteleuropa vor 
gedrungene Kaltluft zuerst im NW angegriffen, und zwar ohne Rücksicht darauf, welchem Typ 
der vorangegangene Kaltluftzufluß angehörte. Bei einem mitteleuropäischen Hoch, also hei 
C-KE, setzt sich der Kaltluftabbau, wie bereits erwähnt, von NW aus nach cler Ostsee hin 
weiter durch. Dadurch wird clie mitteleuropäische Kaltluft von dem osteuropäischen Kaltluft 
reservoir abgeschnitten und unterliegt daher vollkommen den Erhaltungsbedingungen in 
Mitteleuropa selbst. Beim Auftreten von SO-KE ist das ganz anders. Hier erfolgt cler Angriff 
der Warmluft in breiter Front im Westen, und die Grenze der Kaltluft wird von W und SW 
nach Osten zurückverlegt. Die Kaltluft wird also in ihr Hauptursprungsgebiet, nämlich Ost 
europa, zurückgedrängt. Während dieser Rückzug in Norddeutschland bei der ungegliederten 
Topographie ungehindert vor sich geht, bietet Süddeutschland ein anderes Bild. Die Warmluft 
stößt in der Hauptsache zunächst vom Kanal her nach Norddeutschland vor. Reste der Kaltluft
	        
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