accessibility__skip_menu__jump_to_main

Object: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1894. 
Es scheint mir, dafs eine richtige Ansicht über die Passatwinde und über 
die westlichen Winde nur dadurch gewonnen werden kann, dafs man diese Winde 
hauptsächlich im planetarischen Sinne entstehen läfst und nicht einfach als Winde, 
die an bestimmte Breiten gebunden sind. Wir glauben Alle an das allgemeine 
Gesetz der Schwere, an die Wirkung der strahlenden Energie und an die Ein- 
wirkung der Wärme auf Gase, ferner an die Ablenkung der Bewegung auf 
rotirenden Kugeln; daher ist es auch zweckmäfsig, dafs wir uns über die ideale 
planetarische Cirkulation ein Bild machen, um die wirklichen Winde auf unserer 
Erde zu verstehen. 
Ich denke, dafs es unnöthig ist, die Leser dieses Journals an das grofse 
Verdienst zu erinnern, das Ferrel dadurch sich erworben hat, dafs er eine 
rationelle Erklärung für dieses Problem gegeben hat, und auf den dominirenden 
Einflufs, den diese Erklärung in der modernen Meteorologie ausgeübt hat. Ich 
habe versucht, dieses in Referaten über seine Bücher klarzulegen: über sein Werk 
„Recent Advances in Meteorology“ in der Zeitschrift „Science“ vom 3. Juni 1887 
and über sein Werk „Popular Treatise on the Winds“ in derselben Zeitschrift, 
28. Februar 1890;') und in dem „Amer. Met. Journal“, Mai 1892, habe ich auf 
die Unzulänglichkeit jeder Theorie über die allgemeine Cirkulation der Atmo- 
sphäre, welche keine Erklärung der Thatsache eines niedrigen Luftdrucks in der 
Umgebung der Pole giebt, aufmerksam gemacht, und dafs Ferrel der Erste war, 
der hierfür eine Erläuterung gegeben hat. 
Die geistige Zufriedenheit, welche einen beschleicht, wenn man dieses Pro- 
blem in der Meteorologie verstehen gelernt hat, ist verwandt mit jenem Gefühl, 
welches man bekommt, wenn man einen richtigen Griff thut in die Erkenntnifs 
über das Wesen der Planeten-Umdrehung durch Schwerewirkung, in die Astro- 
nomie, oder in die Auflösung so vieler Schwierigkeiten bei der Annahme der 
mechanischen Wärmetheorie und der Wellentheorie der strahlenden Energie in 
der Physik. 
Hat man eine Atmosphäre mit einem Ueberschufs von Wärme am Aequator, 
so mufs sich eine austauschende Cirkulation zwischen dem Aequator und den 
Polen ergeben. Infolge der Achsendrehung des Planeten kann der Austausch 
nicht in meridionaler Richtung vor sich gehen, sondern mufß in schräger 
Richtung erfolgen, und es mufs daher der gröfste Theil der Atmosphäre in einen 
gewaltigen Wirbel geworfen werden, der um den Pol rotirt: der hohe Luftdruck 
am Pol, der durch die Kälte hier hervorgerufen werden würde, wird durch die 
Centrifugalkraft der kreisenden Winde in einen niedrigen Luftdruck umgewandelt. 
Die Theile an der Bodenoberfläche in einer solchen Cirkulation müssen, so lehrt 
uns Ferrel, in schrägen Richtungen sich bewegen, wesentlich so, wie sich auch 
die wirklichen Winde bewegen, und wie wir sie in den Karten niedergelegt 
finden. Wenn der übrige Theil der Erdoberfläche ebenso bearbeitet sein wird, 
wie der Atlantische Ocean jetzt ist, so werden wir zweifellos ein noch voll- 
kommeneres Bild von planetarischen Winden auf der ganzen Erde erhalten; nach 
Allem, was wir bis jetzt in unvollständiger Weise von ihnen wissen, sind wir zu 
dieser Annahme berechtigt. 
Die Massen der Planeten sind verschieden, und auf Planeten mit geringerer 
Masse müssen Bewegungen, die durch die Schwerkraft hervorgerufen werden, 
schwächer sein; die Planeten haben verschiedene Umdrehungszeiten, und auf 
denen, welche nur langsame Achsendrehung haben, wird die Abweichung der 
Richtung von den Meridianen auch geringer sein. Auch die Mengen von Sonnen- 
anergie, welche verschiedene Planeten erhalten, sind verschieden, und auf den- 
jenigen, deren Sonne schwächer oder weit entfernt ist, mufs auch der Unterschied 
zwischen den Temperaturen am Pol und am Aequator, worauf die ganze Cirku- 
lation ihrer Atmosphäre beruht, nur gering sein, und kann daher diese auch nur 
schwach sein. Obgleich wir keine genauen Kenntnisse über die Windverhältnisse 
auf den anderen Planeten haben, so können wir doch die Winde auf unserer 
Erde besser verstehen, wenn wir ihre Aehnlichkeit mit anderen etwaigen Wind- 
systemen in dieser Weise vergleichen. 
Ferner gibt es noch einen anderen Unterschied zwischen den Planeten, und 
dieser besteht in der verschiedenen Neigung der Achse oder in der verschiedenen 
a 
Kin Theil dieses Referats ist in diesen Annalen, 1892, S. 379ff., wiedergegeben. D. Red.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.