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Volltext : Jahresbericht 1890

Dreizehnter  Jahres-Berioht  der  Direktion.

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Elastizität  und  Gestalt  beibehalten,  oder  mit  der  Zeit  einer  Struktur-  oder  Molekular-Aenderung  unterworfen
sind.  Jedenfalls  glauben  wir  sie  allen  solchen  empfehlen  zu  dürfen,  welche  in  Elektrizitäts-Werken  oder
mit  Dynamomaschinen  zu  arbeiten  haben.
Wissenschaftliche  Arbeiten  und  Untersuchungen.  Es  wurden  zunächst  die  in  unserem  letzten  Jahresberichte ­
  angeiührten  Untersuchungen  über  das  Verhalten  von  Marine-Chronometern  bei  verschiedenen
Eeuchtigkeitsgraden  der  atmosphärischen  Luft  zu  Ende  geführt  und  ein  eingehender  Bericht,  verbunden  mit
einem  scharf  durchgeführten  rechnerischen  Skrutiuium,  über  die  Ergebnisse  dieser  Untersuchungen  ausgearbeitet. ­
  Im  Anschluss  an  dieselben  war  ferner  eine  Prüfung  der  Vorrichtungen  ausgeführt  worden,  welche
zum  Schutze  der  Uhren  gegen  den  den  Gang  störenden  Einfluss  der  Feuchtigkeit  in  Vorschlag  gebracht  waren.
Es  hat  sich  als  Kesultat  aller  dieser  Untersuchungen  herausgestellt,  dass  die  Unterbringung  der  Chronometer
au  Bord  in  geeigneten  Spinden,  in  denen  der  Feuchtigkeitsgehalt  der  Luft  in  zweckentsprechender  Weise
regulirt  werden  kann,  dem  Verschlüsse  der  Chrouometerwerke  in  hermetisch  die  Luft  abschliessenden  Gehäusen
vorzuziehen  ist,  und  dass  erstere  die  beste  Gewähr  bietet,  sowohl  für  die  Konservirung  der  Uhrwerke,  als
auch  gegen  plötzliche  Gaugäuderung  während  der  Seereise.  Schliesslich  ist  auf  dem  Chronometer-Prüfungsinstitut ­
  durch  den  Abtheilungs  -  Assistenten  Herrn  Dr.  Stochert  eine  strenge  Berechnung  der  Gangformelu
sämmtlicher,  während  der  Chronometer-Konkurrenz-Prüfungen  VII,  VIII  und  IX  untersuchten  Instrumente
durchgeführt  worden,  und  sind  die  Besultate  dieser  Rechnungen,  verbunden  mit  einer  kritischen  Zusammenstellung ­
  sämmtlicher  bis  zum  Jahre  1886  bei  Gelegenheit  dieser  Prüfungen  hier  ausgeführten  Gang-Untersuchungen ­
  in  verschiedenen  Temperaturen,  in  „Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte,  Jahrgang  1890,
No.  2“  veröffentlicht  worden.
Im  Anschlüsse  an  unseren  letzten  Jahres-Bericht  dürfen  wir  zu  unserer  grossen  Freude  konstatiren,
dass  gegründete  Aussicht  dafür  vorhanden  ist,  dass  demnächst  den  Bedürfnissen  des  Institutes  nach  Raumerweiterung
  durch  einen  Neubau  in  zweckentsprechender  Weise  abgeholfen  werden  wird.
Der  Bestand  der  Abtheilung  an  Apparaten  und  Modellen  blieb  im  Allgemeinen,  schon  wegen  Mangel
au  geeignetem  Aufstellungsraum,  unverändert.  Während  einer  10wöchentlichen  Abwesenheit  des  Abtheilungs-Assistenten,
  Herrn  Dr.  Stechert,  behufs  Erfüllung  einer  militärischen  Dienstleistung,  übernahm  Herr
Dr.  Schorr,  welcher  im  Sommer  1890  auf  der  hiesigen  Sternwarte  arbeitete,  dessen  Vertretung,  wofür  wir
ihm  hiermit  unseren  Dank  aussprechen.
Wie  oben  schon  erwähnt,  besteht  höheren  Orts  die  Absicht,  ein  den  Bedürfnissen  entsprechendes,
neues  Dienstgebäude  für  das  Chronometer-Institut  zu  errichten.  Die  Direktion  wurde  dementsprechend  von
Sr.  Excelleuz  dem  Herrn  Staatssekretär  des  Reichs-Marine-Amtes  angewiesen,  zunächst  dahin  zu  wirken,
dass  für  ein  eventuell  zu  errichtendes  Gebäude  der  Grund  und  Boden  seitens  des  Hamburger  Staates  kostenfrei ­
  überwiesen  werde  und  sodann  sich  mit  dem  Entwürfe  für  das  neue  Dienstgebäude  eingehend  zu  befassen.
Der  Hamburger  Senat  bewilligte  denn  auch,  dass  das  neue  Dienstgebäude  des  Chronometer-Institutes  innerhalb ­
  des  Terrains,  welches  gegenwärtig  der  Seewarte  überwiesen  ist,  also  in  unmittelbarer  Nähe  des
Hauptgebäudes  auf  dem  Stintlänge  errichtet  werde.  Es  ist  wohl  hier  am  Orte,  in  Kürze  die  Gründe  zu
erwähnen,  wesshalb  das  Chronometer-Institut  nicht  an  demselben  Orte,  wo  jetzt  das  Chronometer-Institut
steht,  aufgebaut  werde.  Es  besteht  die  Absicht,  auf  dem  Walle  von  dem  Holstenthore  bis  zum  Millernthore
eine  Ringstrasse  zu  führen,  welche  nur  wenige  Meter  von  dem  Orte  des  Chronometer-Institutes  in  der  Nähe
der  Sternwarte  vorüberziehen  wird.  Ueberdies  soll  von  der  Peterstrasse  mit  der  Zeit  eine  Strasse  nach
der  Marienstrasse  in  St.  Pauli  hergestellt  werden,  so  dass  auch  die  Strasse  in  Verbindung  mit  diesem  Projekt
ganz  in  der  Nähe  der  in  Frage  stehenden  Stelle  vorüberziehen  würde.  Wie  wünschenswert!!  es  denn  auch
gewesen  wäre,  das  Chronometer-Institut  in  der  Nähe  der  Hamburger  Sternwarte  zu  belassen,  so  musste
doch  unter  solchen  Umständen  dieser  Gedanke  aufgegeben  werden,  da  Ruhe  und  Freiheit  von  Erschütterungen,
welche  bei  den  bestehenden  Projekten  nicht  zu  gewährleisten  waren,  erste  Bedingung  für  die  Existenz  und
die  erfolgreiche  Thätigkeit  eines  Institutes  zu  Zwecken  der  Chronometer-Prüfung  bilden  müssen.
Mit  dem  Entwerfen  der  Bauprojekte  wurde  ohne  Verzug  vorgegangen,  und  zwar  ging  die  Direktion
dabei  von  der  Annahme  aus,  dass  ein  Institut  der  bezeichneten  Art  Räumlichkeiten  und  Einrichtungen
enthalten  müsste,  welche  auch  den  wachsenden  Bedürfnissen  Genüge  leisten  könnten.  Dabei  wurde  Bedacht
darauf  genommen,  dass  den  Anforderungen,  welche  die  neuesten  Ergebnisse  der  Wissenschaft  als  gerechtfertigt ­
  erschienen  Hessen,  Rechnung  getragen  werden  könnte,  und  namentlich  sollte  Bedacht  darauf  ge-Archiv

  1890.  1.

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