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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1922.
Rückfragen bei verschiedenen Wasserbauämtern und anderen Stellen erfordern,
weil zweitens die Frage der Deviation der Magnetnadel im Ekman-Strommesser
bei näherem Zusehen als immer verwickelter sich ergab. Lediglich um diese
auch grundsätzlich wichtige Frage möglichst zu lösen, wurde mit Unterstützung
der Marine und der Deutschen wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung
es noch eben vor dem Winter (17.—26. Oktober) durchgesetzt, daß auf „Peil
boot II“ in der Eckernförder Bucht eine ausreichende Zahl genauer Deviations
bestimmungen für alle notwendigen Tiefen und auf allen Kursen und bei zwei
verschiedenen Bordabständen des Instrumentes gemessen wurden. Hierbei wirkten
Prof. Dr. Schott, Dr. Schumacher, Kapitän Hat je von der Seewarte und auch
Di’. Thorade mit. Das Ergebnis bringt Licht in das Problem und gestattet, die
auf den Peilbooten beobachteten Stromrichtungen aufzuarbeiten. Für das Reichs
forschungsschiff „Poseidon“, das infolge fehlender Geldmittel in der Eckernförder
Bucht leider nicht mitbeteiligt sein konnte, ist freilich der Wert der Deviations
beträge in vielen. Fällen nach wie vor unsicher.
Die Fahrt mit dem Peilboot II im Oktober bot noch die erwünschte Gelegen
heit, auf der Unterelbe den in einem Exemplar vorhandenen Libellenstrommesser
nach Jacobsen in Gebrauch zu nehmen und Vergleichsreihen mit dem Ekman-
Strommesser auszuführen. Die Handhabung des Libellenstrommessers erwies
sich als sehr bequem, der Apparat wird aller Voraussicht nach in vielen Fällen
an die Stelle des Ekman-Apparates im praktischen Gebrauch treten, mindestens
für die Feststellung der Tidenstromrichtungen nahe der Oberfläche.
Von dem Atlas der physikalischen Verhältnisse der Nord- und Ostsee
fehlen in endgültiger Fassung am Ende des Berichtsjahres noch einige Karten
und Profile für November. Mehrere Tafeln sind ausgedruckt. Da Reinzeichnung
und Druck im ganzen Umfang in der Seewarte selbst erfolgen muß, dürfte bis
zur Fertigstellung des Werkes noch längere Zeit vergehen.
Für den Innendienst war die schon 1921 angekündigte Verlegung des
chemischen Meereslaboratoriums in ein großes Zimmer wesentlich. Jetzt erst
können die Untersuchungen genügend bequem ausgeführt und die Materialien
ausreichend untergebracht werden. Im Hinblick auf die enorm steigenden Silber
preise war es sehr günstig, daß wir für die regelmäßigen Salzgehaltbestimmungen
von der Chlortitrierung zur optischen Methode (Zeiß-Interferometer) übergehen
konnten, nachdem wesentlich durch Dr. Papes Arbeit („Annalen der Hydro
graphie 1922“ S. 193—202) die Grundlage dafür beschafft war. Schwierigkeiten
mit einzelnen Wasserkammern dieses Instrumentes treten dabei nach wie vor auf.
Bei Gelegenheit der von Abteilung M geleiteten aerologischen Forschungs
reisen über den nordatlantischen Ozean wurden Wasserproben zwischen Eng
lischem Kanal und Mexiko auf zwei Dampfern gesammelt, einmal auch der
Wasserstoffionen-Gehalt festgestellt. Desgleichen erhielt Prof. Dr. Hentschel
vom Hamburgischen Zoologischen Museum bei einer Fahrt nach den westindi
schen Gewässern einige ozeanographische Ausrüstungsgegenstände. Kapitän
leutnant Sieburg vom Kreuzer „Berlin“ wurde in die Technik der Tiefseelotungen
eingeführt. Die Besuche von ozeanographischen Fachgenossen und Interessenten
aus dem Ausland erreichten im Jahre 1922 eine noch nie verzeichnete Zahl;
aus wenigstens 12 Ländern waren Herren, einige wochenlang, anwesend.
Dr. Pape trat mit dem 1. April d. J. in den höheren Schuldienst zurück.
An seine Stelle wurde zum 1. Juli Dr. Koch aus Münster i. W. berufen. Die
Stelle der Chemikerin bekleidet seit 1. August Fräulein Kindt. Prof. Dr. Schott
und Dr. Schulz sind nebenamtlich an der Universität mit Vorlesungen und
Seminarübungen tätig, wie früher.