Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1922.
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A. Wegener beteiligte sich an der aerologischen Tagung auf dem hohen Sonn
blick am 10.—16. Oktober mit einem Vortrag über die Ergebnisse der Pilot
ballonaufstiege auf der Mexiko-Fahrt.
X. Ozeanographische Abteilung (H).
Der meereskundliche Beobachtungsdienst auf den deutschen Feuerschiffen
ist nunmehr vollständig im Gang. Im Herbst 1922 wurde noch Feuerschiff
„Fehmarn-Belt“ entsprechend wie Feuerschiff „Adlergrund“ ausgerüstet, und zwar
für die Strommessungen mit je einem Schwimmer und großem Blechstromkreuz
nach finnischem Muster. Es scheint diese Einrichtung den besonderen Ostsee
verhältnissen zu genügen; die Strommessungen finden hier täglich dreimal statt,
um 8 Uhr vorm., mittags und 4 Uhr nachm. Auf den Nordseefeuerschiffen
werden für Strom Logscheite von 26 cm Halbmesser verwendet.; der Strom wird
hier überall ununterbrochen alle 4 Stunden gemessen.
Temperaturbeobachtungen und Wasserprobenentnahme in verschiedenen
Tiefen erfolgt seit 1. April 1922 auf den Feuerschiffen der Nordsee nur an den
Tagen von Springtide, Nipptide und mittlerer Tide, an diesen Tagen aber jeweils
zweimal, nämlich während der Kenterung des Gezeitenstroms. Die Ostseefeuer
schiffe führen entsprechende Arbeiten in Übereinstimmung mit dem finnischen
und schwedischen Programm am 1., 11. und 21. des Monats aus, Oberflächenbeob
achtungen an jedem 1., 6., 11., 16., 21., 26. des Monats.
Da Feuerschiff „Osteriff“ überhaupt nicht mehr ausliegt, hat die Seewarte
nunmehr auf Feuerschiffen im Nordseegebiet 9 meereskundliche Beobachtungs
stellen („Borkumriff“, „Norderney“, „Minsener Sand“, „Weser“, „Bremen“, „Elbe IV“,
„Elbe I“, „Außen-Eider“, „Amrum-Bank“), im Ostseegebiet 2 („Fehmarn-Belt“
und „Adlergrund“).
Die Ergebnisse der Strommessungen sind fast durchweg befriedigend.
Dagegen läßt die Bearbeitung der Temperaturen und Salzgehalte verschiedene
Mängel und Schwierigkeiten erkennen, die teils auf technische Umstände, teils
auf die Beobachter zurückzuführen sein dürften. Hier wird noch vielfach die
bessernde Hand anzulegen sein. Zur Überprüfung dieses Dienstes wurden durch
Dr. Schumacher im August d. J. die Feuerschiffe „Außen-Eider“, „Amrum-
Bank“, „Bremen“, „Weser“ und „Norderney“ besucht.
Mit dem Reichsforschungsdampfer „Poseidon“ machten Dr. Schulz und
Dr. Koch die von Prof. Dr. Ehrenbaum im Oktober v. J. geleitete Nordseereise
(Trawlheringsfahrt) mit, um die notwendigen hydrographischen Daten zu sammeln.
Wichtiger waren die wissenschaftlichen Arbeiten der Abteilung in der Ostsee.
Es galt, die Untersuchungen über den Luftgehalt des Meerwassers, insbesondere
über die Kohlensäure, die 1921 auf „Poseidon“ in der Nordsee begonnen waren,
bis in die äußersten Teile der Ostsee auszudehnen und damit zunächst zu einem
Abschluß in räumlicher Hinsicht zu bringen. Dies ist in sehr befriedigender
Weise gelungen, wobei wesentlich, ja Vorbedingung, das Entgegenkommen der
finnischen und schwedischen Fachgenossen war; ihnen sei auch an dieser Stelle
gedankt. Die Arbeiten wurden in erster Linie von Dr. Schulz ausgeführt, zeit
weise war auch Prof. Dr. Schott beteiligt. Es kommt die Teilnahme an Unter
suchungsfahrten des schwedischen Forschungsschiffes „Skagerak“ im März—April
und Juli—August d. J. sowie des finnischen Forschungsschiffes „Nautilus“ im
Mai und Juni in Betracht. (Näheres in den „Annalen der Hydrographie 1922“
S. 316—318).
Die Bearbeitung des hierher gehörigen Nordsee-Materials von „Poseidon“
und des Materials aus der westlichen Ostsee von „Skagerak“ ist im „Archiv der
Seewarte“ XL. Jahrg 1922 Nr. 2 erschienen (s. S. 25 unter B. Schulz).
Die Bearbeitung des auf „Poseidon“, der „Senta“, den Peilbooten I, II und V
ebenfalls 1921 gewonnenen Materials über die Gezeitenstromverhältnisse im Sylter
Gebiet hat im Berichtsjahre ihren Abschluß noch nicht gefunden, weil erstens
die erzielten Hubmessungen infolge auffälliger Einzelerscheinungen vielfache
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