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Full text : Jahresbericht 1922

Jahresbericht  der  Deutschen  Seewarte  für  1922.

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Explosionswellen  (nach  Anregung  des  Aeronautischen  Observatoriums  Lindenberg). ­
  Ein  Flugzeugraeteorograph  wurde  für  Doppelregistrierung  der  Temperaturen ­
  mit  Bimetall  und  Bourdonrohr  umgebaut.  Im  Bau  begriffen  ist  ein
Anemograph  mit  gefesseltem  Schalenkreuz.  Auf  dem  Dach  der  Seewarte  wurde
eine  Laufbrücke  mit  Geländer  als  Zugang  für  die  Instrumente  hergestellt,  ferner
wurde  ein  Chronometerprüfkasten  in  der  Seewarte  abmontiert  und  zahlreiche
kleinere  Wiederherstellungsarbeiten  ausgeführt.  Auch  die  instrumenteile  Ausrüstung ­
  der  beiden  noch  zu  erwähnenden  Ozeanfahrten  verursachte  mancherlei
Werkstattarbeiten.
Für  luftelektrische  Untersuchungen  wurde  eine  Anzahl  von  Instrumenten ­
  beschafft  und  durch  Versuche,  z.  B.  Messungen  der  durchdringenden
Strahlung,  erprobt.  Eine  Versuchsanordnung  zur  Untersuchung  des  Einflusses
der  Luftelektrizität  auf  die  Ausbreitung  elektrischer  Wellen  ist  im  Bau.  In
Gemeinschaft  mit  Abteilung  IV  werden  Funkpeilungen  der  Marine  bearbeitet,
um  den  Witterungseinfluß  auf  die  Wellenausbreitung  festzustellen,  Dr.  Bongards
bearbeitete  ferner  ältere  Beobachtungen  über  Radioaktivität.
Die  meteorologische  Morgenbeobachtung  in  Groß-Borstel  wurde
wie  bisher  für  die  Zwecke  der  Wettervorhersage  weitergeführt,  desgleichen  die
auch  der  Flugberatung  dienenden  Pilotballonaufstiege,  von  denen  111  im
Berichtsjahre  ausgeführt  wurden.  An  den  internationalen  aerologischen  Terminen
wurde  außerdem  zum  ersten  Male  seit  dem  Kriege  wieder  ein  freier  Registrierballon ­
  hochgelassen,  dessen  Instrument  gefunden  und  zurückgeschickt  wurde.
Hauptsächlich  konnten  jedoch  an  diesen  Terminen  mit  den  zwei  Flugzeugen
der  Seewarte  dank  der  Unterstützung  des  Hamburger  Vereins  für  Luftfahrt
im  ganzen  18  Aufstiege  vom  Flugplatz  Fuhlsbüttel  ausgeführt  werden.  In  der
internationalen  Woche,  8.—13.  Mai,  wurden  allein  11  Aufstiege,  darunter  fünf
über  6000  m,  ausgeführt.  In  der  zweiten  Jahreshälfte  mußte  der  Betrieb  wegen
Mangels  an  Mitteln  ruhen.  Der  Fokker-Einsitzer  wurde  einer  gründlichen
Reparatur  unterzogen.  Die  Ergebnisse  der  vorjährigen  Flugzeugaufstiege  und
die  dabei  gemachten  Erfahrungen  wurden  von  der  Abteilung  in  den  „Annalen
der  Hydrographie“  1922,  Seite  113—120,  veröffentlicht.
Dem  Abteilungsvorstand  wurde  die  wissenschaftliche  Leitung  eines  Unternehmens ­
  übertragen,  welches  bezweckt,  durch  Ausführung  von  Höhenwindmessungen ­
  auf  dem  Atlantik  die  wissenschaftliche  Grundlage  für  einen
transatlantischen  Luftverkehr  zu  beschaffen.  Das  Projekt  sieht  etwa  10  Fahrten
nach  Amerika  vor,  bei  welchen  mindestens  ein  Meteorologe  der  Deutschen  Seewarte ­
  oder  des  Aeronautischen  Observatoriums  Lindenberg  und  daneben  ein
Luftschiff-  oder  Flugzeugführer  teilzunehmen  hätten,  und  beruht  wesentlich  auf
der  Anwendung  des  in  der  Abteilung  konstruierten  Spiegeltheodoliten.  Die
erste  derartige  Fahrt  wurde  von  Professor  A.  Wegener  und  Dr.  Kuhlbrodt  nach
Cuba-Mexiko  im  März  bis  Juni  des  Berichtsjahres  ausgeführt.  Die  Hamburg-Amerika
  Linie  stellte  die  Plätze  nebst  Verpflegung  für  Hin-  und  Rückreise  auf
dem  Frachtdampfer  „Sachsenwald“  kostenlos  zur  Verfügung,  und  die  übrigen
Kosten  der  Ausrüstung  in  Höhe  von  35  000  M.  übernahm  die  Notgemeinschaft
der  Deutschen  Wissenschaft.  Es  wurden  132  Aufstiege  bis  zur  maximalen  Höhe
von  16  250  m  erzielt  und  wertvolle  Resultate  gewonnen.  Das  Instrument  bestand ­
  seine  Feuerprobe  vorzüglich.  Nach  Rückkehr  wurde  eine  ausführliche
Anweisung  für  die  folgenden  Fahrten  ausgearbeitet,  eine  Beschreibung  des
Instruments  in  den  „Annalen  der  Hydrographie  usw.“  1922,  Seite  241—244,  veröffentlicht ­
  und  sogleich  die  endgültige  Bearbeitung  der  Ergebnisse  in  Angriff
genommen,  die  am  Jahresschluß  druckfertig  vorlag  und  in  Auszügen  bereits
an  einige  Interessenten  abgegeben  werden  konnte.  Inzwischen  hatte  die
Deutsche  Seewarte  sofort  nach  Beendigung  der  ersten  Reise  eine  Konferenz  der
interessierten  Firmen  einberufen,  um  die  nächste  Fahrt  zu  finanzieren.  Dies
gelang.  Die  Hamburg-Amerika  Linie  stellte  wiederum  zwei  Plätze  zur  Verfügung, ­
  diesmal  auf  dem  Frachtdampfer  „Westerwald“,  der  Luftschiffbau
Zeppelin,  die  Firmen  Schütte-Lanz,  Junkers,  Fokker  steuerten  namhafte  Beiträge
bei.  So  konnte  im  September  bis  Dezember  die  zweite  Fahrt  auf  derselben
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