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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1922.
Signalgeber von Wanach noch ein zweiter, vom Uhrmacher Richter-Berlin kon
struierter Zeitsignalgeber aufgestellt.
Auf Wunsch der Marineleitung wurde in der Abteilung IV ein Teil der
von den Funkpeilstellen Borkum und Nordholz ausgeführten Probe-Funkpeilungen
bearbeitet.
Nach Beendigung der 45. und vor Beginn der 46. Chronometer-Wett
bewerbprüfung fanden eingehende Besprechungen mit den Chronometermachern
und Sachverständigen statt. Es wurde beschlossen, von der 46. Prüfung ab die
Temperatursturz-Methode anzuwenden.
IX. Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Abteilung.
Die Bemühungen, den 1919 genehmigten Neubau der Meteorologischen
Versuchsanstalt in Groß-Borstel in die Tat umzusetzen, verliefen leider infolge
der schnellen Geldentwertung und der Unmöglichkeit, von dem vorgeschriebenen
langsamen Genehmigungswege abzuweichen, ohne Erfolg. Fünfmal wurde der Bau
plan vom zuständigen Bauamt ausführlich ausgearbeitet, nämlich Juni 1920, Mai 1921,
September 1921, Mai 1922, Juni 1922. Die bewilligte Bausumme war dabei von
200 000 M. auf 1 250 000 M. angewaohsen, aber der Umfang des Gebäudes hatte
jedesmal verringert werden müssen und zuletzt das Minimum erreicht, was noch
verwendbar erschien. Als dann im September 1922 die Genehmigung des Finanz
ministeriums für den letzten Entwurf mit strengstem Verbot der Überschreitung
eintraf, war der Anschlag wiederum weit überholt, so daß die Kosten nunmehr
auf 6 Millionen Mark geschätzt werden. Die Deutsche Seewarte mußte unter
diesen Umständen den Neubau vorläufig aufgeben und erhielt die Genehmigung,
die bereits bewilligten 1 x / 4 Millionen Mark zum Ausbau der vorhandenen Ba
racken zu verwenden. Obwohl mit größter Beschleunigung ans Werk gegangen
wurde, konnte nur der kleinste Teil der projektierten Arbeiten ausgeführt werden.
In der Werkstättenbaracke wurden die Drehbänke und die Bandsäge funda-
mentiert und die Transmissionen durch eiserne Träger verstärkt, mehrere Schorn
steine und ein Leimofen gemauert und das Mauerwerk für einen Umbau des
Windkanals auf Sog statt Druck im Rohbau fertiggestellt. In der Geschäfts
baracke wurde eine Wand, gleichfalls bisher nur im Rohbau, gezogen. In der
Lagerbaracke wurde ein Raum für die Instrumente abgeschlagen, ein Ofen
gesetzt und Holzregale für die Unterbringung der Instrumente angefertigt.
Auch wurden die Dächer der Baracken neu geteert. Leider war das verfügbare
Geld so schnell verbraucht, daß nicht einmal die genannten Maurerarbeiten
ganz fertiggestellt werden konnten.
Obwohl die Werkstätten und Prüfungseinrichtungen durch die
Bauarbeiten und besonders deren Stockung sehr behindert waren, konnten im
Berichtsjahre folgende Instrumente geprüft werden:
21 Aneroidbarometer, Barographen, Flugzeughöhenmesser und Höhen-
aneroide (letztere z. T. bei Temperaturen zwischen + 20 und —30° C) —
82 Bourdon- und Bimetallthermometer — 16 Hygrographen und Meteorographen
— 19 Anemographen und Anenometer.
Repariert oder überholt wurden:
7 Barographen, 3 Flugzeugbarographen, 5 Barothermographen, 5 Aneroid
barometer, 5 Quecksilberbarometer, 13 Thermographen, 11 Hygrographen, 2 Haar
hygrometer, 11 Aspirationspsychrometer, 14 Standpsychrometer, 19 Meteoro
graphen, 27 Anemometer, 5 Böenschreiber und Zusatzapparate, 3 Chronographen,
13 Handwindmesser, 9 Schalenkreuze, 4 Regenmesser, 7 Theodolite, 5 Gaswagen
für Gummipiloten, 3 Fülltüllen für Gummipiloten, 4 Stoppuhren, 2 Kompasse,
2 Pendeluhren.
Neu angefertigt wurden:
Ein zweiter Spiegeltheodolit nach A. Wegener und E. Kuhlbrodt, ein
kardanisches Stativ für Aktinometermessungen auf See, ein Prüfstand für
Thermometer von Drachenmeteorographen, ein Varioskop zur Beobachtung von