Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1922.
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d. Täglicher Wetterbericht.
Der „Tägliche Wetterbericht der Deutschen Seewarte“ hat eine Änderung
erfahren, indem in den Nebenkärtchen in der Innenseite des Hauptblattes der
Luftdruckunterschied von 7 Uhr abends bis 8 Uhr morgens weggefallen ist,
und dafür die Luftdruckkarte von 2 Uhr nachts eingezeichnet wird. Als Er
weiterung ist der auf einem besonderen Einlageblatt in der kalten Jahreszeit
beigefügte Eisbericht der deutschen, schwedischen, finnischen und dänischen
Küste anzusehen (vgl. Abschnitt V).
e. Der Wetterdienst.
Der Wetterdienst der deutschen Seewarte wurde auch in diesem Jahre
ohne nächtliche Unterbrechung durchgeführt. Die Beobachtungen um 8 Uhr
früh, 2 Uhr nachmittags, 7 Uhr abends und 2 Uhr nachts, sowie eine klima-
tologische Beobachtung um 8 Uhr abends wurden regelmäßig ausgeführt. Am
1. Mai wurde der sogenannte „Bjerknesdienst“ eingeführt, der eine wissenschaft
liche Untersuchung der Wetterlage auf Grund des eingegangenen Beobachtungs
materials und eine regelmäßige Aussprache um 12 Uhr mittags in Gegenwart
aller auf der Seewarte beschäftigten Meteorologen vorsieht. In vielen Fällen
ist hierdurch eine Verbesserung der Wettervorhersage erzielt worden.
f. Normal-Beobachtungs-Stationen und Sturmwarnungsstellen.
Für die am 31. Juli eingegangene Normalbeobachtungsstation Wustrow
wurde am 1. August eine Normalbeobachtungsstation in Warnemünde bei der
dortigen Marinenachrichtenstelle eingerichtet, außerdem die Verlegung der Normal
beobachtungsstation Borkum zur dortigen Marinenachrichtenstelle vorbereitet.
Die Sturmwarnungsstellen an der deutschen Küste sind am 1. April mit
Ausnahme von vier, die weiter von den betreffenden Ortsverwaltungen unter
halten werden (Lübeck, Burgstaaken, Heiligenhafen und Freiburg a. d. Elbe)
vom Reich übernommen worden. Die Wiederinstandsetzung der Sturmwarnungs
stellen wurde in diesem Jahre beendet.
g. Instrumentarium.
Mit der dringend notwendigen Erneuerung des Instrumentariums der
Abteilung III wurde in diesem Jahre begonnen. Dabei mußte ein älterer Ane
mograph durch ein neues Instrument der Bauart Steffens-Hedde mit mecha
nischer Registrierung des mittleren Windweges beschafft werden, das im West
turm des Dienstgebäudes der Seewarte Aufstellung fand. Die ebenfalls not
wendige Überholung des zweiten selbstschreibenden Windmeßgerätes, Bauart
Steffens-Groß, wurde in Angriff genommen.
h. Eisberichterstattung.
Der Eisnachrichtendienst wurde bis zum April wie früher von Abtei
lung III wahrgenommen, vom Oktober ab ging er jedoch auf Abteilung I über
(vgl. Abschnitt V).
i. Flugberatung.
Während des Sommerhalbjahres hatte die Abteilung III die wetterkund-
liche Beratung der regelmäßigen Fluglinien von Hamburg nach Berlin, Wester
land und Stettin—Königsberg; außerdem wurden eine größere Anzahl von Sonder
flügen, Photoflügen und die während des Eisenbahnerstreiks (Februar) durch
geführten Flüge nach Berlin, Amsterdam und Kopenhagen beraten. An der
Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt in Bremen am 17. bis
21. Juni und an einer Besprechung über Flugstreckensicherung in Lindenberg
nahm Dr. Seilkopf teil.
k. Abgabe von Wetternachrichten an Zeitungen, Auskünfte usw.
Die schriftlichen und insbesondere die telephonischen Auskünfte waren
im Berichtsjahre wieder außerordentlich zahlreich; auch während der Nacht wurde
bei kritischen Wetterlagen Bericht über Wind, Wetter, Hochwasser usw. verlangt.