Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1922.
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f. Erdmagnetische Arbeiten.
Die Vorarbeiten für die neu herauszugebenden Weltkarten der drei erd-
magnetischen Elemente (Deklination, Inklination, Horizontalintensität) sind so weit
gefördert worden, daß demnächst der fertige Entwurf der Isoklinenkarte noch
vor Ablauf des Jahres der Marineleitung zur Verfügung gestellt werden konnte,
während die Bearbeitung der beiden anderen Entwürfe, bis sie zum endgültigen
Abschluß gebracht werden kann, noch einige Zeit beanspruchen wird.
Neben der Auskunftserteilung über erdmagnetische Verhältnisse und der
Durchsicht und Bearbeitung der einschlägigen Literatur wurden für die nach
stehenden Seehandbücher und Seekarten Mißweisungskärtchen nach dem neuesten
Material entworfen: 1. Nordsee, östlicher und südlicher Teil; 2. Nordküste Ruß
lands, I. Teil, Murmanküste und Weißes Meer; 3. Mittelmeer, III. Teil (Karte des
gesamten Mittelmeeres); 4. Westindien, II. Teil; 5. Westküste Amerikas, II. Teil;
6. Gesamtgebiet der Ostsee (D. Adm.-Krt. Nr. 98).
g. Gezeitendienst.
Die Gezeitentafeln für das Jahr 1923 wurden Mitte Februar 1922 in Druck
gegeben und waren Anfang April 1922 druckfertig. Für die Gezeitentafeln für
das Jahr 1924 wurden die ausführlichen Gezeitenangaben von 5 europäischen
und von 13 außereuropäischen Häfen mittels der Gezeitenrechenmaschine im
voraus berechnet. 17 europäische Häfen wurden ferner teils nach dem Lubbock-
schen Verfahren berechnet, teils an andere Häfen angeschlossen. Die Voraus
berechnungen von drei englischen, 3 niederländischen, 6 nordamerikanischen und
2 japanischen Häfen wurden teilweise im Austausch gegen solche deutscher
Häfen von den fremden Instituten zum Abdruck zur Verfügung gestellt. Bis
Ende 1922 war die Handschrift für die Gezeitentafeln 1924 nahezu fertiggestellt.
Die im Jahre 1921 in Angriff genommene Bestimmung der harmonischen
Konstanten von Hamburg aus Beobachtungen des Jahres 1920 wurden in erster
Näherung durchgeführt. Die weitere Bearbeitung wurde hinausgeschoben bis
nach dem Abschluß von Untersuchungen über die Brauchbarkeit des bisher be
nutzten Ermittlungsverfahrens.
Für die Strombauarbeiten an der Unterweser wurde eine vollständige Ge
zeitenkurve von Bremerhaven für das Jahr 1923 mit der Gezeitenrechenmaschine
gezeichnet; als Unterlagen für Windstaumeldungen mit Hilfe des Tischpegels
wurden solche Kurven für Hamburg für die Jahre 1922 und 1923 und für
Wilhelmshaven für das Jahr 1923 angefertigt.
Auf Grund von Voruntersuchungen der Tischpegelaufzeichnungen war es
möglich, eine Reihe von Sturmfluten für Hamburg rechtzeitig vorauszusagen
und den Schiffahrtskreisen u. a. auf Anfrage durch Fernsprecher bekanntzugeben.
Die Neubearbeitung der Grundlagen für die Berechnung der Gezeiten
angaben der deutschen Häfen wurde insofern gefördert, als im letzten Jahre
Untersuchungen über die Niedrigwasserzeiten und -höhen von Wilhelmshaven aus
den Beobachtungen zweier Jahre angestellt wurden.
Die im Vorjahre begonnene Bearbeitung der Gezeitenstrombeobachtungen
bei den deutschen Feuerschiffsstationen in der Nordsee ist im Berichtsjahre mit
Nachdruck fortgeführt worden. Als Ergebnis dieser, auch auf ausländischem
Material beruhenden Arbeit, werden seit Januar 1923 auf der Rückseite der
Monatskarte des Atlantischen Ozeans Gezeitenstromangaben für 16 Feuerschiffs
stationen vor der dänischen, deutschen und holländischen Nordseeküste ver
öffentlicht. Dieselben Angaben sind in etwas erweiterter Form für die „Gezeiten
tafeln für das Jahr 1924“ bereitgestellt.
Die Neubearbeitung des „Atlas der Gezeiten und Gezeitenströme für das
Gebiet der Nordsee und der Britischen Gewässer“ wurde fortgeführt. Der wider
Erwarten schnelle Ausverkauf der Auflage 1921 dieses Kartenwerks erforderte
im November 1922 die Herausgabe einer weiteren Hilfsauflage, die als unver
änderter Neudruck der Auflage 1921 bezeichnet wurde.
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