Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1930.
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b) Gezeitendienst.
1. Schriftleitung der Gezeitentafeln. Die Vorausberechnung der
deutschen „Gezeitentafeln für das Jahr 1932“ ist im Berichtsjahre unter der
Leitung Dr. Rauschelbachs planmäßig durchgeführt worden. Mit der Gezeiten
rechenmaschine wurden die ausführlichen Gezeitenangaben von 7 europäischen
und von 18 außereuropäischen Bezugsorten abwechselnd von den beiden wissen
schaftlichen Angestellten Frl. Dr. Straas und Dr. Dunkel und von dem Ober
inspektor Thiel ausgeführt. Die ausführlichen Angaben von 15 europäischen Orten
wurden an Hand von Tabellen entweder nach einem empirischen Verfahren oder
durch Anschluß an andere Bezugsorte, die von weiteren 6 europäischen und
8 außereuropäischen von fremden Staaten, zum Teil im Austausch, erhalten.
In der Handschrift der „Gezeitentafeln für das Jahr 1932“ ist der Bezugsort
Calais in Fortfall gekommen und dafür Gibraltar aufgenommen worden. Ferner
sind die Gezeitenangaben für Kapstadt durch die von Simons Bay ersetzt worden.
Die Vereinheitlichung der Tabellen der Gezeitenunterschiede wurde auf alle
Orte an den Küsten von Europa, Afrika und Asien ausgedehnt.
2. Bearbeitung der Grundlagen für die Gezeitenvorausberechnung.
Zur Untersuchung der Hoch- und Niedrigwasserzeiten und -höhen von Hamburg
für die 19jährige Beobachtungsreihe von 1901 bis 1919 auf tägliche Ungleichheit
und Abhängigkeit von Parallaxe und Abweichung sind die bisher auf Kartei
karten aufgezeichneten Werte auf Lochkarten übertragen worden.
Von den in früheren Jahren auf Karteikarten zusammengetragenen und ge
prüften Gezeitenbeobachtungen der wichtigsten deutschen Pegelstellen sind die des
Jahres 1920 auf halbmonatliche Ungleichheit in Zeit und Höhe untersucht worden.
3. Gezeitenstrombeobachtungen. Auf Veranlassung des Preußischen
Wasserbauamts in Norden wurden unter der Leitung Dr. Rauschelbachs im Juli
und z. T. im August und September in der Umgebung von Norderney soweit
wie möglich gleichzeitig von zwei Motortjalken Strombeobachtungen ausgeführt.
Von der „Ettje“ und „Bertha“ aus (die erstere wurde eine Zeitlang durch die
„Ostfriesland“ ersetzt), die, soweit die Wetterverhältnisse es irgend zuließen, vor
im allgemeinen sechs Ankern vermurt wurden, wurde mit je zwei Bifilar-Strom-
messern an im ganzen 46 Meßstellen je eine Gezeitenperiode lang in fünf gleich
abständigen Tiefen vom Boden bis zur Oberfläche beobachtet. Die Beobachtungen
galten der Untersuchung der Einwirkung der Gezeitenströme auf die Abnahme
des Strandes vor Norderney. Als Beobachter waren tätig: Dr. Dunkel und eine
kurze Zeit lang Oberinspektor Thiel oder Frau E. Rauschelbach und vom Wasser
baubüro Norderney der Techniker Prause, sowie die Hilfskräfte Hartig und Vißer.
Die Beobachtungsstreifen sind zum Teil ausgewertet und bearbeitet.
Im Berichtsjahre wurden ferner die in den letzten Jahren durchgeführten
Strommessungen von mehreren Hilfskräften unter der Leitung Dr. Rauschelbachs
außerhalb der Deutschen Seewarte bearbeitet, und zwar die im Ostfriesischen
Gatje und in der Geeste-Mündung erhaltenen Strombeobachtungen vollständig
und die bei der Düne von Helgoland erhaltenen Beobachtungen zum größten Teile.
4. Auskünfte. Im Berichtsjahre wurden wieder zahlreiche Auskünfte und
Gutachten über die Gezeiten und Gezeitenströme der Elbe an Schiffahrtskreise,
Behörden und Privatpersonen abgegeben.
5. Sonstige Arbeiten. Für die beiden neuen im Preußischen Wasserbau
amt in Wesermünde und auf der Deutschen Seewarte aufgestellten Tischpegel
wurden mit der Gezeitenreehenmaschine vollständige Gezeitenkurven von Weser
münde und Hamburg gezeichnet.
Für die Schiffahrt wurden Fahrpläne für regelmäßig zwischen Hamburg und
Cuxhaven verkehrende Schiffe unter Berücksichtigung der Gezeitenströme auf
der Elbe angefertigt. Für Wasserbaubehörden und die Hersteller von Kalendern
wurden Kalenderangaben, wie Sonnen- und Mond-Auf- und Untergänge, und
Gezeitenangaben von nicht in den Gezeitentafeln enthaltenen Orten berechnet.
Die am Tischpegel beobachteten Hoch- und Niedrigwasserzeiten und -höhen
wurden einer Hamburger Zeitung zum Abdruck und der „Norag“ regelmäßig
werktäglich vormittags zur Verbreitung durch den Rundfunk übermittelt.
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