Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1930.
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über gewachsen. Die Prüfungsordnung erfuhr einige kleine Ergänzungen, blieb
aber im wesentlichen unverändert. Die Dauer der großen Prüfung wurde auf
Wunsch der Chronometermacher und im Interesse der Chronometereigentümer
von 75 auf 52 Tage herabgesetzt, sie kann unter besonderen Umständen bis auf
36 Tage vermindert werden. Die Prüfung, einschl. einiger Tage Ruhe vor Beginn
und nach Beendigung der Uhrenvergleichungen, letzteres zum Zwecke der Er
ledigung der Rechnungen für den Prüfschein, dauert also jetzt 2 Monate (statt
früher 3), gegebenenfalls nur l 1 / 2 . Die einzuhaltenden Bedingungen wurden jedoch
mit Einverständnis der Chronometermacher etwas verschärft. Von 51 einge
lieferten Instrumenten bestanden 13 die große Prüfung nicht; am Jahresschluß
befanden sich noch 7 Instrumente in Prüfung. Auch hier ist erfreulicherweise
eine erhebliche Zunahme der eingelieferten Instrumente zu verzeichnen. Einer
kleinen Prüfung (Gangprüfung bèi Zimmertemperatur) wurden 11 Instrumente
unterworfen. Die Zunahme der Zahl der zu prüfenden Chronometer ist z. T.
darauf zurückzuführen, daß der Seeberufsgenossenschaft ausführliche Berichte
über Mißstände im Chronometerwesen und Vorschläge zu deren Abstellung über
sandt wurden, woraufhin diese eine verschärfte Kontrolle der Chronometer an
Bord vorzunehmen scheint.
Taschenuhren wurden im ganzen 12 untersucht, 5 davon nach der Goslarer
Prüfungsordnung; von letzteren bestand eine nicht. Hierbei wurden einige be
sondere Untersuchungen weitergeführt.
Das Prüfungsinstrumentarium blieb unverändert. Jedoch wurde von E.Treusein
ein Gerät hergerichtet, das eine automatische Registrierung der Chronometer
stände auf den Chronographen durch Aufnahme und Verstärkung der Gang
geräusche zuläßt. Mit diesem Gerät wurden einige erfolgreiche Versuche gemacht,
eine allgemeine Verwendung bei den Chronometervergleichungen oder doch
wenigstens bei speziellen Untersuchungen, ist vorgesehen.
f) Astronomie, Ortsbestimmungsmethoden. Funkortung.
Mit der am 1. August erfolgten Einstellung eines weiteren Astronomen
konnten Aufgaben aus diesen Gebieten in größerem Umfange als bisher in An
griff genommen werden. Dr. Freiesieben bearbeitete im besonderen die Frage
der Brauchbarkeit nautischer Rechenstäbe und die hiermit zusammenhängenden
Rechenmethoden, ferner rechnete derselbe Dämmerungstabellen für praktischen
Gebrauch (z. B. für Auskünfte über Helligkeitsfragen) und beschäftigte sich mit
der Anlage einer Kartothek für die in der Abteilung in Frage kommende wissen
schaftliche Literatur.
Die viel Zeit beanspruchende Erteilung von Auskünften und Gutachten ver
schiedenster Art wurde wie bisher erledigt.
Für die beabsichtigte Teilnahme an der geplanten internationalen Längen
vermessung 1933 wurden einige Vorarbeiten in Angriff genommen. — Die Auf
arbeitung des sich aus den Zeitbestimmungen, täglichen Uhrvergleichungen usw.
anhäufenden wertvollen Beobachtungsmaterials mußte auch im vergangenen Jahre
leider wieder zurückgestellt werden; nur einige aus dem täglichen Zeitdienst sich
ergebende kleinere Untersuchungen konnten angestellt werden.
g) Werkstatt.
Eine Aufzählung der wichtigsten Arbeiten, die nach Anstellung des Mecha
nikers in der neu eingerichteten Werkstatt ausgeführt wurden, ist, um deren
Notwendigkeit zu erweisen, unerläßlich.
Zu Anfang des Jahres sind zunächst die von Nauen übernommenen beiden
Hauptsignalgeber, der Vorsignalgeber und die ihn auslösende Pendeluhr über
holt und teilweise konstruktiv verbessert worden. Weiter wurden im Laufe des
Jahres überholt und meist auch verbessert: 6 Pendeluhren, 4 Chronographen
(davon 1 der Hauptagentur Kiel), der Rücksignalgeber, der Uhrvergleichungs
automat, die Synchronisationseinrichtungen für die Ko-Signal-Geber, das Durch
gangsinstrument, mehrere Zeitsignalempfänger (2 davon für die Hauptagenturen
Kiel und Stettin bestimmt), die Antennen und Batterieanlagen. Neu angefertigt
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